Abwechslungsreiche Fischmenüs zum Einheitspreis bieten 27 deutsche und Schweizer Restaurants am Untersee wieder bei den Felchenwochen vom 10. September bis 7. Oktober. Damit machen zwei Gasthäuser mehr mit als 2011. Mit dem Liesele in Radolfzell, der Sonne in Weiler und dem Schiff in Stein am Rhein sind drei Restaurants zudem erstmals überhaupt oder seit Jahren mal wieder dabei. Neben klassischen Variationen bieten die Köche auch neue und überraschende Kreationen, verspricht der in Gaienhofen ansässige Verein Tourismus Untersee (TU), der die Aktion koordiniert. In jedem Fall sei es fangfrischer Fisch vom Tage, so wird versichert, und er komme aus dem Untersee und nicht von sonst woher, betont TU-Geschäftsführerin Lucia Kamp: „Das ist uns wichtig.“
Deshalb kann es auch mal vorkommen, dass die Küchenchefs in den Felchenwochen eine andere Fischart in den Mittelpunkt des Menüs stellen. „Das Felchen ist halt ein Naturprodukt“, so Kamp: „Wenn der Fischer keins fängt, kann der Gastronom keines anbieten.“ Denn so unerschöpflich die Zubereitungsvarianten, so endlich ist der Bestand an Felchen. Das ist zwar nach wie vor der „Hauptbrotfisch“ der Berufsfischer am Untersee, rund zwei Drittel der Fänge sind Felchen. Doch in diesem Jahr gingen deutlich weniger Exemplare der beliebten Fischart in die Netze, berichtet der Reichenauer Berufsfischer Werner Keller, der zweite Vorsitzende des Fischereivereins Untersee und Rhein.
Nach der Statistik der staatlichen Fischereiaufsicht fingen die 23 aktiven Berufsfischer von der Reichenau und der Höri in diesen Gewässerabschnitten bis Ende Juli zirka 41 500 Kilogramm Felchen, im Jahr 2011 waren es im selben Zeitraum rund 54 600, in 2010 sogar knapp 70 Tonnen (die August-Zahlen liegen noch nicht abschließend vor). „Ich glaube nicht, dass wir dieses Minus noch aufholen können“, befürchtet Keller. Denn die Felchenschonzeit beginnt Mitte Oktober. Ihm wäre es daher lieber, die bei Gästen wie Einheimischen beliebte Aktion würde schlicht Fischwochen heißen. „Wir hoffen, dass wir was zusammenkriegen, sofern das Wetter mitspielt“, so Keller, der zugleich anfügt: „Es wird immer etwas geben.“
Denn erfreulicherweise seien im Gegensatz zum Felchen die Fänge bei anderen wichtigen Fischarten wieder besser, berichtet Keller: Beim Aal (3350 Kilo bis Ende Juli, Vorjahr: 2070), Hecht (7000/5500) und Barsch (auch als Kretzer, in der Schweiz als Egli bekannt). Gerade beim ebenfalls sehr beliebten Kretzer ist das bedeutsam. Hier hatten die Berufsfischer vom Untersee und Rhein 2009 mit 1659 Kilogramm einen seit 100 Jahren historischen Tiefstand bilanzieren müssen. 2011 hatten sie bis Ende Juli 1180 Kilo (im gesamten Jahr rund 4000) gefangen, nun sind es bereits zirka 2260 Kilo. Dies sei ein kleiner Ausgleich für die fehlenden Felchen, sagt Keller.
Immerhin bekamen die Berufsfischer nach seinen Angaben in diesem Jahr fürs Kilo Felchen zwölf bis 15 Prozent mehr Geld vom Handel. Dadurch ist natürlich auch der Verkaufspreis gestiegen. Wohl auch deshalb kosten die Menüs in den Felchenwochen nun mit 21,50 Euro zwei Euro mehr als in den Vorjahren. In der Schweiz dagegen bleibt der Einheitspreis bei 33 Franken.
Wenn's beim Menü mal ein Krebssüppchen als Vorspeise gibt, kann die Zutat ebenfalls aus dem Untersee stammen. Seit einigen Jahren fangen die Berufsfischer eine größere Zahl der aus Amerika eingeschleppten, kleinen Chamber-Krebse (auf dem Foto zu sehen). Das sei zwar ein lästiger Beifang, weil sich deren Scheren oft in den Netzen verheddern, erklärt Keller, doch: „Dafür gibt's mittlerweile auch Kunden.“
