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Kreis Konstanz Hauptsaison für Spenden

03.12.2011


Auf zahlreichen Fernsehsendern tummeln sie sich nun. Sie sind mit der Kamera vor Ort.

Zeigen das Elend der Kinder und ihren Familien in Afrika, Südamerika oder auch hier, direkt vor der eigenen Tür. Sie besuchen Lehmhütten und Plattenbauwohnungen. Zeigen traurige Kinder, die mit großen Augen in die Kamera schauen. Die Rede ist nicht von Sensationsreportern, sondern von prominenten Spendensammlern. Kurz vor Weihnachten gehen die Spendenmarathons, -galas und -aufrufe wieder los.

Die Fülle an Möglichkeiten, sein Geld für den guten Zweck einzusetzen, ist gerade in der vorweihnachtlichen Zeit schier unendlich. Die meisten Organisationen sammeln zwar das ganze Jahr Gelder für ihre wohltätigen Projekte. Doch kurz vor Weihnachten lassen sich mehr Spender finden als unter dem Jahr. Diesen Trend kann auch Johanna Klumpp vom Caritasverband Konstanz bestätigen. „Weihnachten ist der spendenträchtigste Zeitraum, da bekomme ich die meisten Antworten auf meine Anfragen“, sagt die Caritas-Mitarbeiterin.

Die Rückmeldung, die Johanna Klumpp von Spendern erfährt, ist durchweg positiv, sagt sie. Vor allem weil das Geld in der Region bleibt. Die Caritas unterstützt Projekte vor Ort, wie beispielsweise Pflegeheime, Kindergärten, Frauenhäuser und Behindertenwohnheime. „Unseren Spendern ist es wichtig, dass ihr Geld hier bleibt und sie sehen können, was wir damit machen“, berichtet Klumpp. Wenn ein Spender wissen möchte, was genau mit seinem Geld passiert ist, dann könne man ihn einfach in die besagte Einrichtung oder auf die Baustelle führen und zeigen, was durch seine Spende passieren konnte, so Klumpp. Eine besondere Form der Hilfe stellt das Projekt „Weihnachten für alle“ dar, das gemeinsam mit dem Verein „Widmann hilft Kindern in der Region“ und dem SÜDKURIER realisiert wird.

Es werden Spenden und Geschenke gesammelt und an mehr als 40 bedürftige Familien in der Region verteilt.

Doch auch für Organisationen, die sich in aller Welt engagieren, ist Transparenz sehr wichtig. Die Singener Organisation Hoffnungszeichen hat sich auf humanitäre Hilfe in Afrika spezialisiert. Dort unterstützt sie in unterschiedlichen Ländern wie dem Sudan, Kenia oder Kongo die Menschen mit medizinischer Versorgung, sauberem Trinkwasser und Lebensmitteln. „Wir haben eine eigene Internetseite zum Thema Transparenz und stellen monatlich in unserem Magazin konkrete Hilfsprojekte vor“, berichtet Martin Hofmann von Hoffnungszeichen. Die Hilfsorganisation unterstellt sich den strengen Auflagen des Spendenrates und lässt sich den verantwortungsvollen Umgang mit Spenden von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer bestätigen.

Negative Erfahrungen hat Hofmann noch nicht gemacht. Geneigte Spender seien schon mal sehr skeptisch und informieren sich ganz genau über einzelne Projekte. „Es kommen Anrufe, aus denen hervorgeht, dass durchaus Vorsicht vor Betrügereien besteht“, so Hofmann. Eine Anruferin wunderte sich über einen etwas veränderten Brief, den sie von Hoffnungszeichen bekommen habe und fragte bei der Organisation nach, bevor sie Geld spendete. Sie kannte Hoffnungszeichen und vermutet, dass jemand Fremdes in ihrem Namen versuchte, Spenden zu erschleichen. „Spender sollen ruhig aktiv sein und nachfragen und auch hinterfragen“, fordert Johanna Klumpp.

Doch wie findet man in der Flut an Bittstellern und Spendenorganisationen das richtige Projekt? Martin Hofmann rät, nicht allzu spontan in seiner Großzügigkeit zu sein. „Man sollte nicht nach dem Gießkannenprinzip spenden, sondern sich ein persönliches Spendenkonzept erstellen“, sagt Hofmann. Wichtig dabei sind die Themen, die dem Spender persönlich am Herzen liegen. Im nächsten Schritt geht es um den finanziellen Rahmen der Spende. „Vielleicht kann man mit etwas kleineren Beiträgen ein Projekt längerfristig unterstützen“, schlägt Martin Hofmann vor.

Bei der Auswahl der Organisation sollte sich der geneigte Spender überlegen, was er von der Organisation erwartet. Möchte er lieber eine religiöse Organisation fördern? Oder regelmäßig einen Projektbericht erhalten? Anhand dieser Punkte kann ein Spender die für sich richtige Einrichtung finden und das Projekt unterstützen, das ihm wichtig erscheint. „Spendern wird auch empfohlen, sich auf einige wenige Organisationen zu konzentrieren, da viele Einzelspenden den Verwaltungsaufwand steigern“, sagt Hofmann. Johanna Klumpp vom Caritasverband Konstanz empfiehlt Spendern, auf die Werbung der Organisationen zu achten.

Ein Kennzeichen, das gemeinnützigen Organisationen ihre Seriosität bescheinigt, ist das Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). Um diese Auszeichnung zu erhalten, wird die Organisation von einem unabhängigen Steuerprüfer unter die Lupe genommen und die Rechnungsbelege überprüft. „Das DZI-Siegel ist prinzipiell eine gute Orientierung für Spender, jedoch ist es recht teuer sich prüfen zu lassen“, sagt Johanna Klumpp. Das Siegel ist erst seit einem Jahr auch für lokale Organisationen erhältlich. Martin Hofmann von Hoffnungszeichen begrüßt alle Mittel, die zu mehr Transparenz beim Spenden führen, gibt jedoch zu bedenken: „Letztlich beurteilen diese Mechanismen die Arbeit größtenteils rückwirkend und können doch keine hundertprozentige Sicherheit gewährleisten.“

Das Spendensammeln auf den Straßen oder an der Haustür wird von vielen Organisationen wie auch Spendern kritisch betrachtet. Seriöse Spendensammler haben eine Sammelerlaubnis und einen Ausweis der Organisation dabei.

Anders sind die Straßenbettler, die in mitleiderregender Pose auf dem kahlen Boden knien. Die Hintermänner sind oft skrupellose Kriminelle. „Das Problem haben wir eigentlich in jeder größeren Stadt in Westeuropa“, sagt Fritz Bezikofer, Pressesprecher der Polizei im Kreis Konstanz. Rechtlich ist das Betteln nicht verboten, so lange es nicht in aufdringlicher Weise passiert. Jedoch sind viele der Bettler aus dem osteuropäischen Ausland hergebrachte Menschen, die in kleinen Wohnungen oder Zelten im Wald gehalten und jeden Tag in die deutschen Innenstädte gefahren werden. So geht das Tag für Tag. „Gerade vor Weihnachten ist das Geschäft sehr einträglich“, so Bezikofer. Für die Polizei ist das Durchbrechen dieser kriminellen Bettel-Strukturen schwierig.

„Jeder muss selbst entscheiden, ob er Straßenbettlern Geld gibt oder nicht“, sagt der Pressesprecher. Er sieht es eher als gesellschaftliches Problem, dass die Bettelbanden so erfolgreich sind. In den Großstädten ist es für organisierte Bettler durch die besondere Wachsamkeit der Polizei gefährlich geworden. Es zieht sie nun in die Klein städte, wo sie laut Fritz Bezikofer auch eher von Tür zu Tür gehen und dort um Geld betteln. Und auch an der Tür wird sicher der ein oder andere sein Portemonnaie öffnen.

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