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Kreis Konstanz Neuer Paten-Dienst für Kinder aus Einwanderer-Familien

Die ersten 35 Paten sind für 27 Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund im Einsatz. Sie helfen bei schulischen Problemen, informieren über das Schulsystem und unterstützen die Familien bei anderen Fragen. Der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes bietet das Projekt Kompass mit Hilfe von EU-Mitteln an. Kompass steht für kompetent, aktiv, selbständig. In Konstanz wird das Projekt durch eine neue Schul- und Bildungsberatungsstelle für Zugewanderte ergänzt

Sie gehen als Bildungspaten in Einwanderer-Familien und helfen bei schulischen Problemen, Fragen zum Schulsystem sowie beim Knüpfen neuer Kontakte. Ein neuer Dienst des Kreisverbands des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), der zu 75 Prozent aus EU-Fördermitteln getragen wird, findet so großen Anklang, dass schon bei der Vorstellung des Projekts gefordert wurde, ihn doch weiter auszubauen.

Kompass heißt das neue Integrationsprojekt. Der Name steht für kompetent, aktiv, selbstständig. Die ersten 27 Bildungspaten stehen bereit, um 35 Kinder mit Migrationshintergrund zu unterstützen. Einige der Paten sind Studierende, die wahlweise ein kleines Honorar oder aufs Studium anrechenbare Notenpunkte für ihre Dienste bekommen. Als Pate könne sich jeder zur Verfügung stellen, der offen sei für andere Kulturen, sagt Projektleiterin Tülin Kabakli vom Kreis-DRK. Die Bildungspaten treffen die Betreuungskinder einmal die Woche. Eine Stunde wird finanziert, tatsächlich aber bleiben viele der Paten oft länger in der Familie. Sie werden noch zum Essen eingeladen, helfen beim Schriftverkehr mit Behörden, geben Tipps. Die 18 Jahre alte Bildungspatin Ann Sophie Lauterbach spricht schon von ihrer zweiten Familie. Sie und andere Bildungspaten sagen nach den ersten Erfahrungen, ein zweiter Termin pro Woche wäre sinnvoll, um etwa Lernfortschritte zu vertiefen. Dies sei aber aus finanziellen Gründen derzeit nicht drin, sagt Projektleiterin Kabakli.

Frank Hämmerle, Landrat und Kreisvorsitzender des DRK, betonte bei der Vorstellung des Projekts wie stark der Landkreis bei der Großaufgabe der Integration auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen sei. „Ohne die Ehrenamtlichen hätten wir hier ganz andere Probleme.“ Christophe Bresoli vom Sprachlehr-Institut der Universität Konstanz forderte in einem Impulsreferat dazu auf, Verschiedenheit und die Zweisprachigkeit als Chancen zu sehen. Es gelte Fremdsprachige nicht von vornherein als weniger leistungsstark zu stigmatisieren, und sie bei der Entwicklung der Mutter- und der neuen Sprache zu fördern. Lehrer müssten in Deutsch als Fremdsprache zusätzlich ausgebildet werden.

Bei der Auftaktveranstaltung stellte sich auch die traurige Mutter eines zehn Jahre alten Jungen vor, der dringend Hilfe in der Schule bräuchte, der aber fürs Paten-Projekt nicht infrage kommt. Denn seine Eltern mit türkischen Wurzeln haben längst den deutschen Pass, auch wenn sie für die eher misslungene Integration der 90er-Jahre stehen. Die Mutter etwa kann auch nach 25 Jahren in Deutschland kaum die Sprache. In den Putzjobs, in denen sie arbeitete, habe sie Deutsch nicht benötigt. Da sie selbst den Sohn nicht unterstützen und eine private Nachhilfe nicht finanzieren könne, wäre ein Pate für ihn das Richtige.


Die Helfer fördern auch das Selbstvertrauen

Anna-Maria Waibel: Die 24-jährige Studierende für Deutsch als Fremdsprache betreut als Bildungspatin zwei Geschwisterkinder aus Syrien. „Sie haben in allen Fächern mehr Probleme als die Kinder mit deutscher Muttersprache. Ich helfe in allen Fächern und muss ihnen immer wieder sagen, was sie gut können. Sie sehen selbst nicht, dass für sie auch eine Drei in Deutsch gut sein kann.“

Ann Sophie Lauterbach: Die Studentin der Fächer Politik und Verwaltungswissenschaft betreut einen türkischen Viertklässler. „Er spricht sehr gut Deutsch, macht aber kleine Fehler.“ Für Ann Sophie Lauterbach ist der Einsatz in der Familie gar nicht so fremd. Sie habe schon viele türkische Freunde und marokkanische Verwandte. Sie sei schon bestens eingeführt in deren Traditionen.

Kayhan Yargi: Der 27-jährige Wirtschaftsstudent beginnt gerade als Bildungspate. Er kümmert sich um zwei Kinder aus Afghanistan. „Sie können sehr gut Deutsch, aber ich habe den Eindruck, dass ihnen das Selbstvertrauen fehlt.“ Er selbst sei in einer Familie mit türkischen Wurzeln aufgewachsen und wisse, wie wichtig Unterstützungen sein können. Er sei in Deutsch und Türkisch gefördert worden. (rin)

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