Die erste Fähre der Stadtwerke Konstanz heißt nun wieder Konstanz. Bei ihrer zweiten Jungfernfahrt wurde das vom Verein „Rettet die Fähre Meersburg ex Konstanz e.V.“ aufwändig sanierte Schiff gefeiert.
Konstanz/Meersburg – Die Gäste fühlten sich fast wie bei der ersten Fahrt einer Autofähre auf dem Bodensee. Rita und Dieter Wäschle mit ihrem Team vom Petershof hatten Speisen vorbereitet, wie sie 1928 üblich waren. Auf dem Begleitschiff Lodi mundeten neben den von Fähre-Wirt Rüdiger Niedzwietzki kredenzten Getränken feines Linzgauer Siedfleisch, Badisches Hühnerklein oder ein Teller Staader Sulz. Derweil transportierte die Fähre Konstanz auf ihrer zweiten Jungfernfahrt Oldtimer, so einen Mercedes 400 (Baujahr 1927) oder einen Fiat 500 (1931) – es war also wie in ihren Anfangsjahren. Zum Begleittross zählten zudem einige Dampfboote. An Bord waren Gustele Ohmer, eine Teilnehmerin der ersten Testfahrt 1928, Konrad Fecht, Teilnehmer der Jungfernfahrt vor 83 Jahren, und Lieselotte Hager, die bei der Taufe der dritten Fähre 1939 als Blumenkind dabei war.
Tausende feierten das schmucke Schiff. Sie nutzten das Prachtwetter, um die Fähre im Staader Hafen genau in Augenschein zu nehmen. Sie erhielt ihren einstigen Namen zurück: „Konstanz“. Damit gibt es neben der Fähre aus dem Jahr 1975 nun ein zweites Schiff, das so heißt. Es wurde aber nicht ein weiteres Mal getauft, weil dies Unglück bringe. Pfarrer Wolfgang Jörger segnete das Schiff.
Bei der von Stephan Schmutz moderierten und vom Musikverein Allmannsdorf umrahmten Feier klang mehrfach an, wie schwierig es für den Verein „Rettet die Meersburg ex Konstanz e.V.“ war, sein großes Ziel zu verwirklichen. Aber die Ehrenamtlichen verfolgten es beharrlich. 18 Jahre lang habe sich der Verein um die Restaurierung bemüht, sagte Vorsitzender Franz Hiller. „Es gab in diesen Zeiten viele Höhen und Tiefen.“ Nur dank der Denkmalstiftung Baden-Württemberg und der privaten Denkmalstiftung Stuttgart sei es möglich gewesen, das Projekt finanziell zu stemmen. Zudem seien das Arbeitsamt und das Job-Center sehr entgegengekommen, so haben Langzeitarbeitslose Arbeit gefunden. „Sie haben viele, viele Stunden auf dieser Fähre gearbeitet“, berichtete Hiller. Die Stadtwerke Konstanz, die BSB (Bodensee-Schiffsbetriebe) und das Landesamt für Denkmalpflege waren weitere wichtige Partner. Die Fähre bleibt im Eigentum des Vereins, die Stadtwerke nutzen sie aber für Sonderfahrten.
Er sei beeindruckt vom Engagement des Vereins für die „kleinwüchsige, aber schöne Dame“, sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Konrad Frommer. Es seien ehrenamtlich viele Arbeitsstunden geleistet worden. Das restaurierte Schiff sei eine neue Attraktion auf dem Bodensee. Andreas Ellegast vom Schifffahrtsamt berichtete, die Zusammenarbeit habe viel Spaß gemacht. Gunther Sieglin von der Denkmalstiftung Stuttgart sagte, der Verein sei ein Musterbeispiel ausgeprägten Bürgersinns. Dieter Angst (Denkmalstiftung Baden-Württemberg) sprach vom „am längsten andauernden Förderfall, den wir jemals hatten“ und einer der größten Fördersummen. Fähre-Bereichsleiter Stefan Ballier schickte das Schiff schließlich auf seine zweite Jungfernfahrt: „Das ist ein sehr seltenes Ereignis.“ Die Idee einer Fähreverbindung zwischen den beiden Bodenseestädten Konstanz und Meersburg wurde in den 20er Jahren nicht nur belächelt, viele lehnten sie schlichtweg ab. Doch der damalige Bürgermeister Fritz Arnold verfolgte sie mit großem Weitblick. Gunther Sieglin: „Er war ein Abenteurer, der gegen viele, viele Kritiker ankämpfen musste und oft alleine stand.“
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