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Konstanz Zwischen Zweifeln und Zuversicht

11.03.2010
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Kann die freie Kultur vom Konzerthaus profitieren? Die Szene ist da gespalten

Dietrich Winkelmann ist eigentlich ein besonnener Mensch. Aber spricht man den Veranstalter der Konstanzer Solistenkonzerte – einer außergewöhnlichen Kammermusikreihe – auf das geplante Konzert- und Kongresshaus an, dann kann er sich schon mal in Rage reden. Zu unausgereift sei das gesamte Vorhaben, die Kopplung von Konzert und Kongresshaus sei nicht überzeugend und die goldene Fassade findet er geradezu „erbärmlich“. Zudem seien allzu viele Fragen nicht beantwortet: „Können Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden? Was ist mit den Erschütterungen durch vorbeifahrende Züge? Wie ist die Ausstattung der kleineren Säle?“, fragt Winkelmann. Bei einer Infoveranstaltung im Ratssaal hatte der Projektleiter Hartmut Rohloff diese Fragen beantwortet, „aber nicht überzeugend“, so Winkelmann. Die Zweifel überwiegen, „ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das nach den bisherigen Plänen wirklich gut wird“, erklärt der Konzertveranstalter.

Gut möglich, dass sich hier ein neues Problem für die Projekt-Befürworter anbahnt: Wenn selbst kulturaffine Menschen dem Konzerthaus kritisch gegenüber stehen, wie steht es dann erst um den Rest? Zudem: Die Skepsis, die Winkelmann formuliert, teilen auch andere Kulturschaffende. Zum Beispiel Gerhard Detzel, Initiator der Splitternacht im K9. „Grundsätzlich glaube ich, dass die Stadt eine solche Veranstaltungshalle braucht“, sagt er, „ich zweifel aber daran, dass freie Kulturschaffende aus der Stadt es sich leisten können werden, in dem Haus zu arbeiten.

“ Die Ausstattung der Räume sei ebenso unklar, wie die Beantwortung der Frage: Wer zahlt die Veranstaltungsinfrastruktur (Licht, Ton, Kassenpersonal), wenn freie Künstler im Konzerthaus auftreten? Es gebe ohnehin schon ein Missverhältnis in den Subventionen der städtischen Kulturträger und den freien Anbietern. „Ich befürchte, dass das durch das Konzerthaus zementiert wird“, so Detzel.

Das sieht Peter Bauer, Leiter des Universitätsorchesters und Chef der Kammeroper, ganz anders: „Jeder, der für Kultur in Konstanz ist, der muss eigentlich für das Konzerthaus sein“, sagt Bauer. Er engagiert sich in einer Privat-Initiative für den Bau auf Klein Venedig, weil es für die Kultur in der Stadt und die gesamte Entwicklung der Stadt wichtig sei. „Das gesamte Spektrum, das es früher bei dem Zeltfestival gab, fehlt in Konstanz zurzeit. Mit dem Konzerthaus könnte das wieder aufleben“, erklärt Bauer. Es ist aber nicht das allein, was ihn zum Befürworter werden ließ: „Ich befürchte einfach, wenn das Haus nicht gebaut wird, dann wird sich irgendwann auch die Existenzfrage für die Südwestdeutsche Philharmonie stellen. Das wäre fatal“, so Bauer.

Unterstützter für das Konzerthaus gibt es aber längst nicht nur unter den Freunden des Orchesters. Konstantin Tsakalidis, Choreograph und Tänzer, ist ebenfalls für das Projekt: „Dass wir so etwas brauchen, steht außer Frage. Ein neuer Ort bringt auch immer neue Inspiration, deshalb finde ich das gut“, so Tsakalidis. Er könnte sich auch gut vorstellen, Arbeiten, die er bisher nur in Friedrichshafen zeigen konnte, dann auch in Konstanz auf die Bühne zu bringen: „Das ist auf jeden Fall eine Chance für die freie Kultur“, sagt er.

Keine klare Position beziehen die Verantwortlichen von Kulturladen und K 9. Es gebe Chancen und Risiken, heißt es in der offiziellen Stellungnahme des Kula zum Konzerthaus. Synergieeffekte zwischen Kulturakteuren und Konzerthaus seien möglich. Demnach können sich die Kulamacher durchaus vorstellen, selbst Konzerte im neuen Haus zu veranstalten. Allerdings: Die Freude auf das Haus wäre größer, „wenn auch eine klare und eindeutige Aussage zur Bestandssicherung der jetzigen kulturellen Vielfalt gemacht würde“.

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