Was meinen Sie: Sollen Senioren regelmäßig auf ihre Fahrtauglichkeit getestet werden?
Kreis Konstanz – Das Auto zuckelt mit Tempo 40 auf der Bundesstraße und staut kilometerweit andere Fahrzeuge hinter sich. Normalerweise rollt der Verkehr hier mehr als doppelt so schnell. Die 82-jährige Frau, die den Stau verursacht hat, erklärt später der Polizei, sie habe nicht schneller fahren können – wegen des Staus.
Ein 79-jähriger Autofahrer überholt ausgerechnet auf der Busspur einen Streifenwagen der Polizei. Später sagt er den Ordnungshütern, er habe weder bemerkt, dass es sich um eine Busspur handelt, noch habe er die Rot zeigende Ampel gesehen.
In Fällen wie diesen – wo möglicherweise Zweifel an der Fahrtüchtigkeit aufkommen können – schaltet die Polizei das Straßenverkehrsamt ein. Das lässt eben diese Fahrtüchtigkeit prüfen. Dann nimmt beispielsweise ein Mediziner eine Untersuchung vor. Daraus könnte die Erkenntnis folgen, dass der untersuchte Autofahrer sich besser nicht mehr hinters Steuer setzen sollte. Zwangsläufig ist dieser Schluss jedoch nicht. Vielleicht braucht der Senior, der über die Busspur geprescht war, nur eine Brille? Ein anderer, der besonders blendempfindlich ist, sollte vielleicht nur bei Tageslicht Auto fahren dürfen. „Wir müssen das sensibel prüfen“, sagt Gabriele von Adlersfeld, auf deren Schreibtisch im Straßenverkehrsamt Konstanz die oben geschilderten Fälle landen. Sie weiß, dass die von der Polizei geschilderte Wahrnehmung nicht immer die genaue Ursache des Fehlverhaltens trifft.
Nicht immer kommt die Bitte um Prüfung der Fahrtüchtigkeit bei älteren Menschen von der Polizei. Manchmal liefern auch Bekannte oder Verwandte Fingerzeige. Lädt das Straßenverkehrsamt dann Senioren zum Gespräch und dann womöglich zur medizinischen Prüfung der Fahrtauglichkeit, stößt das nicht immer auf Einsicht. „Jetzt fahre ich schon 70 Jahre unfallfrei“, hielt ein Senior einmal Gabriele von Adlersfeld entgegen.
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