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Kreis Konstanz Neue Krimiserie: Wasserschutzpolizei Bodensee ermittelt

Die ARD schickt wieder Ermittler aus Konstanz ins Rennen. WaPo Bodensee heißt die Krimiserie, die ab dem 17. Januar im Vorabendprogramm läuft. Unser Kritiker Tilmann P. Gangloff lobt die Kulisse, findet aber „WaPo Bodensee“ genauso betulich wie den "Tatort“ aus Konstanz, der inzwischen abgesetzt worden ist.

Als der SWR vor einiger Zeit ankündigte, den „Tatort“ aus Konstanz einzustellen, war die Trauer in der Region groß; nicht unbedingt wegen der Krimis mit Eva Mattes, die allzu oft recht betulich waren, sondern weil es immer schön ist, wenn das eigene Lebensumfeld derart in Szene gesetzt wird, wie das beim Bodensee-„Tatort“ der Fall war. Immerhin hat der SWR beizeiten vorgesorgt: Wenige Wochen nach dem Abschied von Klara Blum und Sebastian Bezzel geht ein neues Ermittlerteam aus Konstanz an den Start. Die ARD-Vorabendserie „WaPo Bodensee“ kommt indes mindestens genauso brav und bieder daher wie der „Tatort“. Gäbe es nicht die ungleich fesselndere und handwerklich ambitionierte ZDF-Filmreihe „Die Toten vom Bodensee“, würden TV-Zuschauer außerhalb der Region zwangsläufig den Eindruck bekommen, Krimis aus dem Südwesten müssten so sein.

Für diese Form des Fernsehens steht nicht zuletzt Hauptdarstellerin Floriane Daniel, die zu Beginn ihrer Karriere in anspruchsvollen Filmen wie „Winterschläfer“ (1997) mitgewirkt hat, seit einigen Jahren aber vorwiegend auf Figuren mütterlicher Matronenhaftigkeit festgelegt ist. Gerade das wiederum hat sie womöglich für die Rolle der Nele Fehrenbach prädestiniert: Die neue Leiterin der Wasserschutzpolizei Konstanz ist alleinerziehende Mutter mit einem freundlichem Wesen, die stets versucht, Konflikte gütlich und mit sanfter Stimme zu lösen. Damit dieses Naturell besonders deutlich wird, ist ihr Kollege Rambach (Ole Puppe) so ungefähr das Gegenteil. Obwohl Fehrenbach einst am Bodensee aufgewachsen ist und nun nach vielen Jahren in Hamburg und einer offenbar unschönen Scheidung zurückgekehrt ist, wird sie nicht nur von Rambach wie eine Zugereiste behandelt. Nicht minder konfliktreich ist das Zusammenleben mit ihrer Mutter (Diana Körner), in deren Villa sie mitsamt ihren Kindern gezogen ist.

Gute Voraussetzungen also für eine Familienserie, zumal sich gerade Neles 14-jähriger Sohn mit dem Umzug sehr schwer tut und zudem von seinen Mitschülern gemobbt wird; aber „WaPo Bodensee“ soll ja eigentlich eine Krimiserie sein. Dramaturgisch stehen die Fälle tatsächlich im Vordergrund, aber angesichts von Hunderten Filmen und Serienfolgen pro Jahr fällt es Autoren zunehmend schwer, originelle Geschichten zu erzählen. Davon abgesehen gibt es zwar immer wieder Momente, die für ein wenig Spannung sorgen, aber Nervenkitzel war offenbar verpönt. Umso wichtiger wäre es gewesen, andere Einschaltimpulse zu setzen, wie das in der Fernsehsprache heißt; also zum Beispiel Schauspieler zu engagieren, die eine gewisse Zugkraft haben. Die mit Ausnahme von Floriane Daniel, Ole Puppe und Diana Körner weitgehend unbekannten Ensemblemitglieder machen ihre Sache zwar ordentlich, aber es ist auch niemand dabei, der sich für höhere Aufgaben aufdrängt. Immerhin ist der amüsante Schlagabtausch, den sich die WaPo-Chefin regelmäßig mit ihrem Schweizer Pendant (Martin Rapold) liefert, umso sympathischer. Das haben sich die Autoren womöglich vom „Tatort“ abgeschaut; auch Klara Blum durfte sich von Zeit zu Zeit ein romantisches Geplänkel mit dem Thurgauer Kollegen liefern.

Und so wäre „WaPo Bodensee“ nicht mehr als eine Vorabendserie wie viele andere auch, wenn da nicht der ganz besondere Schauplatz wäre. Schon der Vorspann verbreitet hemmungslose Urlaubsstimmung, und auch in den einzelnen Folgen gibt es viele wunderbare Aufnahmen. Aus Sicht der Tourismuseinrichtungen dürfte die Produktion daher als rundum gelungen gelten, denn die Botschaft der Bilder ist eindeutig: Wenn man schon nicht das Glück hat, hier leben zu dürfen, sollte man wenigstens seinen Urlaub in der Region verbringen.

Zur Serie

Die achtteilige ARD-Vorabendserie „WaPo Bodensee“ (ab 17. Januar immer dienstags um 18.50 Uhr) ist im Sommer und im Herbst 2016 unter anderem in Konstanz, Radolfzell und Überlingen entstanden. Das Team der Wasserschutzpolizei wird von Floriane Daniel, Ole Puppe, Wendy Güntensperger und Simon Werdelis verkörpert. Alle vier mussten das Bodensee-Schifferpatent machen, um in Szenen auf dem Wasser entsprechend glaubwürdig agieren zu können. Die Produzentin, SWR-Fernsehfilmchefin Martina Zöllner, schätzt den Handlungsort: „Wasser, Sonne, Berge – einen attraktiveren Schauplatz für eine Fernsehserie als die Bodenseeregion im Sommer kann es wohl kaum geben.“

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