Bodenseeraum Integration am Bodensee: Für Menschen mit Behinderung muss noch vieles besser werden

Menschen mit Handicap haben es im Alltag immer noch schwer. Behindertenbeauftragte am Bodensee wollen das nun ändern. Am 11. Oktober findet das erste Internationale Bodensee-Treffen der Behindertenbeauftragten in Friedrichshafen statt.

Harald Blume (Name geändert) möchte am Wochenende ins Kino gehen. Das ist für ihn eine besondere Herausforderung, denn er ist irreparabel schwerhörig. Wenn es im Kinosaal keine Induktionsschleife gibt, also eine technische Hörhilfe, dann hat sich der Ausflug für Blume rasch erledigt. Bei anderen Veranstaltungen würden Blume und viele andere Hörgeschädigte von Gebärdendolmetschern profitieren. Doch dieser Service ist die die Veranstalter ein Kostenfaktor.

Mit solchen und anderen Problemen behinderter Menschen im Alltag beschäftigte sich eine Tagung im Konstanzer Landratsamt. Hier kamen erstmals Behindertenvertreter aus dem internationalen Bodenseeraum zusammen, aus Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz. Im Meinungs- und Erfahrungsaustausch der Teilnehmer wurde allen eines rasch klar. "Die Probleme für behinderte Menschen sind in den vier Ländern nicht verschieden. Wir haben alle die gleichen Schwierigkeiten", fasste es Stephan Grumbt, Behindertenvertreter der Stadt Konstanz, zusammen.

Oswald Ammon, Behindertenbeauftragter des Landkreises Konstanz, hatte die Tagung zusammen mit Brigitte Späth, der Fachberaterin für Entwicklungszusammenarbeit, organisiert. Konkret ging es um die Frage: Wo gibt es dringenden Handlungsbedarf in Sachen Integration von behinderten Menschen? Bei der Tagung wurden Schwierigkeiten angesprochen, die im Bereich der Mobilität, bei öffentlichen Veranstaltungen, Tagungsorten und touristischen Angeboten bestehen.

<strong>Selbstbestimmt trotz Handicaps:</strong> Vom Treppenlift über barrierefreie Badlösungen bis zu Beratungsangeboten: Im Podiumsgespräch am Samstag, 12 Uhr, spricht unter anderem Behindertenbeauftragte Stephan Grumbt über das "Leben ohne Barrieren".
Selbstbestimmt trotz Handicaps: Vom Treppenlift über barrierefreie Badlösungen bis zu Beratungsangeboten: Im Podiumsgespräch am Samstag, 12 Uhr, spricht unter anderem Behindertenbeauftragte Stephan Grumbt über das "Leben ohne Barrieren". | Bild: Oliver Hanser

"Kaufe ich als Behinderter eine Fahrkarte in Deutschland, ist es ermäßigt oder kostenfrei. Kaum fahre ich über die Grenze, wird es teuer", sagte Stefan Grumbt und beschrieb damit ein Grundproblem für behinderte Menschen im Grenzverkehr. Die Tagungsteilnehmer setzen sich für die Einführung einer länderübergreifenden Wertmarke ein. Die Marke soll sich dabei am Grad der Behinderung (GDB) orientieren. "In der Praxis bekommt so ein behinderter Mensch mit einem Behindertengrad von 100 Prozent ein kostenfreies, länderübergreifendes Ticket. Hat er einen Behindertengrad von 20 oder 60, trägt er einen bestimmten Anteil selbst", erläuterte Oswald Ammon.

Im Bereich der Kultur müssen nach Auffassung der Behindertenvertreter die Veranstalter verstärkt in die Pflicht genommen werden. "Hier schwebt uns ein Zertifikat vor, das ein Veranstalter vorweisen muss", forderte Oswald Ammon. Auf dem Zertifikat soll vermerkt werden, über welche behindertengerechte Ausstattung der Veranstaltungsort verfügt. "Vom barrierefreien Zugang bis hin zur Behindertentoilette kann das Zertifikat alles enthalten."

Auch im touristischen Bereich soll etwas getan werden. "Ein digitaler Stadtplan soll zeigen, wo die Stadt behindertengerecht ausgestattet ist", schlug Brigitte Späth vor. Wichtig sei dabei ein barrierefreier Zugang, aber auch, ob das Hotel eine Leitlinie für Blinde besitzt. Der Singener Behindertenbeauftragte Klaus Wolf ergänzte: "Es gibt Busunternehmen, für die sind Behinderte eine beliebte Zielgruppe. Die Nachfrage nach Übernachtungen von Menschen mit Behinderungen steigt jedes Jahr." Am Ende wertete Oswald Ammon die Tagung im Landratsamt als Erfolg. Sie diente der Vorbereitung einer großen Veranstaltung, die im Herbst in Friedrichshafen stattfinden soll.


Bentele kommt

Am 11. Oktober findet das 1. Internationale-Bodensee-Treffen der Behindertenbeauftragten in Friedrichshafen statt. Dann wollen die Behindertenvertreter öffentlich und unterstützt von prominenten Gästen die Probleme der Menschen mit Handicap in den Blickpunkt rücken und für Verbesserungen werben. Als Teilnehmerin wird zum Beispiel die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele, erwartet. Sie ist mehrfache Goldmedaillen-Gewinnerin bei Winterparalympics und Weltmeisterschaften.

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