Konstanz Wohlfahrtsverbände: Flüchtlingsintegration ist Langzeitaufgabe

Nach Einschätzung der Liga der freien Wohlfahrtspflege im Landkreis Konstanz bleiben Betreuung und Integration der Flüchtlinge noch über lange Zeit eine wichtige Aufgabe. In der Liga sind unter anderem Caritas, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt und Deutsches Rotes Kreuz zusammengeschlossen. Neuer Vorsitzender des Dachverbands ist AWO-Kreisgeschäftsführer Reinhard Zedler.

Auch wenn die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge im Landkreis Konstanz stark zurückgegangen ist: Die Integration der Menschen aus den Krisen- und Kriegsgebieten der Welt bleibt eine der wichtigsten Aufgaben im Arbeitskatalog der Wohlfahrtsverbände. Aus Sicht von Caritas, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt und weiteren Organisationen ist das Engagement in der Flüchtlingsarbeit kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf. Auch in den nächsten Jahren werde die Integration der Flüchtlinge die große Herausforderung bleiben, versicherte Reinhard Zedler, der Geschäftsführer des AWO-Kreisverbandes, anlässlich des Vorsitzwechsels in der Liga der freien Wohlfahrtspflege, der acht Verbände angehören. Zedler übernimmt das Amt von Diakonie-Geschäftsführer Christian Grams und ist damit für die nächsten beiden Jahre Sprecher der Liga.

Grams erinnerte in seiner Bilanz an die in den vergangenen zwei Jahren notwendige Soforthilfe für die Migranten. Ein hoher Prozentsatz der Aktivitäten sei auf kurzfristige Unterstützungsmaßnahmen für Flüchtlinge ausgerichtet gewesen. Inzwischen geht es darum, die Eingliederungsprozesse zu verstetigen. Die Liga der freien Wohlfahrtspflege hat in Absprache mit Kreis und Kommunen die Anschlussbetreuung der Flüchtlinge übernommen, wenn diese aus den Gemeinschaftsunterkünften des Landkreises in Wohnungen der Kommunen ziehen.

In diesem Zusammenhang stellen die Wohlfahrtsverbände einerseits Betreuungspersonal, andererseits leisten sie Beratungsarbeit. So koordiniert das Diakonische Werk die Aktivitäten der Helferkreise. Der Caritasverband macht Angebote zur Qualifizierung ehrenamtlicher Helfer in der Flüchtlingsarbeit, und die Arbeiterwohlfahrt vermittelt Migranten in gemeinnützige Arbeit. In Singen hat die AWO Spielstuben für Flüchtlingskinder eingerichtet. Neben der Integrationsaufgabe kümmern sich die Wohlfahrtsverbände um weitere wichtige Themenfelder.

Wachsende Altersarmut, Wohnraummangel und Pflegenotstand sehen AWO-Geschäftsführer Zedler und seine Stellvertreter im Liga-Vorstand, Christian Grams und der Konstanzer Caritas-Vorstand Matthias Ehret als Kernprobleme an. Die Wohlfahrtsverbände könnten nicht die Rentengesetzgebung verändern, aber sie könnten etwas für die Menschen tun, so der neue Liga-Vorsitzende. Etwa in der Beantwortung der Frage: "Wie können wir soziale Ausgrenzung verhindern." Große Herausforderungen sehen die Vertreter der Wohlfahrtsverbände auch in der stationären Pflege. Matthias Ehret verwies auf einen Trend: "Kleinere Einheiten in der Pflege zu schaffen – das wird die Zukunft sein". Es werde nicht einfach werden, für diese Einrichtungen Personal zu finden und zu schulen, prognostizierte Reinhard Zedler. Kreisweit sind nach Angaben der Liga-Vertreter derzeit Projekte zur Schaffung von 200 neuen Pflegeplätzen in Planung.

Der Verband, die Aufgabe, die Zukunftsfähigkeit

  • Die Liga der freien Wohlfahrtspflege ist Dachverband von acht Organisationen im Landkreis: AWO-Kreisverband, Diakonische Werke der Kirchenbezirke Konstanz und Stockach-Überlingen, Caritasverbände Konstanz und Singen-Hegau, DRK-Kreisverband, Paritätische Sozialdienste Konstanz (PSD) und Zentralrat der Juden in Deutschland, vertreten durch die Synagogengemeinde Konstanz.
  • Der Landkreis unterstützt die soziale Arbeit der Wohlfahrtsverbände mit Zuschüssen. Die Liga verhandelt für ihre Mitglieder mit dem Sozialdezernat über die Zuwendungen. In der laufenden Förderperiode zahlt der Kreis 2,8 Millionen Euro für Projekte und Service-Angebote – von der Suchtberatungsstelle bis zur Schuldnerberatung. Dazu kommen 35 000 Euro Förderung für die Verbände selbst.
  • Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist nach Auffassung des Liga-Vorstands auch eine große Herausforderung für die Wohlfahrtsverbände. "Das wollen wir aktiv angehen, bevor es uns überrollt", kündigte Reinhard Zedler an. Digitale Kommunikation ist längst im Alltag verankert. So wird beispielsweise im Caritas-Integrationsbetrieb Seehörnle auf der Höri der Zimmerservice über WhatsApp gesteuert.

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