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Konstanz Wo sich Poesie und Gewalt begegnen

Viele Gewaltherrscher haben oder hatten eine literarische Ader. Warum das so ist, erklärten die Uni-Forscher Albrecht Koschorke und Konstantin Kaminskij bei „Ausgesprochen: Wissenschaft“.

Konstantin Kaminskij, Jörg-Peter Rau und Albert Koschorke (von links) diskutierten bei „Ausgesprochen: Wissenschaft“ über die Dichtkunst von Gewaltherrschern.
Konstantin Kaminskij, Jörg-Peter Rau und Albert Koschorke (von links) diskutierten bei „Ausgesprochen: Wissenschaft“ über die Dichtkunst von Gewaltherrschern. | Bild: BILD: STEINERT

Konstanz – Was aus einer Kneipen-Idee entstehen kann, wurde eindrucksvoll am Dienstagabend in Rahmen der SÜDKURIER Vortragsreihe „Ausgesprochen: Wissenschaft“ präsentiert. Im Voglhaus Café tummelten sich die Zuhörer um das Dreiergespann Albrecht Koschorke, Konstantin Kaminskij und Jörg-Peter Rau, Leiter der Lokalredaktion des SÜDKURIER. Dieses Mal ging es um die Dichtkunst von Diktatoren, ein ungewöhnliches Thema.

„Politik besteht größtenteils aus Worten. Es ist eine Kunst, hier die richtige Balance zu finden. Schnell stellt sich da die Frage, ab wann eine Formulierung poetisch oder politisch inkorrekt ist“, erklärt Konstantin Kaminskij, Mitherausgeber des Buches „Despoten dichten. Sprachkunst und Gewalt“ (Konstanz University Press). Zusammen mit Koschorke entstand das Buch über die Literatur von Gewaltherrschern.

Koschorke studierte an der Universität München Philosophie, Kunstgeschichte, Ethnologie, Neuere Deutsche Literatur- und Kommunikationswissenschaft. Seit 2001 ist er Professor für Neuere Deutsche Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz. Zudem ist er Träger des Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preises, dem international höchstdotierten wissenschaftlichen Förderpreis.

Die Frage des Dienstagabends war, warum Diktatoren, wie z.B. der serbische Ex-Präsident Radovan Karad~ic, eine so ausgeprägte poetische Neigung haben. Wie kann ein Mann zugleich Dichter und Massenmörder sein? „Dichtung ist die Lizenz zur Verrücktheit“, erklärt Koschorke. Oft weisen die Diktatoren-Dichter ähnliche Eigenschaften auf: Sie sind Außenstehende der Gesellschaft und Männer ohne Tradition. „In den literarischen Werken von Tyrannen werden ihre Männerfantasien wahr. Diktatoren starten in ihren poetischen Erzeugnissen den Versuch, sich selbst zu erschaffen und sich selbst zu gebären“, so Koschorke.

Der nächste Gesprächsabend, dann mit der Biologieprofessorin Elke Deuerling, findet am 8. November, 20 Uhr im Voglhaus statt.

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Ausgesprochen: Wissenschaft: „Ausgesprochen: Wissenschaft“ ist ein gemeinsames Angebot von SÜDKURIER, Universität und HTWG Konstanz. In einem dreiviertelstündigen Dialog erklären Spitzenforscher aus den Hochschulen der Stadt allgemeinverständlich, woran sie arbeiten.
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