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Kreis_Konstanz Zeppelin-Gewerbeschule: Wo Schüler zu Umweltbotschaftern werden

Die Zeppelin-Gewerbeschule in Konstanz ist vorbildlich in Sachen Umweltschutz. Sie ist die einzige Schule in Baden-Württemberg, die sich mit den Titel Ressourcenschule schmücken darf.

Wer durch die Zeppelin-Gewerbeschule Konstanz (ZGK) geht, stößt an allen Ecken und Enden auf den Umweltschutz: Die Toiletten werden mit Regenwasser gespült, die Schule verkauft wiederverwendbare Trinkflaschen und hält Wasserspender bereit. Papier wird beidseitig bedruckt. Fahrräder spielen eine wichtige Rolle und auf dem Schuldach blüht im Frühling eine Wildwiese. Die Lehrer setzen ständig Umweltprojekte um und sensibilisieren auch im Unterricht. Das hat sich ausgezahlt: Die Zeppelin-Gewerbeschule ist die einzige Bildungseinrichtung im Land Baden-Württemberg, die sich mit dem Titel Ressourcenschule schmücken darf.

Doch darum allein geht es dem Kollegium nicht. "Ein Zertifikat oder eingespartes Geld sind für uns nicht ausschlaggebend", sagt Siegmar von Detten, der am Technischen Gymnasium im Profil Informationstechnik unterrichtet. "Viel wichtiger ist das Umdenken der Schüler, sie achten nun extrem auf Nachhaltigkeit", sagt der Lehrer und gibt ein Beispiel: Im Treppenhaus lagert ein Haufen Elektroschrott. Der wird nicht einfach entsorgt, sondern immer wieder schauen Schüler und Lehrer nach wiederverwertbaren Teilen. So werden alte Breitbandkabel mit zwei neuen Steckern versehen und erneut eingesetzt. Kostenfaktor: 18 Cent anstatt vier Euro pro Stück. Ein Jugendlicher kam außerdem auf die Idee, einen ausrangierten Schul-PC mit dem Betriebssystem Linux auszustatten. "Der alte Computer läuft sehr schnell, und der Schüler kann damit ins Internet und auch programmieren", sagt Siegmar von Detten begeistert.

Das Beispiel machte Schule, plötzlich rüsteten 30 Jugendliche alte Geräte um und nahmen sie mit nach Hause. Andere kamen auf die Idee, PC-Kühler als Zettelhalter zu verwenden oder Schrott so zusammzulöten, dass Briefbeschwerer in Form keliner Tierskulpturen entstehen. "Es imponiert den Schülern, wenn sie Dinge selbst herstellen können, anstatt alles zu kaufen", schwärmt Siegmar von Detten. Der Kreativität werden dabei keine Grenzen gesetzt: Ein Schüler bastelte aus 20 alten Diskettenlaufwerken sogar ein Klavier. Je nachdem, wie schnell die Antriebsmotoren bewegt werden, entstehen hohe oder tiefere Töne.

Auch im Seminarkurs von Sandra Leichsenring geht es um Nachhaltigkeit. Zurzeit beschäftigen sich Schüler mit der Frage, ob Bio-Kosmetik wirklich Bio ist, ob Elektromobilität in Europa einen Mehrwert bietet und ob Kleinwasserkraftwerke in privater Nutzung effizient sind. Auf theoretische Untersuchungen und Berechnungen folgt ein praktischer Part. So konstruierte eine Gruppe einen Trinkwasseraufbereiter aus leicht zugänglichen Materialien für 20 Euro. Und die Zwölftklässler Anna Schlaich und Florian Neumann möchten Regenrohre verengen und eine kleine Turbine einbauen. "Mal sehen, ob sich damit effizient Strom gewinnen lässt", sagt Anna. Der 18-jährige Philipp Tolksdorf findet es wichtig, sich mit der Umwelt auseinanderzusetzen: "Das betrifft uns noch mehr als unsere Vorgängergeneration", davon ist Tolksdorf überzeugt.

Das sieht Karl Knapp genauso. Der stellvertretende Leiter der Zeppelin-Gewerbeschule in Konstanz bereitete den Boden für die Auszeichnung als Ressourcenschule. "Die Umwelt liegt mir schon lange am Herzen", sagt Knapp und fügt hinzu: "Noch viel mehr Schulen sollten sich um den Titel bemühen, denn das sind ideale Orte, um Zukunft zu gestalten. Wenn wir die Schüler permanent einbinden, geben sie ihr Wissen an Freunde und Familie weiter und werden so zu wichtigen Umweltbotschaftern."

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