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Kultur See Die kommende Generation

26.09.2011


Der Kunstverein Radolfzell hat einen Preis für junge Künstler ausgelobt. Die Ergebnisse sind in einer Ausstellung zu sehen

Aus Anlass seines 20-jährigen Bestehens hat der Kunstverein Radolfzell einen Kunstpreis für junge Künstlerinnen und Künstler aus der Region ausgeschrieben. Die unter 35-Jährigen konnten bis zu vier Arbeiten einreichen, aus denen dann drei Preisträger ausgewählt wurden. Diese drei Preisträger und noch 20 andere Künstler sind jetzt in einer interessanten und sehr abwechslungsreichen Ausstellung in der Villa Bosch zu sehen.

Der Hauptpreis ging an Judith Lenz, die mit Linoldrucken auf Schnittmuster- und Japanpapier die Jury überzeugen konnte. Mit ganz leichter Hand hat die Künstlerin, die 1980 in Mutlangen geboren wurde, unzählige winzige Schnitte in das Linoleum geschnitten, die auf dem Papier wie ein feines Liniengerüst zum Tragen kommen. Der zweite Preis ging an die erst 25-jährige Fotografin Magdalena Abele. Großformatige Aufnahmen von Landschafts- und Architekturelementen, in denen und auf denen die Menschen sich wie Ameisen bewegen, geben einen Eindruck von Urbanität und Mobilität, aber auch vom Massentourismus. Der dritte Preisträger ist der 1977 im Thurgau geborene Bildhauer Nicolas Kersieck, der aus Karton, Pappe und Sperrholz Häusertürme und abstrahierte übergroße Menschen formt.

Doch auch die anderen Künstler konnten überzeugen und demonstrieren eine große Vielfalt an unterschiedlichen Techniken, Themen und Materialien. Hunderte von bunten Konfettiteilchen zieren zum Beispiel eine rechteckig geformte Wandskulptur von Felix Schlecht. Akribisch und mit unendlicher Mühe hat Melanie Grocke winzige Dreiecke auf einer großen Bahne Papier so in Aquarellfarben gemalt, das sie ein dreidimensionales Muster ergeben, welches immer wieder anders arrangiert ist.

Hirofumi Fujiwara dagegen stellt witzige Objekte aus Holz sowie Ton her. „Day Dreamer“ ist die Bodenskulptur betitelt, die ein aus transparenten Strohhalmen geformtes Wickelkind auf einem Erdboden zeigt. Nachdenklich stimmen dagegen die kleinen Guckkästchen von Eva Wallner, in denen im Scherenschnitt drei verschiedene Szenen gezeigt werden. „Kind, komm, ich will mit dir spielen“ ist der etwas makabere Titel, denn am Ende wird die eine Figur von der anderen mit einer Flinte erschossen.

In den leichten Tuschzeichnungen von Anna Andris erkennt man Anklänge an japanische Landschaften. Die Titel „Fukushima“ nehmen auf den aktuellen Atomunfall Bezug. Fotolandschaften, auf denen Natur und zivilisatorische Überbleibsel eine Synthese eingehen, zeigt Tobias Wootton, während die abstrakten Monotypien von Martin Baumann an die Maserung von Holzstämmen erinnern. Die Malerin Samantha Augenstein baut dagegen ihre Ölbilder ähnlich wie Cezanne aus lauter kleinen Farbflächen auf, die zusammengesetzt ein Interieur mit Menschen ergeben, jedoch durch Belichtung und Verschiebung ein wenig aus dem Fokus geraten. Objekte wie Pokal, Kannen und Getränkehalter aus verschiedenen Materialien kreiert Anna Malessa. Sie nehmen unseren Design-Fetischismus aufs Korn und wirken in ihrer Verfremdung witzig und frisch.

Weitere Künstlerinnen und Künstler mit Skulpturen, Acrylarbeiten und Fotos komplementieren eine Ausstellung junger Kunst, die unter anderem aufzeigt, wie spielerisch und kreativ junge Künstler heute mit Materialien und Techniken umgehen.

Fokus Junge Kunst. Kunstverein Radolfzell, Villa Bosch, noch bis zum 3. Oktober,

Öffnungszeiten: Di–So 14–17:30 Uhr,

Infotelefon: 07732- 81370.

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