Frank Morich und Gilbert Rademacher: zwei mächtige Männer bei Nycomed/Takeda. Ihre Rollen könnten unterschiedlicher nicht sein.
Frank Morich, 58, blickt auf eine lange Pharma-Karriere zurück. Zu Takeda war erst im Mai 2010 gekommen und wurde Leiter der internationalen Aktivitäten. Im September 2011 wurde er zusätzlich zum Nycomed-Chef ernannt. Spätestens damals war klar: Nycomed hat im Takeda-Verbund keine große Zukunft. Heute ist der gebürtige Deutsche für das gesamte internationale Geschäft von Takeda außerhalb der USA und Japan zuständig. Seit er im Herbst 2011 im Konstanzer Konzil die Mitarbeiter erstmals ansprach, ist er für viele von ihnen eine Reizfigur. Von Morich, der etwa gleichzeitig mit dem Lipobay-Skandal bei Bayer ausschied, sind immer wieder Signale ausgegangen, dass er den Standort Deutschland nicht schätzt. Takeda-Mitarbeiter sind sich sicher, dass er die fast vollständige Schließung des Standorts Konstanz persönlich vorangetrieben hat. Dass er in der Frage allerdings freie Hand hatte, wie ebenfalls behauptet wird, ist ungewiss. Zumindest formal war bei der Aktiengesellschaft Takeda zur künftigen Struktur ein Vorstandsbeschluss nötig. Dennoch gilt Morich vielen Mitarbeitern als das Gesicht der herzlosen Globalisierung.
Gilbert Rademacher, 55, ist zusammen mit dem Takeda-Mann Konstantin von Alvensleben Deutschland-Geschäftsführer des verschmolzenen Unternehmens Nycomed/Takeda. Rademacher stammt aus einer von der katholischen Soziallehre tief geprägten Familie, immer wieder hat er betont, dass ihm faire Bedingungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wichtig seien. Dennoch ist Rademacher dafür bekannt, auch unangenehme Entscheidungen zu treffen sowie zu ihnen zu stehen, aber über die Bedingungen kompromissbereit zu sein. Zu Nycomed kam Rademacher kurz nach der Übernahme von Altana im Jahr 2007. Als die erste Entlassungswelle in Konstanz anstand und 800 Mitarbeiter gehen mussten, nutzte er seine Erfahrungen mit Transfergesellschaften. Wer nicht sofort woanders unterkam, konnte dort zeitweise in Lohn und Brot bleiben und sich fit machen für neue Aufgaben. Die Ergebnisse waren sehr gut. In die Arbeitslosigkeit rutschten am Ende weniger als 100 Betroffene. (rau)