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Kreis Konstanz Damit das Wissen nicht verloren geht

Wenn Ingenieure die Firma wechseln, gehen wichtige Erfahrungen mit. Eine Tagung der Internationalen Bodensee-Hochschule beschäftigte sich mit dem Thema

Konstanz (ngb) Ein deutscher Ingenieur kommt nach fünf Jahren aus Brasilien zurück. Schon kurze Zeit danach verlässt er sein Unternehmen. Sein Erfahrungswissen aus Brasilien hat er mitgenommen und damit ging es dem Unternehmen verloren. Warum dieses Wissen so wichtig für Erfolg und Innovationen ist und wie kann es gesichert werden? Diesen Fragen widmete die Internationale Bodensee-Hochschule, die 2010 ihr zehnjähriges Bestehen feiert, eine Tagung in Konstanz. Dabei führten Unternehmensvertreter die hohe Bedeutung des „stillen Wissens der Ingenieure“ vor Augen. Dass der oben geschilderte Verlust von Wissen mit Abschied eines Mitarbeiters kein Einzelfall ist, und das Rad daher oft wieder neu erfunden werden muss, ging aus den verschiedenen Beispielen hervor, die vorgestellt wurden. „Echtes Wissen ist stets an Menschen gebunden“, sagte Wolfgang Heizmann, Chef der Informationstechnologie bei der Tognum AG in Friedrichshafen. Seine Erfahrungen in Südafrika haben ihm die Wichtigkeit von implizitem Wissen vor Augen geführt.

Über kulturelle Hürden beim Transfer von Technologie und den entsprechenden Maßnahmen zum Beispiel in Indien sprach Gerhard Wischmann, Standortleiter des Raumfahrtunternehmens EADS in Immenstaad. Auch Rolf Gall, Chef der Engineering-Aktivitäten von ZF-Friedrichshafen in China, betonte die Bedeutung von Kulturunterschieden bei Innovation und Wissenstransfer. Doch dieses beim internationalen Technologietransfer implizit erworbene Wissen bleibt oft unreflektiert, unartikuliert und vor allem anderen Personen unzugänglich.

Wie dieses Wissen erfasst werden kann und welchen Beitrag Universitäten und Hochschulen der Region leisten können, stand im Mittelpunkt der Tagung der Internationalen Bodensee Hochschule in Konstanz, die vom Excellence Cluster der Universität Konstanz, der HTWG Konstanz, den Fachhochschulen St. Gallen und Vorarlberg und der Züricher Hochschule Winterthur veranstaltet wurde.

Rudolf Landwehr, Geschäftsführer von Bodenseeland-United Innovations, hob in seinem Grußwort die Bedeutung dieses Themas für die Unternehmen der Region und die Standortpolitik hervor und wies auch auf die Aufgabe von „Bodenseeland“ als Brücke zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft hin.

In der Podiumsdiskussion zeigte Paul Jokiel, Personalchef von Hilti, die Ansätze seines Unternehmens, implizites Wissen durch Treffen, Workshops und Camps weiterzugeben. Dass Vertrauen und Identität als Schlüssel beim Wissenstransfer für Innovationen eine wesentliche Rolle spielen, beschrieb Prof. Karin Knorr-Cetina von der Universität Konstanz, die dieses Gebiet erforscht hat. Ein Ergebnis der Tagung war, dass etablierte Wege zur Erfassung von implizitem Wissen fehlen. Weiter wurde klar, dass eine einzelne Disziplin wie Management dafür nicht ausreicht. Interdisziplinäre Ansätze, die eine Zusammenarbeit zwischen verschiedensten Fachbereichen, die Soziologie und Management einschließen, sind daher unumgänglich, um die Realität zu erfassen. Ein solches Projekt wird derzeit vom Excellence Cluster und den beteiligten Hochschulen vorbereitet.

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