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Kreis Konstanz / Bodensee Katamaran-Unfall: Seglerverband fordert Sicherheitsmaßnahmen

Nach der Kollision des Katamarans Constanze mit einer Segeljacht, bei der Letztere zerbrach und im Bodensee versank, meldet sich jetzt der Bodensee-Segler-Verband (BSVb) zu Wort. Der Verband fordert, gegen die bestehende Zulassung für die Schnellfähre, eine sofortige Doppelbesetzung des Steuerstandes.

In einer Stellungnahme fordert der Präsident des 105 Vereine umfassenden Verbands, Theo Naef, die Wiedereinführung der ersten wasserrechtlichen Erlaubnis, die vom Landratsamt Konstanz beim Start der Verbindung im Jahr 2005 erlassen wurde. "Wir haben damals gegen die Schnellfähre gekämpft", erklärt Naef im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Der BSVb sprach sich damals im Namen von 22 000 Seglern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gegen die Einführung der Verbindung zwischen Konstanz und Friedrichshafen, die im Jahr 2015 täglich knapp 1500 Personen nutzen, aus. Der Kat kam, doch der Verband konnte "als Kompromiss", wie Naef es nennt, einige seiner Forderungen in die Zulassung einbringen. Dazu zählte die zwingende Steuerung des Katamarans durch zwei qualifizierte Schiffsführer, die zu jeder Zeit gemeinsam auf der Brücke die Kontrolle haben mussten. Zusätzlich zur Doppelbesetzung des Steuerstandes gab es auch Aufzeichnungen des Geschehens auf der Brücke durch einen Voice Recorder. Der grüne Ball, die Vorfahrtsberechtigung eines Schiffs, konnte auf die Hafenbereiche begrenzt werden.

Zum 1. Januar 2013 änderte die Untere Wasser- und Schifffahrtsbehörde in Konstanz bei der Verlängerung der Erlaubnis auf Anfrage der Reederei die Auflagen für den Katamaran. Statt zwei voll qualifizierten Schiffsführern, die mindestens fünf Jahre Erfahrung auf dem Bodensee vorweisen müssen, durfte mit der neuen Sicherheitsbestimmung einer der Kapitäne durch einen Matrosen-Maschinenwart ersetzt werden. "Das ist ein normaler Vorgang nach acht Jahren, in denen man Erfahrungen mit dem bis dahin neuen Schiffsbetrieb sammeln konnte", erklärt Sebastian Dix, Sprecher der Katamaran-Reederei. Am Tag des Unfalls seien sogar zwei Schiffsführer mit "langjähriger Erfahrung auf dem Katamaran" an Bord gewesen. Die Kombination Schiffsführer und Matrose-Motorenwart sei eine seltene Ausnahme. Außerdem verweist Dix auf die Besatzung anderer Verkehrsschiffe: "Auf einer Fähre ist es normal, dass es nur einen Schiffsführer gibt."

Vom Freizeitkapitän bis zum Fährverkehr – im Sommer ist es auf dem See gerappelt voll.
Vom Freizeitkapitän bis zum Fährverkehr – im Sommer ist es auf dem See gerappelt voll. | Bild: Achim Mende

Theo Naef verweist auf die Geschwindigkeit des Katamarans, der auf offenem Wasser derzeit 32 Kilometer die Stunde fährt. "Das kann man mit einer Fähre, die halb so schnell und noch dazu vorfahrtsberechtigt ist, nicht vergleichen", so der Präsident. Neben der Wiedereinführung der Doppelbesetzung des Steuerstandes fordert der Verband außerdem die Aberkennung des grünen Balls für den Katamaran innerhalb des Hafenbereichs. In der Stellungnahme, die an den ersten Landesbeamten Philipp Gärtner gerichtet ist, wird bis zur Aufklärung des genauen Unfallhergangs die unverzügliche Wiedereinführung der ersten wasserrechtliche Erlaubnis aus dem Jahr 2005 gefordert. In Konstanz, dem Sitz der unteren Schifffahrts- und Wasserbehörde, wartet man auf die Untersuchungen der Wasserschutzpolizei.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand ist noch unklar, ob sich zum Zeitpunkt der Kollision ein oder zwei Kapitäne auf der Brücke befanden. "Das Landratsamt prüft zunächst die Sach- und Rechtslage und wird dann entscheiden, ob weitere Auflagen angeordnet werden müssen", erklärt Benedikt Graf, Pressesprecher des Landratsamtes.

Dix beteuert, dass die Reederei mit zwei vollwertigen Radarsystemen anstatt nur einem schon jetzt höhere Sicherheitsstandards habe als gesetzlich vorgeschrieben. "Wir sind das bestkontrollierte Verkehrsmittel auf dem See", so der Sprecher. Der BSVb will nach Angaben Naefs das weitere Vorgehen in Sachen Katamaran kommende Woche in einer Mitgliederversammlung besprechen.

 

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