Ist der virtuelle Schauspieler der Bessere? Simeon Blaesi, Überlinger Regisseur und Kulturmanager, wagt einen spannenden Drahtseilakt, eine prickelnde Fusion, ein aufregendes Experiment: Er inszeniert eine Passage aus klassischer deutscher Theaterliteratur – nämlich aus Arthur Schnitzlers „Reigen“ – im Internet. Am 10. Mai ist Premiere. Diese Inszenierung darf man sich aber nicht als Film mit lebenden Schauspielern vorstellen: Blaesi geht ins Second Life, die Parallelwelt im Internet, in der sich jeder Nutzer mittels einer eigens erschaffenen Figur, die über die Computertastatur gesteuert wird, bewegen kann.
Auch Blaesis Schauspieler sind gesteuerte Figuren, so genannte Avatare, ohne eigene Emotionen. Und das, so der Regisseur, sei gegenüber dem „echten“ Theater aus theaterhandwerklicher Sicht ein erheblicher Vorteil. Der virtuelle Schauspieler könne vom Regisseur so gestaltet werden wie es der Rolle, die er verkörpern soll, dienlich ist. „Der menschliche Schauspieler kann nie eine ganz reine Form der Kunst erreichen, spielen doch der eigene Charakter, die eigenen Emotionen und der Egoismus stets in die Figur mit hinein“, erläutert der Kulturmacher. Auch das Bühnenbild, die Kostüme und die Requisiten ließen sich im Second Life mit erheblich weniger Aufwand erstellen, sagt Blaesi. „Durch die fast unbegrenzten Gestaltungsmöglichkeiten sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt.“
