Mein

Kreis Konstanz Die unbekannte Pharmawelt am See

10.07.2010
Schlagwörter


Bodensee – Als Nycomed im Januar 2007 bei dem Konstanzer Pharmaunternehmen Altana das Zepter übernahm, mussten auch viele Forscher und Führungskräfte die Firma verlassen. Einige der ehemaligen Altana-Mitarbeiter wagten in Konstanz und Umgebung den Sprung in die Selbstständigkeit.

Der Stellenabbau bei Nycomed war so auch der Startschuss für eine kleine Gründungswelle von Pharmadienstleistern am See, die ihr Know-how lieber unter eigener Flagge vermarkten wollten, als anderswo anzuheuern. Unternehmen wie Exalon aus Radolfzell, das Biotech-Firmen bei der elektronischen Erstellung von Registrierungsunterlagen unterstützt. Oder die Konstanzer Pharmdev Innovations, die bei der Entwicklung neuer Arzneiformen hilft. Andere Ehemalige hatten Altana oder dem Vorgängerunternehmen Byk Gulden schon vor dem großen Personalabbau vor drei Jahren – 790 Arbeitsplätze fielen allein in Konstanz weg – den Rücken gekehrt, um ihr eigenes Geschäft aufzubauen. Wie Albrecht Möller mit seinem Unternehmen Medidata, das bereits seit 1985 für Pharmafirmen klinische Studien durchführt.

Unter dem Dach des regionalen Pharma-Netzwerks Hipnet rücken die ehemaligen Altana-Kollegen ein Stück enger zusammen. Seit zwei Jahren besteht die informelle Interessengemeinschaft der örtlichen Pharmadienstleister, die auf regelmäßigen Treffen den brancheninternen Kontakt pflegen. Den Nutzen von Hipnet sieht Medidata-Gründer Albrecht Möller für die Mitglieder vor allem als persönliches Empfehlungsnetzwerk und zum unkomplizierten Know-how-Austausch. Den Mitgliedern des Netzwerks geht es aber nicht nur um den unkomplizierten Austausch zwischen Experten, sondern auch um Unterstützung der Wirtschaftsregion. „Von unserem Netzwerk soll auch der Pharmastandort profitieren“, sagt Hipnet-Sprecher Josef Goetz, mit seiner Kommunikationsagentur Comgoetz ebenfalls Mitglied der Organisation.

Zwar sei der Bodensee als Pharmaregion natürlich nicht vergleichbar mit dem Pharmaschwergewicht Großraum Basel. Trotzdem will Hipnet das Know-how der hiesigen Pharmadienstleister stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken.

Ob dazu nicht die seeumspannende Biotechnologie-Initiative Biolago mindestens genauso gut geeignet wäre? Anders als Hipnet, das die Mitglieder als Hobby neben dem eigentlichen Broterwerb betreiben, kann sich Biolago schließlich auf ein Budget von 170 000 Euro im laufenden Jahr und anderthalb hauptamtliche Mitarbeiter stützen. Eine engere Zusammenarbeit der Initiativen Biolago und Hipnet könnte Sinn machen, bestätigt Hipnet-Sprecher Goetz. Doch sei diese Frage bei den Hipnet-Mitgliedern umstritten. Skeptiker eines engeren Zusammenrückens befürchten, dass ihre speziellen Interessen als Pharmadienstleister in dem weiter gefassten Life-Science-Verbund Biolago untergehen könnten, der sich in erster Linie als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Wirtschaft versteht.

Mit derzeit 18 Firmen hat Hipnet sein Mitgliederpotenzial noch nicht ausgeschöpft. „Es sind noch längst nicht alle Pharmadienstleister Mitglied“, sagt Goetz, der zugleich den seenahen Firmensitz als Aufnahmevoraussetzung betont. Schließlich lebe Hipnet vom persönlichen Treffen. „Wir wollen kein virtuelles Netzwerk werden“, betont Goetz. Anfragen von Pharmadienstleistern aus München und Wien hat Hipnet deshalb kürzlich abgelehnt.

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln