Zwei Männer sind am Montag bei der Insel Reichenau ins Eis eingebrochen. Die Wasserschutzpolizei rät dringend, in Ufernähe zu bleiben.
DLRG-Tipps: Was bei der Eisrettung zu beachten ist
Es ist alles ganz schnell gegangen. Am Samstag noch waren viele offene Wasserstellen bei Hegne zu sehen. Mittlerweile sind sie geschlossen, das Eis in der Bucht ist teilweise hervorragend. Allerdings wird die Fläche nicht freigegeben, Schlittschuhläufer betreten sie auf eigene Gefahr. Die Wasserschutzpolizei und die DLRG (Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft), Bezirk Bodensee-Konstanz, raten zur Vorsicht. So ist am Montag ein 60 Jahre alter Mann ohne Schlittschuhe am Bruckgraben bei der Reichenau ins Eis eingebrochen.
Das Wasser sei an der Stelle etwa 1,50 Meter tief, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei Reichenau. Drei Passanten retteten den Mann mit dem Eisrettungsgerät. Die Freiwillige Feuerwehr Reichenau war ebenfalls vor Ort. Der Mann kam mit starker Unterkühlung ins Klinikum. Am Montagabend brach ein weiterer Mann beim Inseldamm ins Eis ein. Der 73-Jährige stand bis zur Brust im Wasser. Passanten zogen den Mann aus dem eiskalten Wasser. Als der Krankenwagen eintraf, war der 73-Jährige unterkühlt. Ansonsten ging es ihm den Umständen entsprechend gut.
Der starke Wind hatte vergangene Woche das Bilden einer geschlossenen Eisdecke verhindert. Nachdem er sich am Wochenende gelegt hat, sei alles ganz schnell gegangen, berichtet Wolfgang Dummel von der Wasserschutzpolizei Reichenau. Am Ufer entlang ist die Eisdecke weitgehend geschlossen, sie trägt aber nicht überall. „Es hat aber noch viele Löcher, die man nicht sofort sieht.“ Er rät Eisläufern daher dringend, in Ufernähe zu bleiben, wo das Wasser flach ist. Der See sollte jedenfalls nicht überquert werden.
Die Extremkälte macht auch den Wasservögeln zu schaffen. Immer wieder frieren Tiere im Eis fest. Rund zehn ehrenamtliche Helfer des gemeinnützigen Vereins Tierrettung Südbaden stehen im Landkreis bereit, um sie zu befreien, wie Monika Meixner und Olaf Jurke berichteten. Die beiden retteten am Sonntag einer Ente das Leben, die auf einer Sandbank im Seerhein festgefroren verzweifelt mit den Flügeln schlug. Ein aufmerksamer Spaziergänger hatte die Wasserschutzpolizei und die Tierretter informiert. Einem Schwan auf dem Gnadensee, der auf der Eisfläche landete und nicht mehr hochkam, konnten sie nicht helfen: Das Eis dort war noch zu brüchig und zu weit vom Ufer entfernt.
Der Einsatz für das Enten-Weibchen dagegen hatte ein Happy End. Mit einem Käscher und einer Flasche Wasser ausgerüstet, watete Tierrettungs-Sanitätshelfer Olaf Jurke in hochgeschlossenen wasserdichten Hosen in den Seerhein. Vorsichtig näherte er sich dem verängstigten Vogel, kniete sich neben ihn, hielt ihn mit einer Hand fest und goss mit der anderen Wasser über die festgefrorenen Körperteile. Wenig später löste er die Ente vom Eis. Der rechte Flügel war verletzt. Vom vielen Flattern war er ganz blutig geschlagen. Die Tierretter wickelten die Ente in zwei Decken und setzten sie umsichtig in eine Transportbox. Zu Hause angekommen, stellte sich die Wunde als harmlos heraus. Meixner und Jurke säuberten, desinfizierten und versorgten sie mit Salbe. In zwei Handtücher gepackt, wärmte sich das schnatternde Entlein dann noch richtig auf, bevor es einen Senkrechtstart in Richtung Seerhein hinlegte.
„Tiere sind eine Bereicherung für unser Leben“, sagt Meixner über ihre Motivation, für den gemeinnützigen Verein zu arbeiten. Der Tierfreund Bernd Metzger hat ihn 2006 gegründet. An 365 Tagen im Jahr betreut er mit seiner Notfallambulanz rund um die Uhr ein Gebiet, das von Konstanz bis Villingen-Schwenningen und von Pfullendorf bis Schaffhausen reicht.
DLRG-Tipps: Was bei der Eisrettung zu beachten istEis auf dem Markelfinger Winkel Zugefrorener See bei HegneEis im Konstanzer Hafen und im SeerheinLeserbilder von der Eiszeit im Kreis Konstanz