So weit ist es schon gekommen: Fast herrscht so etwas wie Erleichterung, dass es „nur“ 87 Stellen sind, die Nycomed in Konstanz streicht. Die Gerüchteküche in der Stadt hatte bereits ganz andere Zahlen ventiliert, und auch der vollständige Abzug von Forschungschef Anders Ullman in die Zürcher Konzernzentrale hatte so manche Befürchtungen geweckt.
Für die Betroffenen ist es auch egal, ob sie einer von 87 oder einer von 250 sind: Für sie geht es um die Existenz. Schon aus diesem Grund ist zu hoffen, dass möglichst viele der Arbeitsplätze über die am wenigsten harten Maßnahmen abgebaut werden können. Auch der Konzern sollte daran ein echtes Interesse haben, denn sonst sind die mit großen Aufwand verkündeten Unternehmenswerte bald nicht mehr das Edel-Papier wert, auf das sie einst gedruckt wurden.
Für Konstanz muss der Personalabbau eine Warnung sein. 2007 Nycomed, 2009 Siemens, Koki und Rieter-Werke, jetzt wieder Nycomed: Die Stadt muss ihre wirtschaftliche Basis auf breitere Beine stellen. Immer nur auf die Nycomed-Millionen zu hoffen, ist trügerisch – zumal der Effizienzdruck steigt und sich gemäß der Leitungs-Vorgabe auch die Verwaltungsfunktionen einem knallharten internationalen Wettbewerb stellen müssen.
