Konstanz Zynischer Gesellschaftskritiker
10.01.2011
Alf Poier in Aktion
Beim Eurovision Song Contest 2003 erzielte der Musiker, Kabarettist und Maler Alf Poier einen respektablen sechsten Platz. Für seine Solo-Kabarettprogramme wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Kleinkunstpreis sowie dem Deutschen Comedypreis.
Ob mit selbstgemalten Bildern, Wortwitzen am Fließband, musikalischen Einlagen oder einer Diashow von seiner Botschaft, einem alten Gutshaus nahe Wien: stets wirbelt Poier mit skurril-fantastischen Doppeldeutigkeiten umher und bringt so als sicher und unveränderbar wahrgenommene Begrifflichkeiten in neue Zusammenhänge. So wird der seelische Burnout beispielsweise zur häufigsten Berufskrankheit alternder Feuerwehrmänner. Dabei haben Poiers Botschaften auch immer einen zynischen, gesellschaftskritischen Moment. Digitaler Konsumwahnsinn, eine steigende Zahl an Amokläufen, die Kluft zwischen Arm und Reich, die vergebliche Suche nach Erleuchtung sind alles Themen, die er anspricht und durchaus zum Nachdenken anregen will.
Sein Programm bezeichnet er selbst als „Vermächtnis an eine Welt, die sich mir immer mehr entfremdet.“ Bevor er dieses Vermächtnis schrieb, hatte er sich eine Zeitlang in Indien aufgehalten, wo er erfolglos versuchte, die Erleuchtung loszuwerden. Seiner Meinung nach ist das Streben nach Erleuchtung sinnlos, eine Illusion der Menschheit. Der Begriff Satsang, wie auch Poier sein Werk nennt, bezeichnet in der indischen Philosophie so etwas wie das Suchen nach höchster Einsicht. Das komplette Gegenteil erwartet der Comedian: „Meine Mutter hat des Öfteren zu mir gesagt, 'je älter, desto blöder!' Seither freue ich mich aufs Altwerden. “ Mit dem Lied „I bleib mein Leben lang ein Kasperl“, was zugleich auch sein Lebensmotto ist, verabschiedet sich Alf Poier, dessen Wiener Dialekt ihm hierzulande einen gewissen Charme verleiht, vom Publikum. Jedoch nicht ohne einen letzten Lacher zu hinterlassen. Als Dank und weil die Zuschauer keine Kleidungsstücke auf die Bühne werfen, schmeißt der Künstler eine selbst getragene Unterhose in die Menge.
