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Kreis Konstanz Bodenseegürtelbahn soll Fahrt aufnehmen

Der Landkreis Konstanz ist bereit, für die Elektrifizierung der Strecke Radolfzell – Friedrichshafen auch selbst zu investieren. Das Ziel ist eine dichtere Taktung zwischen den beiden Städten – und zu verhindern, dass die Strecke beim veralteten Diesel-Antrieb bleibt und dadurch abgehängt wird. Denn die Fahrgastzahlen steigen seit Jahren.

Die Bodenseegürtelbahn zwischen Radolfzell und Lindau ist ein Phänomen: Obwohl Fahrgäste immer wieder über Verspätungen, zu volle Waggons, defekte Türen und andere Bewschwernisse klagen, wollen immer mehr mitfahren. In den vergangenen zwölf Jahren ist die Zahl der Fahrgäste auf rund 4100 an einem durchschnittlichen Werktag gestiegen – das bedeutet eine Steigerung um 80 Prozent.

Auf der Strecke fahren mangels Elektroleitungen noch alte Diesel-Loks, eine Technik, die eigentlich dem Abstellgleis geweiht wird. Trotzdem hat der Bund in seinem Bundesverkehrswegeplan 2030 die Gürtelbahn ausgespart: Vom Bund gibt demnach also für die Elektrifizierung kein Geld. Also müssten Land und Kommunen einspringen.

Elektrifizierung soll von Land und Landkreis finanziert werden

Das Land dürfte dabei bereit stehen – und der Landkreis Konstanz tut das jetzt auch. Der Kreis sei "grundsätzlich bereit, sich an den Kosten für die Elektrifizierung und die benötigte Infrastruktur für die Fahrbarkeit des neuen Konzepts, mit möglicherweise zusätzlichen Betriebskosten, zu beteiligen", heißt es in einer Beschlussvorlage des Landratsamts für die nächste Kreistagssitzung am Montag, 22. Mai.

Die Chancen dafür, dass der Kreistag dem Papier zustimmt, sind sehr groß, schließlich haben die Kreistagsfraktionen schon seit einiger Zeit gemeinsam an dem Thema gearbeitet und sich verständigt. Es gilt als sicher, dass sich die Fraktionen einig darin sind, eine Diesel-Lücke zu vermeiden, sprich die Strecke Radolfzell – Friedrichshafen soll nicht als letzte Diesel-Strecke des Landes übrig bleiben. Dann nämlich drohte sie, abgehängt zu werden. Schließlich ist schon klar, dass die Südbahn auf der Trasse Ulm – Friedrichshafen – Lindau bis 2020 oder 2021 elektrifiziert wird.

Züge sollen von Basel nach Lindau fahren können

Und da würde eine Diesel-Lücke zwischen Radolfzell und Friedrichshafen verhindern, dass Züge von Basel nach Lindau durchfahren können. "Und es würde sich für einen Betreiber auch nicht rechnen, weiter Diesel-Loks vorzuhalten", sagt der FDP-Fraktionschef und Verkehrsexperte Georg Geiger.

Das Landratsamt schlägt nun vor, zu prüfen, ob von zwei möglichen Varianten die große oder die kleine Lösung sinnvoll wäre. Die kleine Lösung richtet sich an dem aus, was das Land zum Standard erhoben hat, weshalb sie Referenzkonzept heißt: Elektrifizierung mit stündlichem, schnellem Interregio-Express und stündlicher Regionalbahn. Die große Lösung, das sogenannte Vorzugskonzept, sieht neben einem stündlichen IRE sogar zwei Regionalbahnen vor, sodass es quasi eine Verbindung im Halbstunden-Takt gäbe (siehe Info-Text). Für das Referenzkonzept würde das Land die Betriebskosten übernehmen. Weil das Vorzugskonzept über den Landesstandard hinausginge, müssten die Kommunen die Mehrkosten tragen. Der Kreis Konstanz und der Bodenseekreis müssten sich jährlich 6,8 Millionen Euro untereinander aufteilen.

Das aber wollen sie auch tun. Beide haben sich, zusammen mit Städten und Gemeinden, im Interessenverband Bodenseegürtelbahn zusammengeschlossen, der sich für die Elektrifizierung einsetzt. In der Beschlussvorlage für den Kreis Konstanz heißt es nun, dass der Kreis sich grundsätzlich bereit erklärt, sich finanziell zu engagieren und weiter prüfen zu lassen, welches der beiden Konzepte zum Zug kommen soll. "Wir sind fraktionsübergreifend dafür, dass die Bahn elektrifiziert wird", beschreibt Georg Geiger den Stand der Diskussion im Kreistag. Aber bei der Frage, in welchem Standard das geschieht, "wollen wir erstmal Zahlen sehen."

 "Wenn man schaut, was auf der Straße los ist, sieht man, dass es für die Bodenseegürtelbahn Bedarf gibt"

"Das ist ein erster wichtiger Schritt", zeigt sich Stefan Buhl Landes- und Regionalchef des Fahrgastverbandes Pro Bahn, erfreut über die Bereitschaft des Landkreises, bei der Modernisierung mitzuinvestieren. Initiative aus den Kommunen sei die einzige Chance, das Projekt zu retten. Buhl verweist auf vom Autoverkehr verstopfte Straßen: "Wenn man schaut, was auf der Straße los ist, sieht man, dass es für die Bodenseegürtelbahn Bedarf gibt." Ginge es nach ihm, fände sich dabei ein Konzept, das die Vorzüge von Referenz- und Vorzugsvariante vereinigt: Friedrichshafener Bahnfahrern sei eher an einem Halbstunden-Takt gelegen, Konstanzer legten mehr Wert darauf, dass es schnelle Fahrten gibt. Er sei jetzt "vorsichtig optimistisch", dass die Elektrifizierung gelinge. Das Vorhaben würde aber sicher mindestens zehn Jahre dauern, "man sieht ja, wie zäh solche Prozesse sind".

Sollte es auf die Vorzugsvariante hinauslaufen, müssten sich die beiden Landkreise noch darauf verständigen, wer welchen Anteil trägt, denn im Bodenseekreis dürfte es teurer werden: Hier besteht mehr Bedarf beim Tunnelbau und anderen komplexen Baumaßnahmen. Doch gelten im Kreistag die Chancen als gut, dass hierbei eine Verständigung gelingt. Nun soll mit Land und Bahn verhandelt werden. Und es gibt die Hoffnung, über das Gemeindeverkehrs-Finanzierungsgesetz doch noch etwas vom Bund zu bekommen.

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