Konstanz Gemeinsame Zucht: Forscher stecken Felchen und Edelkrebse in spezielle Wohngemeinschaft

Wisschenschaftler testen in einer geschlossenen Anlage in der Pfalz die gemeinsame Zucht von Bodenseefelchen und Edelkrebsen. Das Projekt ist auch für mögliche Aquakulturen interessant.

Landau/Konstanz (dpa/lsw)Bei der Zucht der beliebten Speisetiere Bodenseefelchen und Edelkrebs gehen Forscher neue Wege. „Die beiden Arten verstehen sich gut“, sagte Matthias Hundt, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Koblenz-Landau, bei der Eröffnung einer Zuchtanlage in Landau in der Pfalz. Dort werden beide Tiere nach Angaben der Universität erstmals in gemeinsamen Becken gezüchtet, um herauszufinden, ob die Edelkrebse das Wasser reinigen, indem sie den Kot der Felchen essen. Eine Gewässerverunreinigung durch große Mengen von Fischkot wird von Kritikern als ein Argument gegen geplante Felchen-Aquakulturen im Bodensee angeführt. „Man verbindet hier Schutz und Nutzen“, sagte Norbert Wagemann, Projektleiter des vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekts, an dem mehrere Universitäten beteiligt sind. Man könne die Tiere für den Verkauf züchten und den Bestand des vom Aussterben bedrohten europäischen Edelkrebses steigern.

Auch die Fangmenge bei wilden Bodenseefelchen ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Mit 205,4 Tonnen wurden 2016 nach Angaben der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für Bodenseefischerei (IBKF) im Obersee des Bodensees weniger als die Hälfte des Durchschnitts-Fangwerts der vergangenen zehn Jahre erreicht.

Für das Projekt haben Hundt und seine Kollegen Larven des Bodenseefelchens nach Landau transportiert. Der Vorteil der geschlossenen Kreislaufanlage: „Keine Krankheiten können rein oder raus“, sagte Hundt. Ziel sei auf lange Sicht aber die Zucht in einem See.

Berufsfischer fordern einen höheren Phosphatgehalt im Bodensee, wie Anita Koops, zweite Vorsitzende des Württembergischen Fischereivereins, sagte. Der sei jetzt so niedrig, dass Felchen keine Nahrung mehr finden. Grundsätzlich sei man nicht gegen Kreislauf­anlagen. „Und Forschung in der Richtung ist immer gut“, sagte Koops.

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