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Kreis Konstanz Debatte über Fusionen: Streit um die beruflichen Schulen

Kreispolitiker denken über Zusammenlegungen von beruflichen Schulen nach. Unter deren Leitern regt sich dagegen jedoch Protest.

Die beruflichen Schulen im Kreis Konstanz könnten vor einem Umbruch stehen: Schulpolitiker im Kreistag denken darüber nach, einige Schulen zusammenzulegen. Auch halten sie es für denkbar, dass einige Fachbereiche die Schule wechseln. Noch ist das Ganze im Prüfungsstadium: Die Schulstrukturkommission des Kreistags, in der elf Mitglieder des Schul- und Kulturausschusses zusammenarbeiten, prüft erst noch verschiedene Ideen. Dabei aber kristallisieren sich drei Varianten heraus, für die der Schulausschuss auch schon den Auftrag erteilt hat, sie genauer auszuarbeiten. Und die in Reihen der Schulleiter auf Ablehnung stoßen.

Variante 1 sieht vor, die Zeppelin-Gewerbeschule Konstanz und die Wessenberg-Schule Konstanz zu einem „Berufsschulzentrum Konstanz“ zu verschmelzen, und zwar am Standort der Zeppelin-Schule. Diese Pläne stehen schon länger im Raum und gelten auch als konsensfähig. Denn das Gebäude der Wessenberg-Schule ist marode und müsste teuer saniert werden – da kommt das Interesse der Hochschule Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG), sich das Grundstück zwecks eigener Expansion einzuverleiben, gerade recht. Die Wessenberg-Schule könnte dann auf das Gelände der Zeppelin-Gewerbeschule umziehen. Hinzu kommt nun aber, dass außerdem die Mettnau-Schule Radolfzell ins Berufsschulzentrum Radolfzell integriert werden soll.

Hintergrund ist, dass das zu groß dimensionierte Gebäude besser ausgelastet werden solle, zumal die demografische Entwicklung weiteren Rückgang von Schülerzahlen befürchten lasse, sagt Manfred Hensler, geschäftsführender Schulleiter der beruflichen Schulen im Landkreis und Leiter der Robert-Gerwig-Schule in Singen. So kam es unter den Schulpolitikern offenbar zur Idee, die Mettnau-Schule in das BSZ zu integrieren.

Variante 2 sieht vor, dass zu einem künftigen Berufsschulzentrum Konstanz nicht nur die Zeppelin-Gewerbe- und die Wessenbergschule gehören, sondern auch gleich die Radolfzeller Mettnau-Schule. Dabei sollen dann Teile der Zeppelin-Schule ins BSZ oder in die Hohentwiel-Gewerbeschule abwandern.

Variante 3 ist nach Angaben von Wolfgang Gutmann, Leiter der Mettnau-Schule, nachträglich mit aufgenommen worden: „Diese dritte Variante musste erstritten werden“, sagt er. Sie besagt, dass die Mettnau-Schule am bisherigen Standort verbleibt und die räumliche Auslastung des BSZ stattdessen „durch Verlagerung von Schularten“ sichergestellt wird, wie es in der Tischvorlage für den Kreistag, der am Montag, 22. Mai, im Landratsamt berät, (15.15 Uhr, Kleiner Sitzungssaal), noch recht allgemein heißt.

In Reihen der Berufsschulleiter regt sich Kritik gegen die ersten beiden Varianten. „Wir wollen, dass die Schulen ihre Eigenständigkeit behalten“, sagt Manfred Hensler. „Jede Schule und jedes Lehrerkollegium hat ein eigenes Gesicht und eine eigene Philosophie“, und deshalb könne man Schulen nicht einfach so fusionieren. „Die Erfahrung zeigt, dass es zehn bis 15 Jahre dauert, bis Kollegien zusammengewachsen sind. Und bis dahin passieren viele negative Dinge.“

Der Mettnau-Schulleiter Wolfgang Gutmann findet klare Worte: „Wir sind totunglücklich bei dem Gedanken, dass die Mettnau-Schule ihren Standort verlieren könnte“, erklärt er. Es könne bei den Gedanken über Fusionen „nur um pekuniäre Gründe“ gehen, die aber nun mal zulasten pädagogischer Erwägungen gingen, meint er. So gebe es zum Beispiel im Zweig Altenpflege viele Schüler aus dem Hegau. „Schülerströme nach Konstanz umzuleiten, halte ich da für abwegig“, sagt Gutmann. Auch sei die Schule, die derzeit 820 Schüler besuchen, eine gewachsene Größe: „Sie ist ausgelastet, wir haben in den meisten Bereichen mehr Bewerber als Plätze“. Gutmann hält es für unglücklich und falsch, die Eigenständigkeit dieses funktionierenden und beliebten Hauses dranzugeben.

Die Schulleiter bringen laut Hensler eine vierte Variante ins Spiel: Ein räumliches Zusammengehen von Zeppelin-Gewerbe- und Wessenberg-Schule in Konstanz und von Mettnau-Schule und BSZ in Radolfzell – na gut, wenn es denn nicht anders geht; aber dabei sollen die Schulen ihre Eigenständigkeit behalten und die Mettnau-Schule ein oder zwei eigene Neubauten bekommen. So behielten die Schulen ihr jeweils eigenes Gesicht und ihre eingespielten Profilierungen. „Man kann trotzdem an vielen Stellen sparen“, etwa durch das Betreiben einer gemeinsamen Mensa, schlägt Hensler vor. Die Schulleiter hätten diese vierte Variante auch bereits dem Landkreis und dem Regierungspräsidium vorgestellt. „Das Regierungspräsidium liegt auf unserer Linie“, sagt Hensler.

Noch sind sämtliche Ideen in der Prüfungsphase, das Ergebnis noch offen. Benedikt Graf, Sprecher des Landratsamtes Konstanz, erklärt, Ziel sei es, die beruflichen Schulen „bedarfsgerecht“ auszugestalten, „nicht zu klein, nicht zu groß“. Deshalb sei im vergangenen Jahr ein Gutachten erarbeitet worden, das sich der Themen Schulentwicklungsplanung, Schülerzahlentwicklung und Raumoptimierung annahm. Dieses Gutachten sei nun Ausgangspunkt für die weiteren Überlegungen. „Es wird notwendig sein, strukturelle Veränderungen vorzunehmen“, sagt Graf.

Es sei ja richtig, zu vermeiden, dass Häuser wie das BSZ in Radolfzell räumlich nicht richtig ausgelastet werden, sagt Manfred Hensler. Nur sei es eben falsch, darüber den Wert der Eigenständigkeit der Schulen zu vernachlässigen. Dagegen „wehren wir uns heftig“, erklärt er.


So geht es weiter

Der Kreistag wird bei seiner Sitzung am Montag, 22. Mai, noch keine Entscheidung treffen. Zunächst soll die Schulstrukturkommission – also quasi die Arbeitsgruppe der Schulpolitik-Spezialisten im Kreistag – die vorgeschlagenen Varianten zur Schulentwicklung prüfen. Dabei sollen auch die Schulleiter miteinbezogen werden, wie es in einer Tischvorlage für den Kreistag heißt. Die Kommission wird dann eine Variante empfehlen. Der Kultur- und Schulausschuss im Kreistag soll am 26. Juni über das Ergebnis beraten und abstimmen. Das letzte Wort hat dann der Kreistag. (ebr)

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