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Kreis Konstanz AOK-Bericht: Immer mehr Arbeitnehmer fehlen wegen psychischer Erkrankungen

Im Landkreis Konstanz sind die Menschen, gemessen am Krankenstand der Arbeitnehmer, gesünder als im Landesdurchschnitt. Dennoch gibt es Probleme, wie der aktuelle Gesundheitsbericht der AOK zeigt. Sorgen bereitet zum Beispiel der langfristig steigende Anteil der psychischen Erkrankungen.

Die Menschen im Landkreis Konstanz sind offenbar gesünder als der Bevölkerungsdurchschnitt in Baden-Württemberg. Das zeigt die aktuelle Auswertung der AOK Hochrhein-Bodensee über krankheitsbedingte Fehlzeiten der bei der Krankenkasse versicherten Arbeitnehmer. Demzufolge lag der Krankenstand am westlichen Bodensee im Jahr 2016 wie im Jahr zuvor unverändert bei 4,6 Prozent. Damit liegt der Kreis vier zehntel Prozentpunkte unter dem Wert für Baden-Württemberg (5 Prozent) und sogar sieben Zehntel unter der bundesweiten Marke von 5,3 Prozent. Diese positive statistische Kernaussage kann indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass es im Detail Therapiebedarf gibt.

So zeigt die AOK-Analyse, dass zwar die körperlichen Erkrankungen der Arbeitnehmer (mit Ausnahme von Grippe und Erkältungen) relativ stabil auf einem Niveau bleiben. Bei den psychischen Erkrankungen aber steigt die Kurve seit 2005 kontinuierlich. Die Diagnose Psyche machte im vergangenen Jahr einen Anteil von 13 Prozent aller Krankheitstage von Arbeitnehmern aus. Mehr Krankheitstage verursachten mit 21,8 Prozent lediglich Muskel- und Skeletterkrankungen.

"Psychische Erkrankungen gehen kontinuierlich nach oben", sagte Karsten Schrankel bei der Vorstellung des Gesundheitsberichts der AOK. Der Leiter des Bereichs betriebliches Gesundheitsmanagement der Krankenkasse lieferte auch einen Erklärungsansatz. Die Herausforderungen in der Arbeits- und Alltagswelt seien enorm gestiegen, "und auch außerhalb der Arbeitswelt gibt es keine Pausen mehr", verwies Schrankel auf Taktverdichtungen im Zuge der Digitalisierung. Nicht eingerechnet bei psychischen Erkrankungen sind in der AOK-Statistik sogenannte Burnout-Fälle. Bei Burnout handelt es sich nach Definition der Krankenkasse nicht um eine Krankheit, sondern um einen "Risikozustand", in dem der Betroffene "Schwierigkeiten mit der Bewältigung seiner Lebenssituation hat".

Wie aber lässt sich die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Probleme reduzieren? Die AOK verweist einerseits auf ihr Präventionsprogramm für die Arbeitnehmer. "Lebe Balance" heißt es. Karsten Schrankel macht Betroffenen Mut: "Psychische Gesundheit ist trainierbar." Auf der anderen Seite sieht der Krankenversicherer auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Auch die könnten durch ein spezielles Kursangebot zur Vorbeugung beitragen.


Arbeitnehmer im Durchschnitt 17 Tage im Jahr krankgeschrieben

  • Gesund oder krank: Der Anteil der bei der AOK versicherten Arbeitnehmer im Landkreis Konstanz, die sich 2016 einmal oder mehrmals krank gemeldet haben, betrug 50 Prozent. 2015 waren es nach AOK-Angaben rund 51 Prozent.
  • Die Dauer: Im Jahr 2016 kam rein rechnerisch jedes AOK-Mitglied in Betrieben im Kreisgebiet auf 16,7 Arbeitsunfähigkeitstage. Der Wert sank im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent.
  • Atemwegserkrankungen hatten 2016 mit 24 Prozent den höchsten Anteil an allen Arbeitsunfähigkeitsfällen. Auf Platz zwei folgten mit 16 Prozent Erkrankungen an Muskulatur und Skelett und auf Platz drei Verdauungsprobleme mit knapp 9 Prozent.
  • Skelett und Psyche: Muskel-Skelett-Erkrankungen verursachten bei AOK-Versicherten die meisten Krankheitstage. Auf Platz zwei folgen psychische Erkrankungen (13 Prozent).
  • Hartnäckig: Unter den bei der AOK versicherten Arbeitnehmern betrug der Anteil der Krankmeldungen mit einer Dauer von mehr als sechs Wochen 3,6 Prozent. Diese Langzeiterkrankungen verursachten aber 39,5 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage.
  • In den Gesundheitsbericht für den Landkreis wurden 41 000 AOK-Mitglieder einbezogen. Im Kreisgebiet liegt der Versichertenanteil der Kasse nach eigenen Angaben bei 38 Prozent.

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