Kreis Konstanz Fünf Tage Student auf Probe

Die Wahl des richtigen Studiengangs ist schwer. Drei Konstanzer Studentinnen wollen Schülern helfen. Durch ihr Portal Quaestia können Schüler fünf Tage lang ins Studentenleben hineinschnuppern.

Der Studentenmentor Mako Koebbert von der Konstanzer HTWG (links) lässt den Schüler Nicolas Wolf (rechts) an seinem Hochschulleben teilhaben. Hier zeigt er ihm die Bibliothek. Anna Eckermann ist eine der Gründerinnen des Quaestia-Portals.
Der Studentenmentor Mako Koebbert von der Konstanzer HTWG (links) lässt den Schüler Nicolas Wolf (rechts) an seinem Hochschulleben teilhaben. Hier zeigt er ihm die Bibliothek. Anna Eckermann ist eine der Gründerinnen des Quaestia-Portals. | Bild: Bild: Hanser

Nicolas Wolf sucht noch seine Zukunft. Er ist 18 Jahre alt, macht bald Abitur an der Konstanzer Geschwister-Scholl-Schule und will danach studieren. Aber was? Vor dieser schwierigen Frage stehen viele Abiturienten.

Sieben Konstanzer Studenten wollen ihnen das Leben erleichtern. Sie haben das Internetportal Quaestia gegründet, bei dem Studenten ihren Alltag vermieten. Drei bis fünf Tage lang wird der Schüler zum Hochschüler – und zwar in allen Facetten. Er besucht Vorlesungen, geht in die Mensa und auf Studentenpartys. Sein Mentor nimmt ihn überall hin mit.

Die Idee hatten Elisabeth Haller, Svanja Kleemann und Anna Eckermann in ihrem zweiten Semester. „Wir hatten uns gerade durch den Uni-Dschungel gekämpft und dachten uns, dass andere es leichter haben sollen“, sagt die 22-jährige Anna Eckermann, die Politik und Verwaltungswissenschaften studiert.

Ihr hätte das Hineinschnuppern in den Uni-Alltag sehr geholfen. „Mein Studium besteht nicht nur aus Jura und BWL, sondern auch aus sehr viel Statistik. Das wusste ich nicht, bevor ich nach Konstanz kam“, erzählt sie. Im Internet oder am Tag der offenen Tür kehrten die Hochschulen nur ihre positiven Seiten heraus, meinen die Studenten. Die Schüler sollen aber ein realistisches Bild ihres Wunsch-Studiengangs bekommen.

Das wird auch Nicolas helfen. Er ist der erste Teilnehmer von Quaestia. Welche Vorstellungen hat er vom Studium? „Ich denke, es ist wie in der Schule“, sagt der Abiturient. „Morgens lernt man, dann kommt eine Pause und nachmittags geht es weiter. Ich stelle mir außerdem vor, dass das Studium an einer Fachhochschule viel mehr Praxisanteile hat als an einer Uni“, sagt Nicolas. Sofort hakt sein Studentenmentor Mako Koebbert ein.

„Das dachte ich auch“, sagt er. „Aber inzwischen weiß ich, dass mein Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen Maschinenbau an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung erst ab dem fünften Semester mehr Praxisbezug hat.“ Auch er hätte ein Portal wie Quaestia gebraucht. „Ich habe mir meinen Studiengang anders vorgestellt“, sagt Mako. „Der Stoff wird im Vergleich zur Schule ganz schön schnell durchgezogen und ich muss mich durchbeißen.“

Das musste Mako Koebbert schon seit einiger Zeit. Der 25-Jährige hat sich von der Hauptschule „hochgeboxt“, wie er sagt. Als er nicht wusste, welcher Beruf zu ihm passen könnte, hat er zehn Praktika gemacht – im Kindergarten, in der Pflege, in einem Schwimmbad und in Holz-, Auto- und Elektrowerkstätten.

„Mit Quaestia hätte ich es leichter gehabt“, sagt Mako. Er ist nun motiviert, Schüler für ein paar Tage an seinem Studentenleben teilhaben zu lassen. Dafür bekommt er nicht nur 30 Euro pro Schüler, sondern auch ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung anerkanntes Zertifikat über soziales Engagement.

„Das macht sich gut im Lebenslauf“, sagt Anna Eckermann. Die Quaestia-Erfinder hoffen nun, dass sich in ganz Deutschland so viele Studenten wie möglich anmelden. „Dann können wir viele Schüler davor bewahren, in eine für sie falsche Stadt zu ziehen oder nach zwei Semestern das Studium abzubrechen“, sagt Anna.

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