Wenn Manuel Krumm und Gregor Buggle arbeiten, dann knirscht der gefrorene Boden unter ihren Füßen und ihr Atem bildet Wölkchen in der Luft. Die beiden haben sich für Zivildienst und Freiwilliges Ökologisches Jahr einen ungewöhnlichen und anstrengenden Job ausgesucht: In verschiedenen Naturschutzgebieten rund um Konstanz mähen sie das Ried und tragen das Schilf ab, damit die Bereiche nicht verbuschen. Gegen die eisige Kälte hilft dann nur eins: „Viel bewegen, keine Pausen machen und am liebsten Bäume fällen“, erzählt Zivi Manuel Krumm. Und wenn der Boden gefroren ist, fällt außerdem das Mähen leichter. Dazu die richtige Ausrüstung – Gummistiefel, dicke Jacke, Handschuhe und Mütze – und den beiden 20-Jährigen macht die Arbeit selbst bei Minustemperaturen Spaß. „Ich wurde ausgemustert, wollte aber noch etwas Sinnvolles machen, etwas mit Naturschutz und Landschaftspflege“, erzählt Gregor Buggle, der aus Tuttlingen kommt und schon früher gerne mit dem Vater in den Wald ging, um Holz zu schlagen. Deshalb hat er sich für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr entschieden. Auch Manuel Krumm aus Radolfzell war sich sicher: „Auf keinen Fall zum Bund, entweder was mit Kindern oder was mit der Natur.“ Schlussendlich fiel die Wahl auf den BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) Konstanz. Und beide bereuen ihre Entscheidung kein Stück. Drei Tage die Woche stapfen die jungen Männer durch das Ried, mit Mäher, Motorsense, Motorsäge, Forke und Rechen im Gepäck. Damit sich niemand verletzt, sind die Gummistiefel mit Stahlkappen ausgestattet, wenn nötig werden Helme getragen und eine Motorsägenausbildung zu Beginn der Zivizeit durfte auch nicht fehlen.
Die restlichen zwei Tage verbringen sie bei angenehmeren Temperaturen: beim Gärtnern im Palmenhaus Konstanz oder beim Telefondienst. Krank wurde bisher keiner, trotz der eisigen Winterkälte, ganz im Gegenteil: „Wir fühlen uns fitter und das Immunsystem ist besser“, meint Gregor Buggle.
Die Arbeit in der Natur ermöglicht außerdem besondere Momente: Bei Allensbach haben sie schon drei Rehe gesehen, in nur fünf Metern Abstand. Auch Vögel mit einem Spektiv auf dem Fernglas zu betrachten, finden die beiden faszinierend.
Parallel arbeiten die jungen Männer an einem Jahresprojekt, das sie sich selber aussuchen durften. „Etwas mit Kindern und Naturschutz wollten wir machen“, sagt Manuel Krumm. Also entschieden sie sich für einen Vortrag an Schulen über Energiesparen.
Was nach dem Zivildienst passiert, steht allerdings noch offen. Natur- und Umweltschutz werden aber höchstens noch durch die Mitgliedschaft in einem Verein ihren Platz finden. Gregor Buggle will Medizin oder internationale VWL studieren, Manuel Krumm interessiert sich für Biochemie. Denn auf Dauer, da sind sich die beiden einig, ist ihnen die Riedpflege und die Arbeit an der frischen Luft dann doch zu anstrengend.
Mirja Straub