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Konstanz Zwölf Monate mitten auf der Grenze

03.09.2008
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Rüdiger Henß hat ein großes Ziel: Er möchte ein bisschen Frieden nach Palästina bringen. Der 19-jährige Konstanzer ist am vergangenen Donnerstag ins Flugzeug gestiegen, um ein Jahr in der Nähe von Bethlehem zu verbringen. "Ich möchte benachteiligten Kindern und Jugendlichen dabei helfen, dass sie das machen, was sie möchten", sagt Rüdiger Henß. "Ich will sie fröhlich sehen."

In diesem Jahr hat Rüdiger sein Abitur am Humboldt-Gymnasium bestanden. "Mir war schon immer klar, dass ich danach ein freiwilliges Jahr machen will", sagt er. Sein Interesse für Palästina und den Nahost-Konflikt hat sich entwickelt, nachdem eine Gruppe Palästinenser zu einem Austausch am Humboldt-Gymnasium war. Der 19-Jährige hat sich über die Gegend informiert, eine Bewerbung an die Organisation Weltweite Initiative für Soziales Engagement geschickt und wurde mit 89 anderen aus 1000Interessenten ausgesucht. Ein Jahr lang wird er nun in der Schule Talitha Kumi verbringen, einem christlichen Zentrum auf einem Hügel bei Bethlehem. Sein neues Zuhause besteht aus einer Gesamtschule, einem Umweltbildungzentrum, einer Hotelfachschule, einem Gästehaus und einem Mädcheninternat. Dem jungen Konstanzer wird in den kommenden zwölf Monaten nicht langweilig werden: "Ich gebe dort Deutsch-Nachhilfe, betreue das Gästehaus, kümmere mich um die Freizeitgestaltung im Mädcheninternat und arbeite auch im Kindergarten", sagt Rüdiger Henß. Außerdem hilft er den Schülern, an Ostern und Weihnachten Post an die Partnerschulen zu verschicken. Und das alles an vier Wochentagen: "Meine Organisation hat das Vier-plus-eins-Programm", sagt er. Das bedeutet, dass der Konstanzer sich am fünften Wochentag noch ein anderes soziales Projekt vor Ort suchen muss. "Vielleicht mache ich was mit behinderten Kindern oder im Flüchtlingslager", sagt er.

Der Dienst in Palästina ist nicht ganz ungefährlich. "Das ist nicht die sicherste Region, aber da die Schule im Westjordanland liegt und nicht im Gazastreifen, geht es", sagt Rüdiger. "Man muss sich halt in der Stadt vom Tumult fernhalten. Außerdem ist es ja nicht so, dass alle 100 Meter eine Bombe hochgeht." In der Schule ist der freiwillige Helfer ohnehin gut abgesichert: Sie ist durch einen Zaun und Wachleute geschützt. Nicht ohne Grund: "Das ist eine besondere Schule", erzählt Rüdiger. "Dort gehen sowohl Israelis als auch Palästinenser in den Unterricht." Dies ist möglich, weil die Schule genau auf der Grenze zwischen dem so genannten A- und dem C-Gebiet liegt. Im A-Gebiet gelten palästinensische Zivilverwaltung und Militärhoheit, das C-Gebiet ist in israelischer Hand. Da die Schule zwei Zugänge hat, können sich beide Völker dort legal treffen. Rüdiger Henß kennt aber auch die Grenzen seiner Arbeit: "Wir Freiwilligen sollen keine Weltveränderer sein und für Frieden zwischen Israel und Palästina sorgen", sagt er.

Vor Rüdiger liegt die bisher längste Trennung von der Familie und der Freundin. "Ich freue mich total auf Palästina, aber mein Abschied ist schon zwiespältig zu betrachten", sagte Rüdiger kurz vor seinem Abflug. In einem Jahr wird er viel zu erzählen haben. Und dann studieren - "irgendwas Soziales."

Kirsten Schlüter

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