Kreis Konstanz Diesen Mann kann man nicht wählen
So hätte ein Wahlplakat mit Andreas Pitz aussehen können. Für eine Kandidatur zur Bundestagswahl haben ihm aber die Unterschriften von Unterstützern gefehlt. Bild: Arning/Montage: Allgaier/Hof
An jeder Ecke hängen Wahlplakate in den bekannten Farben. Schwarz, rot, grün gelb – alle vier Jahre dasselbe. Andreas Pitz aus Gaienhofen wollte es mit den Namen und Gesichtern von den Plakaten aufnehmen – als Direktkandidat des Projekts „Willi Weise“. Doch sein Name wird am 27. September nicht auf dem Wahlzettel stehen, er hat die erforderliche Anzahl von 200 Unterschriften nicht vorlegen können. „Ich bin zu spät auf Willi Weise gestoßen“, begründet dies Pitz im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Und er erklärt, warum ein Handelsvertreter von der Höri ohne Unterstützung einer mächtigen Partei in den Bundestag möchte.
Bis vor zehn Jahren hatte Pitz keinerlei Interesse an Politik, ging nicht einmal zur Wahl. Jetzt hat er sein Steckenpferd gefunden: Das bedingungslose Grundeinkommen. Über dieses Thema ist er an Willi Weise geraten. „Bei einem bedingungslosen Grundeinkommen sind die Menschen von den Unternehmen nicht mehr erpressbar“, glaubt er. Gleichzeitig benötigen die Unternehmen Menschen sowohl als Arbeitskräfte, als auch als zahlungskräftige Konsumenten. Aber wie soll das finanziert werden, ein Grundeinkommen vom Baby bis zum Greis von 1000 Euro im Monat? „Das geht, das Arbeitslosengeld II und die Rente werden ja auch finanziert“, sagt Pitz. So einfach ist das für ihn.
Aber würden die Menschen dieses geschenkte Geld nicht als Lizenz zum Nichtstun verwenden? „Ein Arbeitsloser kann auch Konsument sein von Beruf“, argumentiert Pitz nicht ganz nachvollziehbar. Außerdem brauche jeder Mensch eine Aufgabe und suche sich genau diejenige, die ihm liegt. Die paar Faulen könne man schon mittragen. Und: Das Wirtschaftssystem sollte sich doch lieber an den Bürger anpassen, nicht andersherum.
Das sind alles redliche Ansätze, sie bleiben jedoch an der Oberfläche. Pitz ist schließlich Politik-Laie. Sein Engagement und sein Einsatz sind aber echt, er will für seine Überzeugungen einstehen und er will auch, dass es Deutschland besser geht. Das können Politiker seiner Meinung nach nicht bewerkstelligen. „Seit 60 Jahren versprechen die Parteien Dinge, die sie dann nicht einhalten“, sagt er. Außerdem liege die wahre Macht doch in den Händen der Lobbyisten. „Im Bundestag sollte das Volk vertreten sein“, findet Pitz. Andere von seiner Idee zu überzeugen und so die nötigen Unterschriften für die Direktkandidatur zu besorgen, ist ihm aber schwer gefallen. Die Leute seien skeptisch, auch die Personengruppe, die ein bedingungsloses Grundeinkommen befürworten würde. Und deswegen hat es nicht gereicht mit seiner Kandidatur.
„Das stinkt mir schon ein bisschen“, gibt er zu. Wenn er die Mehrheit der Stimmen bekommen hätte, Andreas Pitz hätte die Aufgabe auf jeden Fall angenommen. Er meint es ernst. Und will sich weiter für Willi Weise engagieren. Was er aber am 27. September bei der Bundestagswahl selber wählen wird, das kann er noch nicht sagen. Nur eins weiß er sicher: Nicht wählen ist auch keine Lösung.
Anja Arning
