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Konstanz Luftqualität in Konstanz und der Ostschweiz: Weniger Feinstaub und Ozon, aber Stickoxide machen Sorge

Die Luftqualität in Konstanz und der Ostschweiz hat sich verbessert, doch die Abgase von Dieselfahr­zeugen bleiben ein Problem. Das zeigt der Jahresbericht von Ostluft, der Luftqualitätsüberwachung der Ostschweizer Kantone, die auch eine Messstelle in Konstanz hat.

Verglichen mit der hohen Feinstaubbelastung im Stuttgarter Talkessel ist die Welt in Konstanz und und der Ostschweiz lufttechnisch betrachtet in Ordnung. Wie Ostluft, die gemeinsame Luftqualitätsüberwachung der Ostschweizer Kantone und des Fürstentums Liechtenstein, im soeben veröffentlichen Jahresbericht herausstellt, ging die Feinstaubbelastung in den vergangenen 15 Jahren im Mittel zurück. Und für 2016 wird festgehalten: "Keine einzige Messstation überschritt den erlaubten Jahresgrenzwert."

Das gilt auch für Konstanz. Die deutsche Stadt am Bodensee ist nämlich in das Netz der Messstationen von Ostluft einbezogen. Meter Maly, Geschäftsführer des Ostluft-Netzwerks, spricht denn auch von "einem weniger belasteten Jahr." Auch die Ozonwerte fielen im vergangenen Jahr geringer aus. Die Experten von Ostluft registrierten an den meisten Standorten "eine der tiefsten Ozonbelastungen seit Messbeginn in der Ostschweiz". Wobei hier Witterungseinflüsse den Ausschlag gaben: Rekord-Sonnenarmut im Juni sowie keine lang anhaltenden Inversionswetterlagen.

Messstandort Konstanz: Befriedigende bis gute Lage in Sachen Luftqualität

Ohne kritische Anmerkungen kommt die Ostluft-Bilanz indes nicht aus. So sei die Stickstoffdioxid-Belastung (NO2) entlang der Hauptverkehrsachsen unverändert hoch. Dies betreffe keineswegs nur bestimmte Standorte im Großraum Zürich. Der Luftqualitäts-Messverbund verweist auf die auch in Deutschland intensiv diskutierte Lage: Neue dieselbetriebene Fahrzeuge können im realen Betrieb die EU-Grenzwerte nicht einhalten. Der hohe Anteil älterer Dieselautos mit viel höheren Stickoxidwerten im Abgas trägt in der Summe entscheidend mit dazu bei, dass prognostizierte Verbesserungen verhindert werden.

Der Schadstoffausstoß der Dieselfahrzeuge müsse endlich in der Praxis getestet werden, fordert Ostluft-Geschäftsführer Maly. Die Aufsichtsbehörden hätten bisher zu viel Vertrauen in die Typenprüfung gehabt.

Bezogen auf den Messtandort Konstanz konnte Martin Wichmann, der stellvertretende Leiter des Konstanzer Amts für Stadtplanung und Umwelt, dem Fachausschuss des Gemeinderats zuletzt eine befriedigende bis gute Lage in Sachen Luftqualität präsentieren.

Weder bei bei Stickoxiden noch bei Feinstaub oder Ozon gebe es kritische Überschreitungen. Das zeige der Luftqualitätsindex. Die Dauermessstation von Ostluft in einem Wohnviertel im Stadtteil Paradies ist indes von den Betreibern als Hintergrundstandort definiert. "Je näher man ans Auspuffrohr kommt, desto höher sind die Schadstoffkonzentrationen", räumt Wichmann ein.

In Konstanz sei die Bodanstraße im Stadtzentrum von Verkehrsfrequenz und damit auch von der potenziellen Schadstoffbelastung her problematischer als der Messstandort Wallgutstraße. Für Wichmann bleibt in jedem Falle wichtig, Stickstoffdioxid- und Feinstaubwerte weiter zu beobachten. In der Verkehrspolitik will die Stadt darauf hinwirken, den Anteil des motorisierten Verkehrs zu reduzieren.


Messeinrichtungen wieder abgebaut

Von der dauerhaften Messstation in der Konstanzer Wallgutstraße wurde laut Stadtverwaltung 2016 ein Jahresmittelwert von 20 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter Luft gemessen. Grenzwert: 40 Mikrogramm. Beim Feinstaub waren es 15 Mikrogramm (Grenzwert ebenfalls 40).

Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) hatte im Jahr 2016 probeweise für zwölf Monate eine Messstelle an einer Straße in Konstanz mit hoher Verkehrsfrequenz eingerichtet. Untersuchungsstandort war die Theodor-Heuss-Straße zwischen Zähringerplatz und Zufahrt zur alten Rheinbrücke. Hier rollen pro Tag rund 10.000 Fahrzeuge durch. Die gemessenen Schadstoffwerte waren laut LUBW nicht besorgniserregend. Beim Feinstaub wurde ein Jahresmittelwert vom 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft registriert. Der Immissionsgrenzwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit liegt bei 40 Mikrogramm.

Bei Stickstoffdioxid zeichnete die Messanlage eine Überschreitung des Grenzwerts von 40 Mikrogramm auf. Die war nach Angaben der LUBW indes so kleinräumig, dass sie nicht gewertet werden konnte. Am Ende sah die Landesanstalt für Umwelt keine Notwendigkeit, die Messungen fortzusetzen. Inzwischen seien die Messeinrichtungen wieder abgebaut, so hieß es.

Deutliche Kritik an der Landwirtschaft

  • Der Jahresbericht der Luftqualitätsüberwachung der Ostschweizer Kantone kritisiert die Bauern. Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft gefährden durch den hohen Stickstoffeintrag naturnahe Ökosysteme und tragen zur Versauerung der Böden bei, so der Vorwurf. Die Auswirkungen auf die Ökosysteme seien verheerend. Die Landwirtschaft sei mit über 90 Prozent an den Ammoniak-Emissionen beteiligt, wobei Harn und Kot der Nutztiere die Hauptquelle darstellten. So warnt der Lufthygieniker Beat Achermann, die Pflanzenvielfalt nehme rapide ab: "Wo Landwirtschaft betrieben wird, sehen Wiesen teilweise aus wie Golfplätze." Ostluft-Geschäftsführer Peter Maly appellierte im Gespräch mit dieser Zeitung: "Die Landwirtschaft muss etwas tun." Das Problem stelle sich auch in Deutschland.
  • Nach Darstellung von Ostluft enthalten Mist und Gülle viel stickstoffhaltiges Ammoniak, das als Gas aus den Ställen sowie bei der Lagerung und beim Austragen der Gülle in die Luft entweicht. Ammoniak in der Luft sei problematisch, weil es dort nicht bleibe, sondern in Form von Gas und Feinstaub, aber auch mit dem Regen in Böden abseits der landwirtschaftlichen Flächen gelange. In derart überdüngten Gebieten wachsen dann jene Pflanzen besonders schnell, die viel Stickstoff mögen. Damit verdrängen sie Pflanzen, die an eine nährstoffarme Umgebung angepasst sind. Wiesenblumen verschwinden. Bauern könnten abhelfen, zum Beispiel indem sie Gülle bodennah ausbringen, damit sie rascher versickert.

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