Frauenfeld – Hanf-Anbau hat im Thurgau Konjunktur. Von 2007 auf 2008 wuchs die Produktionsfläche von 17 Hektar auf 46 Hektar an. Bezogen auf eine landwirtschaftliche Gesamtfläche von 51 000 Hektar macht dies noch einen bescheidenen Anteil aus. „Aber es ist ein kleines Segment, das viel Arbeit macht“, stellt Markus Harder fest, der Chef des kantonalen Amts für Landwirtschaft in Frauenfeld.
Wenn Bauern im Thurgau Hanf anbauen, müssen sie dies dem Landwirtschaftsamt melden. Sät der Produzent eine im amtlichen Katalog empfohlene Hanfsorte aus, kann er sogar mit staatlichen Zuschüssen rechnen. Diese Direktzahlung entfällt, sobald der Landwirt eine andere Sorte der Faserpflanze anbaut. Den amtlichen Sorten-Empfehlungen ist ein THC-Wirkstoffgehalt von maximal 0,3 Prozent gemeinsam. THC steht für Tetrahydrocannabinol und ist der chemische Stoff, der die rauschhafte Wirkung hervorruft, zum Beispiel in Haschisch und Marihuana.
Wählen Thurgauer Bauern eine Hanfsorte aus, die nicht in der Empfehlungsliste steht, gibt das Landwirtschaftsamt den Fall zur Prüfung an die Staatsanwaltschaft weiter. Der Kantonsapotheker nimmt dann Proben, um den THC-Gehalt der Pflanzen zu ermitteln. Wird das Wirkstoff-Limit überschritten, muss der Bauer dokumentieren, was er mit der Ernte macht. Im Zweifelsfall lassen die Bezirksämter den Hanf beschlagnahmen. Und das ist zuletzt immer öfter vorgekommen. „Der Hanf-Anbau ist in den letzten Jahren geradezu explodiert“, sagt Roger Forrer, Steckborner Bezirksstatthalter. Grund ist allerdings nicht, dass die Landwirte die Pflanze zum Zwecke der Rauschgiftgewinnung anbauen würden.
