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Kreis Konstanz/Hochrhein Endlich Wende in der Klinik-Krise

Überraschende Wendung in der aktuellen Klinik-Krise des HBH-Krankenhausverbundes: Singen und Konstanz gehen als mögliche neue Partner im Gesundheitswesen aufeinander zu. Wirtschaftlicher Druck macht's möglich: Beide Städte können sich einen kommunalen Klinik-Verbund auf Landkreisebene denken. HBH-Reha-Einrichtungen am Hochrhein allerdings sollen vermutlich abgestoßen werden.

Kreis Konstanz/Hochrhein – Die finanzielle Schieflage der HBH-Kliniken am Hochrhein und im Hegau sorgt für höchste Unruhe bei den beteiligten Kommunen, die als Gesellschafter den HBH-Verbund tragen. Die Zahlen, die ein aktuelles und neutrales Gutachten zutage fördert, sind offenbar so verheerend, dass die Partner nach neuen Lösungen suchen – und dabei sogar bereit sind, alte Streitigkeiten zu vergessen. Denn bereits im Jahr 2002 hatte es Pläne gegeben, einen Klinikverbund auf Landkreisebene zu schmieden. Das scheiterte. „Damals war der Leidensdruck noch nicht groß genug“, sagt Landrat Frank Hämmerle. Und jeder habe „sich selbst reich gerechnet“.

Diese Zeiten sind vorbei. Sowohl der Hegau-Bodensee-Hochrhein-Verbund (HBH) als auch das Konstanzer Klinikum mit seinem Juniorpartner in Stockach plagen ernsthafte Zukunftssorgen. Nun gibt es ein erstes, vorsichtiges Herantasten der politischen Akteure. Singens Oberbürgermeister Oliver Ehret und sein Konstanzer Amtskollege Horst Frank haben sich vor wenigen Tagen zu einem Arbeitsessen getroffen. Thema: Ist eine Zeit reif, einen erneuten Versuch für eine Kooperation zu starten? Ein weiteres Treffen folgte. Parallel werden derzeit die Gemeinderäte der beteiligten Kommunen über diese neue Marschrichtung informiert.

Das Singener Krankenhaus unterm Hohentwiel, Herzstück des HBH-Verbundes
Das Singener Krankenhaus unterm Hohentwiel, Herzstück des HBH-Verbundes | Bild: Archiv SK
Oberbürgermeister Oliver Ehret verkündete die überraschende Wende bei einem Bürgermeistertreffen in Singen. Ein „kommunaler Verband auf Landkreisebene“ schwebe ihm und den Konstanzern vor. Dies sei „eine historische Chance“. Die bisherigen Kontakte nach Konstanz seien „sehr konstruktiv“ gewesen.

Das sagt Singen: Erste Einblicke gab Ehret in seiner sehr kämpferischen Rede, wie es um die HBH-Partner am Hochrhein bestellt sei. „Der Hochrhein-Weg, der seinerzeit eingeschlagen worden ist, war leider nicht der richtige“, fasst Ehret ein Ergebnis des Kienbaum-HBH-Gutachtens zusammen. Ehret sagt deutlich, dass er hinter dem Verbleib der Rehabilitationseinrichtungen am Hochrhein im HBH-Klinikverbund ein Fragezeichen setze. Für den Akutklinikbereich (Bad Säckingen und Stühlingen) hingegen sieht der Singener OB allerdings „ sehr wohl eine Zukunft in einem gegebenenfalls neu aufgestellten und sortierten Klinikverbund“.

Das sagt Konstanz: Für die Stadt sei es selbstverständlich, dass sie dem Singener Klinikum helfen wolle und dabei alle Möglichkeiten auslote, teilte der städtische Pressesprecher Walter Rügert mit. Am Donnerstag steht das Thema auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Die Verwaltung wünscht sich vom Gremium einen Verhandlungsauftrag, um mit Singen die Kooperationsgespräche vertiefen zu dürfen. Konstanz, ebenfalls wirtschaftlich angeschlagen, erhofft sich durch eine mögliche Allianz Einsparpotenziale auf beiden Seiten. Im Gespräch ist wohl ein gemeinsames Gutachten, um auszuloten, auf welchen Gebieten eine medizinische Liaison sinnvoll ist. Allerdings sollen sich die Konstanzer Chefärzte bereits übergangen fühlen. Denn in die bereits laufenden Gespräche sind sie nicht involviert.

Das sagt Radolfzell: Oberbürgermeister Jörg Schmidt sieht eine Neuausrichtung Richtung Konstanz positiv, sagte er dem SÜDKURIER. „Das hatten wir schon 2002 vor. Wenn Singen und Konstanz nun zusammengehen, müssen allerdings die kleinen Partner wie Engen, Radolfzell und Stockach aufpassen, dass sie nicht zerrieben werden“, erklärt er.

Das sagt Freiburg:

Eingeschaltet ist auch das Regierungspräsidium Freiburg, das derzeit scharf die kommunalen Finanzen in Singen beobachtet. Die Stadt will zu viele Schulden machen, findet die Aufsichtsbehörde.

Das sagt Bad Säckingen:

Alle Beteiligten gehen davon aus, dass der HBH-Verbund die Bad Säckinger Rehaklinik abstößt. Bad Säckingen bereitet für diesen Fall einen Rettungsplan vor. Die wichtigsten Akteure des dortigen Kurwesens trafen sich jüngst, bestätigt Bürgermeister Martin Weissbrodt. Dabei wurde der Vorschlag einer Trennung der Hochrhein-Eggbergklinik diskutiert.

Alles zur Klinik-Krise im Internet:

www.suedkurier.de/hbh

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HBH: Klinikverbund in der Krise: Der HBH-Klinikverbund, mit Standorten in Bad Säckingen (Hochrhein- Eggbergklinik und Krankenhaus), Bad Bellingen, Stühlingen, Singen, Engen, Radolfzell und Gailingen, ist in einer schweren wirtschaftlichen Lage. Alle aktuellen Entwicklungen gibt es hier im Themenpaket.
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