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Konstanz Zum Tode von Gerhart von Graevenitz: Die Elite-Uni war sein Meisterstück

Traurige Nachricht an Karfreitag: Gerhart von Graevenitz, früherer Rektor der Universität Konstanz ist gestorben. Er wurde nur 71 Jahre alt.

Wann immer man Gerhart von Gravenitz traf, ihn umwehte stets eine besondere Aura. Es war ein zarter Hauch Aristokratie, nur ohne das Schnöselhafte. Vielleicht lag es einfach an seinem Namen, an seinen karierten Sakkos oder schlicht an seiner stets besonnen-distinguierten Art. Man konnte sich jedenfalls nie vorstellen, dass dieser Mann mal laut werden würde. Er brauchte das nicht, sein Wort war auch so gewichtig genug. Am Karfreitag ist dieser große Denker und wegweisende Rektor der Universität Konstanz für immer verstummt. Gerhart von Graevenitz ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Es ging ihm zuletzt schon nicht mehr gut, seine öffentlichen Auftritte wurden selten. Dabei war ihm das immer wichtig. Er wollte Präsenz zeigen, der Universität ein Gesicht geben in der Stadt und der Region. In einem Interview hatte es der Literaturwissenschaftler einmal so formuliert: „Als Universität muss man weltweit agieren, aber auch die Verankerung in der Heimatstadt muss stimmen.“ Für seinen Amtsantritt als Rektor der Konstanzer Universität im Jahr 2000 hatte er sich vor allem eines vorgenommen: „einfach mal zuhören“.

Mit seiner verbindlichen und klugen Art gelang es ihm schnell, das zu werden, was er immer anstrebte – ein Brückenbauer für die Wissenschaft zu sein. Seine Leistungen für die Universität Konstanz können gar nicht hoch genug geschätzt werden. Von Graevenitz war es, der seine Hochschule auf die neuen Studiengänge Bachelor und Master früh einschwor und damit Einflussmöglichkeiten sicherte. Zugleich gestaltete er den Generationswandel in der Professorenschaft. Vor allem aber legte er den Grundstein für den großen Triumph bei der ersten Runde der Exzellenzinitiative. Erst von Graevenitz machte die Konstanzer Hochschule zu einer Elite-Universität und sicherte ihr so Bekanntheit und Renommee in der Wissenschaftswelt.

Freilich wirkte Gerhart von Graevenitz nicht nur am Bodensee. Er war Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz Baden-Württemberg, hatte vier Jahre lang eine ständige Gastprofessur an der Karls-Universität Prag inne und bemühte sich auch um den Austausch mit Israel – als Vorsitzender des Stiftungsfonds Martin-Buber-Gesellschaft an der Hebrew Universität in Jerusalem. Darüber hinaus engagierte er sich für die Universitätspartnerschaft mit Tel Aviv. Gerhart von Graevenitz war der festen Überzeugung, dass die Forschung Brücken bauen kann und dass die Brücken umso wichtiger werden, je schwieriger die politischen Verhältnisse sind. Die Nachricht seines Todes hat deutschlandweit für Bestürzung gesorgt. Besonders an der Universität Konstanz ist die Trauer groß.

Prof. Gerhart von Graevenitz (l) im Jahr 2009 mit seinem Nachfolger Ulrich Rüdiger.
Prof. Gerhart von Graevenitz (l) im Jahr 2009 mit seinem Nachfolger Ulrich Rüdiger. | Bild: Patrick Seeger (dpa)

In einer ersten Reaktion am Freitagabend erklärte Ulrich Rüdiger, von Graevenitz’ Nachfolger als Konstanzer Rektor: „Für mich persönlich ist heute ein Tag großer Trauer, Gerhart von Graevenitz stand mir all die Jahre als kluger und weitsichtiger Ratgeber zur Seite, der jederzeit das Beste für die Universität Konstanz wollte. Unser Mitgefühl gilt der gesamten Familie von Graevenitz, insbesondere Frau Mechthild von Graevenitz.“ Die Universität habe mit dem Tode Gerhart von Graevenitz’ einen ihrer bedeutenden Wissenschaftler, einen großartigen Rektor und Freund verloren, erklärte Ulrich Rüdiger weiter.

Welche Engagements Gerhart von Graevenitz nach seinem Ausscheiden als Rektor in Konstanz auch übernommen hatte, ob als Beiratsvorsitzender der Berliner Humboldt-Universität, oder als Fernsehrat des ZDF, Konstanz blieb dem evangelischen Schwaben stets im Herzen. Auf die Frage nach seiner Lieblingsuniversität antwortete er 2014: „Zuerst kommt die Universität Konstanz, dann kommt lange nichts.“

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