Der Brand in der Konstanzer Altstadt fünf Millionen Euro Schaden an. Passanten und Feuerwehr retten zwei Verletzte.
Fassungslos schauen die Passanten in die dicken weißen Qualmwolken, die sich über den Giebeln mit dem dichten Nebel vermischten. Wovor sich alle fürchten, ist einen Tag vor Weihnachten in Konstanz Wirklichkeit geworden.Ein Feuer in einem historischen Haus, wenige Schritte vom Rathaus entfernt, breitete sich zu einem Großbrand in der dicht bebauten Altstadt aus. Am Nachmittag geschieht das, was Experten erwartet haben: Das Haus, im Untergeschoss ist ein Schuhgeschäft, fällt komplett in sich zusammen. Ursache des Feuers war wohl ein Adventskranz, vermutet die Polizei. Er hing an einem Deckenbalken im zweiten Obergeschoss des später eingestürzten Hauses.
Ein Augenzeuge, der gegen 8 Uhr zu den Ersthelfern gehörte, berichtet von dramatischen Szenen. Als er am Haus an der Ecke Kanzlei-/Hussenstraße vorbeikam, sah er einen Mann im Flur des Erdgeschosses inmitten von Flammen stehen. Seine Haare zeigten Verbrennungen. Mitarbeiter der Straßenreinigung, die ebenfalls in der Nähe waren, halfen, den 84 Jahre alten Mann zu retten. Er wurde mit Brandverletzungen ins Klinikum gebracht.
Die Feuerwehr war einige Minuten später am Einsatzort. Die Flammen breiteten sich in dem mittelalterlichen Haus mit dem vielen Holz rasend schnell aus. Wenig später brannten bereits die Dachstühle des Eck- und des benachbarten Hauses. Das Feuer griff noch auf zwei weitere Häuser über. Die Feuerwehrleute bargen über die Drehleiter eine 73 Jahre alte Frau aus dem Fenster eines der Häuser. Sie habe eine Rauchvergiftung, sagte der Polizeisprecher. Offensichtlich befanden sich die anderen Bewohner nicht im Haus als das Feuer ausbrach. Die Stadtverwaltung bemühte sich darum, die rund 50 obdachlos gewordenen Menschen unterzubringen. „Für eine fünfköpfige Familie haben wir etwas gefunden“, berichtete Hans-Rudi Fischer, Leiter des Bürgeramts. Alle anderen seien privat untergekommen oder im Weihnachtsurlaub. Die Hilfsbereitschaft in der Stadt ist groß. Viele Menschen haben Wohnungen oder Kleidung angeboten.
„Alles, was Beine hat, ist unterwegs“, hieß es bei der Polizei. Sanitäter des Roten Kreuzes und des Malteser Hilfswerks rennen durch die abgesperrten Straßen und Gassen der Fußgängerzone. Immer wieder ertönen Sirenen von Feuerwehrfahrzeugen. Die Feuerwehrleute aus Konstanz, der Schweizer Nachbarstadt Kreuzlingen und aus dem ganzen Landkreis Konstanz kämpften stundenlang gegen die Flammen an. Sie versuchten, ein Übergreifen auf weitere Häuser zu verhindern. Ein Gebäude ist am Nachmittag komplett eingestürzt. Drei benachbarte Häuser brannten über mehrere Stunden, zwei sind ebenfalls stark einsturzgefährdet. Sie liegen mitten in der Fußgängerzone. Große Teile der angrenzenden Einkaufsmeile wurden gesperrt, die Geschäfte konnten an einem der umsatzstärksten Tage nicht öffnen.
Der materielle Schaden ist immens. Ein Sprecher der Feuerwehr Konstanz sprach von mindestens fünf Millionen Euro. Frank Mienhardt, Leiter des städtischen Denkmalamts, bezeichnete den Einsturz als Katastrophe für das mittelalterliche Konstanz. Es sei aus Sicht des Denkmalschutzes der schlimmste Brand seit 40 Jahren. Das Haus stammte im Kern aus der Zeit um das Jahr 1300.
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