Kreis Konstanz Spritziges Konzert ohne Musik

Der „Chor ohne Namen“ rockte mit rund 50 Mitwirkenden ein großes A-cappella-Programm

Der „Chor ohne Namen“ hat sich inzwischen einen solchen gemacht: Als gemischter Rock- und Popchor, in kurzer Zeit auf 50 Mitwirkende angewachsen, bewegte er sich in Hedicke's Terracotta so zwanglos auf der Bühne wie er gekleidet war: Er gab sein Jahreskonzert, doch dieser trockene Titel sagte wenig aus über die farbige Programmfolge, die gut mit „Have a good time“ zu titeln wäre.

Chorische Rock- und Popmusik: Das ist eine anspruchsvolle Sache mit manchmal unglaublich schwierigen Akkordfolgen voller (eigentlich immer schön klingender) Dissonanzen; das braucht feines Gehör, Gefühl, Zeit, gutes Gedächtnis fürs Auswendigsingen und Ausdauer. Der „Chor ohne Namen“ (der diesen Namen unbedingt beibehalten will) bringt das alles auf, hat sich in die schwierigen Songs so hineingearbeitet, dass vieles mühelos klingt und mit Sentiment oder Fetz, groovend, swingend oder rockig zur Freude der saalfüllenden Zuhörer rüberkommt.

Matthias Weisgerber, der umtriebige Gründungsdirigent von 2009, wollte sich nicht mit möglichst vielen guten Songs begnügen: Er hatte ein historisches Programm erarbeitet, quasi einen Abriss der Popgeschichte seit 1937 hörbar gemacht und stellte die musikalischen Zeitstile in deren reale Umfelder mit all ihren Errungenschaften, Erfindungen, Pleiten und Kriegen: Spannend erzählt, manchmal weit ausholend, immer aber voll Sprachwitz. Auf diesem Boden gedieh der Gesang des Chors plastisch in all seiner jazzigen Rhythmik, seiner balladenhaften Besinnlichkeit und Melodik, seiner choralartigen Würde oder seiner polyphonen, durchbrochenen Wort- und Gesangsstruktur. Dass dann noch Körperrhythmik im Spiel war, gab Würze bei. Fast alles war a capella gesungen: Eine große Leistung! Ebenso durchgehend war die englische Sprache, bis auf die eine Ausnahme in der Schlussnummer mit „Tage wie diese“, was dann eigenartig fremd wirkte: Die Härte unserer Muttersprache, die ihr eigene Akzentpräzision, aber ein finales Pianissimo von frappierender Wirkung.

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