Warum finden wir Kaiser Karl den Großen auf dem Deckenbild der Klosterkirche Ottobeuren? Weshalb hält der Hund des Diogenes auf der Wiblinger Bibliotheksdecke eine brennende Lampe in seinem Maul, und was macht der kleine Engel in Ochsenhausen mit seiner Feuerspritze? Schließlich noch eine rein pekuniäre Frage: Warum ging den Grafen von Montfort das Geld aus? Die Antwort auf alle diese Fragen finden sich in einem prachtvollen Bildband. „Was Oberschwabens barocke Deckenfresken erzählen“, lautet der Untertitel des Buches, das in der heutigen, zunehmend religionsfernen Zeit verloren gegangenes Wissen in Erinnerung ruft (etwa zu den Attributen, mit deren Hilfe sich die dargestellten Heiligen bestimmen lassen) und dazu mit einer Fülle von Anekdoten aufwartet.
Rolf Waldvogel ist ein erfahrener Kulturjournalist, dem es bestens gelingt, ebenso unterhaltsam wie kenntnisreich die mitunter ziemlich komplexen Bildprogramme aufzuschlüsseln. Auf wissenschaftlichen Fachjargon wird dabei, soweit möglich, verzichtet. Im Mittelpunkt des Buches stehen aber fraglos die Bilder selbst. Der Fotograf Volker Strohmaier zeigt die vorgestellten Deckenfresken in hervorragender Qualität und in bislang ungekannter Detailfülle. Es ist ein wahrer Augenschmaus! Endlich kann man ohne die Gefahr einer Genickstarre auch noch die verstecktesten Kleinigkeiten in aller Ruhe studieren. Wahre Heerscharen von Engeln und Heiligen warten darauf, uns ihre Botschaften mitzuteilen.
