Kreis Konstanz Bodensee: Wer mischt da die Weiße Flotte auf?

Warum die Schifffahrtsgesellschaften am Bodensee über Gebühren streiten.

Seeleute sind harte Kerle. Das lehrt uns nicht zuletzt die Filmgeschichte. Da war zum Beispiel Raimund Harmstorf. In der legendären Verfilmung von Jack Londons Roman "Der Seewolf" zerquetscht der Hamburger in der Rolle des Wolf Larsen mit der Hand eine rohe Kartoffel. Viele Landratten haben versucht, das nachzumachen und sind kläglich gescheitert. Wenn Captain Jack Sparrow alias Johnny Depp in "Fluch der Karibik" auf seiner Black Pearl die Meere durchkreuzt, nehmen die Geschehnisse mitunter eine komische Wendung, was auch nicht ganz schlecht ist. Einerlei: Seeleute haben sich jedenfalls schon blaue Anker oder grüne Meerjungfrauen auf den Unterarm tätowieren lassen, als die Welle des großen Tattoo-Wahns die Welt noch nicht überrollt hat.

Nun ist der Bodensee nicht die Karibik, aber auch hier sind die Seeleute unerschrocken und angriffslustig. Erich Hefti lieferte dieser Tage ein Beispiel. Der Oberkapitän der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt (SBS) mit Sitz in Romanshorn griff verbal die deutschen Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) an. Es sei nicht nachzuvollziehen, dass die BSB von Schweizer Schiffen, die in Konstanz, Meersburg, Unteruhlingen und Mainau anlegen, Gebühren für bestimmte Dienstleistungen wie das Anrollen der Gangway verlange.

Die Romanshorner hatten zum Saisonstart der Weißen Flotte im April mit den vier Stationen flugs eine neue Verbindung in den Überlinger See eröffnet. Und die ist nach Ansicht des Verbands der Schifffahrtsunternehmen für Bodensee und Rhein überflüssig, weil das gemeinsam abgestimmte Fahrplanangebot als ausreichend angesehen wird. Weshalb wiederum nun die SBS für Serviceleistungen bezahlen muss.

Hefti versichert, die Schweizer Schifffahrtsgesellschaft werde nicht klein beigeben. Die Regeln, die der Verbund der Schifffahrtsunternehmen vorgibt (und an denen die SBS in der Vergangenheit selbst mitgewirkt hat), müssten geändert werden, so fordert der Oberkapitän. Kampf und Einsatz versprechen Gewinn. Konstanz, Meersburg Unteruhldingen und Mainau sind allesamt attraktive Tourismusziele. Besuchern ist es sicher egal, ob sie in einem deutschen oder in einem Schweizer Schiff unterwegs sind. Und die Schifffahrtsgesellschaften müssen Geld verdienen. Die Personalkosten sind beträchtlich, die Schiffe und deren Unterhalt teuer. Da lohnt es sich, die Piratenflagge aufzuziehen.

Ohne weitere Gegenreaktionen werden die Manöver der SBS indessen nicht bleiben. Neben den Konstanzer Bodensee-Schiffsbetrieben ärgern sich auch österreichische Schifffahrtsvertreter, dass die Romanshorner im Nachbarrevier Kohle machen wollen. Die Schifffahrtsgesellschaft Vorarlberg Lines (VLB) spricht davon, die SBS werbe Gäste aus deutschen Häfen ab, was nicht akzeptabel sei. Bevor die Schweizer oder andere weiter expandieren, wollen die Vorarlberger Seebären in ihrem Heimathafen Bregenz Anlandegebühren nach deutschen Vorbild einführen. Schwere Zeiten für die Piraten.

franz.domgoergen@suedkurier.de

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