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Bodensee Katamaran-Unfall auf dem Bodensee: Schiffsführer soll 3600 Euro Geldstrafe zahlen

Die Staatsanwaltschaft Konstanz hat gut fünf Monate nach dem Katamaran-Unfall auf dem Obersee ihr Ermittlungsergebnis bekannt gemacht. Nachdem die schnelle Fähre ein Segelschiff gerammt hatte, war dieses gesunken. Die beiden Segler wurden aus dem Wasser gerettet. Die Staatsanwaltschaft kommt zur der Einschätzung: Der Steuermann des Katamarans hätte den Unfall verhindern können.

Die Staatsanwaltschaft Konstanz hat einen Strafbefehl gegen einen der beiden Schiffsführer des Katamarans beantragt, der am 12 August vergangenen Jahres auf dem Obersee vor Hagnau eine Segeljacht gerammt und versenkt hatte. Die Ermittlungsbehörde wirft dem Steuermann des schnellen Fährschiffs vor, "den Unfall fahrlässig verursacht zu haben", sagte Andreas Mathy, Sprecher der Staatsanwaltschaft Konstanz, am Dienstag auf Anfrage des SÜDKURIER. Mathy bestätigte, dass die monatelangen Ermittlungen in dem Fall nun abgeschlossen seien. Laut Strafbefehl soll der Mann, der zum Zeitpunkt des Unfalls den Katamaran steuerte, 3600 Euro bezahlen.

"Die Staatsanwaltschaft wirft dem Schiffsführer fahrlässige Gefährdung des Schiffsverkehrs in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung vor", so fasste der Behördensprecher das Ergebnis der Untersuchung zusammen. "Der Steuermann hätte den Unfall verhindern können, er hätte das Segelboot sehen müssen", erläuterte Mathy. Davon sind die Ermittler überzeugt. Der zweite Schiffsführer, der mit an Bord war, muss nicht mit juristischen Konsequenzen rechnen. Er habe sich zum Zeitpunkt des Unfalls von einem Ingenieur in bestimmte technische Details einweisen lassen, so hieß es.

Das Amtsgericht Konstanz hat den Strafbefehl bereits erlassen. Er wurde dem Rechtsbeistand des Schiffsführers zugestellt. Der Mann kann nun binnen zwei Wochen Widerspruch gegen die Strafanordnung erheben. Tut er dies, kommt es zur Verhandlung vor dem Schiffsgericht, das beim Amtsgericht Konstanz angesiedelt ist. Solche Verhandlungen kommen nach Angaben des Sprechers der Staatsanwaltschaft eher selten vor.

Bei dem Unfall war die stattliche, knapp zehn Meter lange Segeljacht eines Konstanzer Ehepaars auseinandergebrochen und in ganz kurzer Zeit gesunken. Die Katamaran-Besatzung rettete hernach die beiden Segler aus dem Wasser. Das Paar erlitt bei dem Unfall laut Mathy Prellungen, Hauptabschürfungen und eine Unterkühlung. Somit erkläre sich der Vorwurf der Körperverletzung. Sicher ist auch, dass der Unfall für die Segler noch viel schlimmer hätte ausgehen können.

Auch das Landratsamt Konstanz ist über das Ermittlungsergebnis informiert worden. Die Behörde ist für die wasserrechtliche Genehmigung des Katamaran-Betriebs zwischen Friedrichshafen und Konstanz zuständig. Umweltdezernent Philipp Gärtner sagte, das Amt habe für nächste Woche zu einer Besprechung mit anderen Behörden eingeladen. Dabei solle geklärt werden, ob genehmigungsrechtliche Konsequenzen zu ziehen seien. Der Bodensee-Segler-Verband hatte nach dem Unglück die Sicherheitsstandards für den Katamaran-Betrieb beklagt.

Kleine Chronologie der Ereignisse

  • Der Unfall: Es ist Freitag, der 12. August, als es zwischen 18 und 19 Uhr auf dem Obersee in Höhe von Hagnau zu einem folgenschweren Schiffsunfall kommt. Der Katamaran Constanze, ein Fährschiff, das auf der Linie Konstanz-Friedrichshafen verkehrt, rammt eine Segeljacht. Das Segelboot bricht auseinander und sinkt. Das Seglerpaar wird von der Katamaranbesatzung aus dem Wasser gerettet.
  • Die Folgen: Nach dem Unfall wird der Katamaran-Schiffsführer angezeigt. Polizei und Staatsanwaltschaft nehmen die Ermittlungen auf. Rasch ist klar, dass der Katamaran an der Unfallstelle keine Vorfahrt hatte. Das rund 150 000 Euro teure Segelboot ist auf den Seegrund abgesunken. Laut Polizei soll das Wrack nicht gehoben werden. An der Unfallstelle ist der Obersee etwa 240 Meter tief.
  • Der Bodensee-Segler-Verband stellt nach dem Unfall die Sicherheitsauflagen für die schnellen Katamarane zur Diskussion. Bei der Verlängerung der wasserrechtlichen Erlaubnis für den Fährbetrieb Ende 2002 seien Sicherheitsauflagen zurückgenommen worden. Die Friedrichshafener Reederei kontert mit dem Hinweis, der Katamaran sei das bestkontrollierte Verkehrsmittel auf dem See. (fdo)

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