Konstanz Bodensee: Streit unter Schiffsbetrieben

Seit dem Saisonstart der Weißen Flotte müssen Schiffe der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt (SBS) in vier deutschen Häfen Gebühren zahlen. Das gilt allerdings nur, wenn sie dort Dienstleistungen der Konstanzer Bodensee-Schiffsbetriebe in Anspruch nehmen. Nun beklagen sich die Schweizer über die Regelung. Die Bodensee-Schiffsbetriebe halten dagegen und erhalten Rückendeckung von den Vorarlberg Lines in Bregenz.

Kurz vor Ostern bot sich noch ein Bild der Harmonie. Bei der Medienkonferenz zum Saisonstart der Weißen Flotte hielten die Geschäftsführer der vier im Verbund der Vereinigten Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und Rhein (VSU) zusammengeschlossenen Linienanbieter vor Fotografen gemeinsam ein Schiffstau. Frei nach dem Motto: Wir ziehen an einem Strang. Knapp zwei Monate später, Ende Mai, ist es mit der Harmonie vorbei. Zumindest zwischen zweien der Vertragspartner, der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt (SBS) mit Sitz in Romanshorn und den Bodensee-Schiffsbetrieben (BSB) in Konstanz sind die Beziehungen gestört.

Auslöst wurde die Kontroverse durch Kritik der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt an Gebühren, die für SBS-Schiffe anfallen, wenn sie an vier Anlandestellen auf deutscher Seite des Bodensees anlegen. Die Halte in Konstanz, Meersburg, Unteruhldingen und Mainau hat die SBS erst mit dem Saisonstart ins Angebot genommen. Sozusagen auf eigenes unternehmerisches Risiko und völlig unabhängig vom umfassenden, koordinierten Fahrplan der Vereinigten Schifffahrtsunternehmen. Die Konstanzer Bodensee-Schiffsbetriebe sind Hausherr an diesen Anlandestellen. Ihnen gehören die Anlagen, ihr Personal erbringt Dienstleistungen, stellt Gangway oder bewegliche Rampe bereit. Und nicht für das Anlegen der Schweizer Schiffe, sondern für solche Dienstleistungen wollen die BSB nun bezahlt werden.

Erich Hefti, Oberkapitän bei der SBS und verantwortlich für Schiffsbetrieb und Werft der Romanshorner, stellt nun die Gebührenforderung in Frage. In einem Beitrag der Thurgauer Zeitung lässt er sich so zitieren: "So etwas hat es noch nie gegeben, nie in all den Jahrzehnten, in denen die vier hiesigen Schifffahrtsgesellschaften zusammenarbeiten." Er rechnet vor, dass die SBS pro Saison 22 000 bis 54 000 Euro Gebühren an die BSB abführen müsse. Die Bereitstellung und Benutzung einer Gangway kostet bespielsweise 11 Euro. Alles in allem spüre man Widerstand aus Konstanz, obwohl die SBS doch Touristen in die Stadt brächte, so Hefti.

Schweizer Schiff St. Gallen im Konstanzer Hafen: Hier können Gebühren fällig werden, wenn die Besatzung Dienstleistungen von BSB-Personal in Anspruch nimmt. Dazu zählt beispielsweise, wenn ein BSB-Mitarbeiter vom Steg aus die mobile Rampe anlegt. <em>Bild: Oliver Hanser</em>
Schweizer Schiff St. Gallen im Konstanzer Hafen: Hier können Gebühren fällig werden, wenn die Besatzung Dienstleistungen von BSB-Personal in Anspruch nimmt. Dazu zählt beispielsweise, wenn ein BSB-Mitarbeiter vom Steg aus die mobile Rampe anlegt. Bild: Oliver Hanser

Dem widerspricht BSB-Geschäftsführer Norbert Reuter in einer Stellungnahme: "Die Schweizer Nachbarn sind uneingeschränkt und jederzeit herzlichen willkommen." Den Vorwurf ungerechtfertigter Gebühren weist Reuter zurück. Seit einigen Jahren sei "eine Zunahme der wettbewerblichen Aktivitäten der SBS" regelmäßig Thema in den Verbandskonferenzen der Vereinigten Schifffahrtsbetriebe. Die Wettbewerbsaktivitäten seien nicht zu beanstanden, allerdings beanspruchte die SBS laut Reuter jeweils eine Einbindung in den VSU-Fahrplan und damit entstünden Einnahmeansprüche aus dem Gemeinschaftstopf des Verbunds. Diese habe der Verbund stets abgelehnt mit dem Hinweis, dass bereits ausreichende Verkehrsverbindungen im Fahrplan bestehen. Reuter: "Die SBS kann fahren wo, wann und wie sie will, solange solange sie daraus keinen Einnahmeanspruch aus dem Gemeinschaftstopf der VSU möchte."

Der BSB-Chef stellt klar, man sei im Interesse der Gäste der Bodenseeregion bemüht, die Zusammenarbeit innerhalb des Verbunds voranzutreiben. Dies könne aber nur gelingen, wenn ein Unternehmen nicht einseitig Interessen ohne Rücksicht auf die anderen Partner der VSU verfolge. Der Schweizer Oberkapitän Erich Hefti hat derweil auch im Gespräch mit dieser Zeitung die Position der Romanshorner Schifffahrtsgesellschaft noch einmal bekräftigt. Die SBS sei daran interessiert, die veralteten Geschäftsgrundlagen des VSU neu zu verhandeln.
 

Immer wieder Gesprächsbedarf

  • Der Verbund: Die Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB), die Vorarlberg Lines Bodenseeschifffahrt (VLB), die Schweizerische Bodensee Schifffahrt (SBS) und die Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) bilden die Vereinigten Schifffahrtsunternehmen für Bodensee und Rhein. Der Verbund bietet einen gemeinsamen Fahrplan und einen gemeinsamen Tarif. Fahrausweise werden auf allen Schiffen der VSU gegenseitig anerkannt. Es gibt auch Gemeinschaftsverkehre: zum Beispiel die Linie Bregenz-Konstanz (BSB/VLB).
  • Die Zusammenarbeit: Weil die Unternehmen auch in Konkurrenz zueinanderstehen, ist das Verhältnis nicht frei von Spannungen. Derzeit geht es beispielsweise um die Zukunft der Fährverbindung Friedrichshafen-Romanshorn, die von BSB und SBS betrieben wird. Die Schweizer Vertragspartner streben eine Taktverdichtung bei den Fahrten an. Die deutsche Seite hält das weder ökonomisch noch ökologisch für nicht sinnvoll.
  • Der Wettbewerb: In der Gebührendiskussion stellen sich die Vorarlberg Lines Bregenz auf die Seite der deutschen BSB. Nach Einschätzung von Geschäftsführer Alexandro Rupp hat sich die Schweizerische Bodensee Schifffahrt mit der Aufnahme der Strecke Konstanz-Unteruhldingen-Mainau-Meersburg in den eigenen Fahrplan "eine nicht akzeptable Wettbewerbssituation erzeugt."

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