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Kreis Konstanz Tierschutzpreis für Konstanzer Forscher

Biologen um den Konstanzer Uni-Professor Marcel Leist entwickeln eine Methode, die Tierversuche ersetzen soll – und bei der Erforschung der Parkinson- und Alzheimer-Erkrankungen auch effektiver sein soll. Der Bundeslandwirtschaftsminister verlieh dem Team nun den Tierschutzforschungspreis.

Es ist ja nicht so, dass ein biomedizinischer Lehrstuhl mit 15 000 Euro Preisgeld große Sprünge machen könnte. Es gibt aber Preise, bei denen der ideelle Wert und das Renommee mehr zählen als die Dotierung. Zum Beispiel diesen hier: der Tierschutzforschungspreis des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Und der geht in diesem Jahr nach Konstanz. Gestern nahmen der Uni-Professor Marcel Leist und der Privatdozent Stefan Schildknecht von der Uni Konstanz die Auszeichnung in Berlin aus den Händen von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt entgegen.

Das Konstanzer Wissenschaftlerteam um Marcel Leist, Stefan Schildknecht und Liudmila Efremova hat eine Methode entwickelt, an separierten Nervenzellen statt an lebenden Tieren Versuche vorzunehmen. Von dieser Methode erhofft sich die Jury, dass innerhalb von zehn Jahren Hunderttausende Tiere von Tierversuchen verschont bleiben.

Leist und seine Arbeitsgruppe an der Uni Konstanz entwickeln Modelle, wie Interaktionen zwischen Gehirnzellen nachgestellt und gemessen werden können. Dieses Gebiet betrifft vor allem das Erforschen sogenannter degenerativer Krankheiten wie Morbus Parkinson und Alzheimer. In diesem Forschungszweig werden viele Tierversuche an Primaten und Mäusen vorgenommen. Aber die Konstanzer Methode ist darüber hinaus für die gesamte biomedizinische Forschung relevant“, sagt Leist.

Der Zellenpool, mit dem das Team um Leist arbeitet, stamme aus einer früheren Kooperation mit schwedischen Kollegen, erklärt der Biomediziner. Es handele sich um menschliche Gehirnzellen, die nicht aus Stammzellen gewonnen worden seien und die sich aus sich heraus vermehren lassen. Forschen an separierten Zellkulturen, die ohne Leid gewonnen wurden, statt an lebendigen Tieren – dies machte die Jury des Forschungspreises hellhörig.

Leist hält die Methode seines Teams aber nicht nur in ethischer Hinsicht, sondern auch in biomedizinischer Hinsicht für vielversprechend: „Wir glauben, dass die Tierversuchsmodelle nicht effektiv sind“, sagt der 51-Jährige. „Gegen Parkinson- und Alzheimererkrankungen ist ja auch noch nichts gefunden worden.“ Die Übertragbarkeit auf den Menschen sei bei Tierversuchen eben nicht immer gegeben, überdies lasse sich ein Versuch an den Neuronen-Kulturen besser kontrollieren als ein Tierversuch.

Zehn Jahre lang hätten die Wissenschaftler an der Entwicklung des Modells gearbeitet, sagt Leist. Dessen Vollendung sei für die Arbeitsgruppe durchaus ein Meilenstein. Jetzt gelte es für seine Kollegen und ihn, das gefundene Neuronenmodell weiterzuentwickeln, sodass alle Pharmaunternehmen und Forschungseinrichtungen es selbst anwenden können. Die ersten Unternehmen arbeiteten bereits mit der in Konstanz entwickelten Methode, erzählt Leist.


Ein besonderer Lehrstuhl

Der Arbeitsplatz von Marcel Leist hat Seltenheitswert: Der Konstanzer Biologe ist Professor an Deutschlands erstem Lehrstuhl für Alternativen zum Tierversuch. Finanziert wird dieser von der Schweizer Doerenkamp-Zbinden-Stiftung. Im nächsten Jahr ist zudem das Land Baden-Württemberg als Finanzier dabei. Leist bezeichnet sich als „moderater“ Tierversuchsgegner. Der Biomediziner glaubt zwar nicht, dass Tierversuche eines Tages komplett überflüssig sind, aber er glaubt daran, dass sie zukünftig die Ausnahme sein können.

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