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Konstanz Wieder Ärger in Allmannsdorf: Bürger kritisieren Bauvorhaben in der Schiffstraße

Zu groß, zu massiv und zu wenig Raum für Bäume: Die Bürgervereinigung Allmannsdorf-Staad kritisiert die geplante Bebauung in der Schiffstraße. Die Grünen fordern nun einen Bebauungsplan.

Wieder und wieder zeigt sich in Allmannsdorf und Staad dasselbe Bild: Engagierte Bürger versammeln sich vor einem Grundstück oder einer Baustelle und sind aufgebracht. Ihnen gefällt es nicht, wie sich ihr Ort entwickelt. Treibende Kraft unter den Kritikern ist die Bürgervereinigung Allmannsdorf-Staad (BAS) mit ihrem Vorsitzenden Sven Martin. Der sagt: "Das Problem ist, dass Investoren inzwischen die Ortsentwicklung machen."

So befürchtet Martin es auch für die Schiffstraße 3a, ein großes Grundstück nah am Ortskern. Auf 1462 Quadratmetern sollen rund 20 Wohnungen entstehen, mit zwei und drei Stockwerken plus Dachgeschoss und einer Tiefgarage, die fast das gesamte Grundstück unterhöhlt. Bislang stehen auf dem Gelände zwei Wohnhäuser, die bis vor kurzem von Familie Kossmehl bewohnt wurden und nun abgerissen werden. "Wir haben mit der Planung mehrere Probleme", zählt Sven Martin auf: "Eine sehr dichte Bebauung, aufgrund der Tiefgarage keine Möglichkeit für hochstämmige Bäume und das Fehlen eines Gesamtplans für diesen Bereich." Ewald Weisschedel, Stadtrat der Freien Wähler, sieht das etwas anders: "Ich habe als Anwohner dasselbe erlebt wie Sie nun befürchten, doch Konstanz steht unter dem Druck der Wohnungsnot." Peter Müller-Neff, Stadtrat der Freien Grünen Liste, widerspricht: "Ich finde das hier auch zu massiv. Nur Wohnen, Wohnen, Wohnen ist manchmal zu viel." Und so möchte seine Fraktion im Technischen und Umweltausschuss am 26. Mai einen Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplans rund um Schiffstraße und Ruppanerstraße stellen. Begründung: "Die Planung von Teilflächen nach dem Bedürfnis der Eigentümer erscheint im Sinne einer Gesamtplanung fragwürdig."

Sven Martin (rechts), Vorsitzender der Bürgervereinigung, erläutert interessierten Bürgern und Stadträten die Planungen rund um die Schiffstraße 3a. Das Haus im Hintergrund wird abgerissen. Die Wiese links gehört zum städtischen Handlungsprogramm Wohnen.
Sven Martin (rechts), Vorsitzender der Bürgervereinigung, erläutert interessierten Bürgern und Stadträten die Planungen rund um die Schiffstraße 3a. Das Haus im Hintergrund wird abgerissen. Die Wiese links gehört zum städtischen Handlungsprogramm Wohnen.

Die kritischen Bürger stört indes neben dem Was der Planungen auch das Wie. Sie fühlen sich hintergangen, weil die Absprachen bislang im Hintergrund liefen. Familie Kossmehl hatte das Grundstück vor gut einem halben Jahr an das Unternehmen Bauprojekta in Geislingen-Binsdorf verkauft. Dann kam das Vorhaben im November in den Gestaltungsbeirat – als nichtöffentlicher Tagesordnungspunkt. "Liegt es daran, dass Klaus-Peter Kossmehl selbst ein Stadtrat ist?", mutmaßt ein Anwohner. "Das lief doch unter einem Deckmäntelchen." Andreas Napel, Leiter des städtischen Baurechts- und Denkmalamts, sieht dagegen kein Problem: "Dass Vorhaben nichtöffentlich behandelt werden, ist nicht ungewöhnlich. Bauherren können dies beantragen. Die Ansicht der BAS hinsichtlich einer wie auch immer gearteten Brisanz wird nicht geteilt." So sieht es auch Bernd Eberhard, einer der beiden Geschäftsführer bei Bauprojekta: "Herr Kossmehl hat erst sein Grundstück verkauft, dann haben wir geplant. Er wollte sich eben nicht angreifbar machen." Klaus-Peter Kossmehl selbst äußert sich trotz mehrfacher Nachfragen des SÜDKURIER nicht zu den Vorgängen.

Für welches Klientel entsteht an der Schiffstraße aber nun Wohnraum? "Sicher nicht für junge Familien mit Durchschnittseinkommen", befürchtet eine Anwohnerin. Bernd Eberhard bestätigt: "Das Grundstück war nicht billig, entsprechend sind die Preise. Wir haben vernünftig kalkuliert und werden nur einen Bruchteil dessen verlangen, was an der Seestraße bezahlt wird." Dann fügt er an: "Das Argument, hier würde zu viel gebaut, kann ich in einer Stadt mit Wohnungsnot nicht nachvollziehen." Genauso geht es der Allmannsdorferin Dorothee Schmidt. Beim Ortstermin sagte sie: "Wir alle wohnen selbst privilegiert und nun soll dies anderen verwehrt werden? Die BAS ist eine kleine, engagierte Gruppe, die aber für alle Allmannsdorfer spricht. So kann der Eindruck entstehen, wir hätten die Nase weit oben."
 

 

Das Projekt und gesetzliche Vorgaben

  • Zum Vorhaben: Bauträger ist die Bauprojekta GmbH im schwäbischen Geislingen-Binsdorf. Sie setzt hochpreisige Projekte um, dazu gehören einige Seevillen in Überlingen. In der Konstanzer Schiffstraße 3a waren ursprünglich 22 Wohnungen geplant, am Ende würden aber vielleicht nur 18 bis 20 umgesetzt, sagt Geschäftsführer Bernd Eberhard. Architekt ist der Konstanzer Fredi d'Aloisio. Er macht sich nun an die Genehmigungsplanung. Anschließend wird der Bauantrag eingereicht.
  • Zum Verfahren: Ein Anwohner empört sich: "Hier wurden mit einer Bauvoranfrage Fakten geschaffen." Tatsächlich erteilte das städtische Baurechts- und Denkmalamt den beantragten Bauvorbescheid. Darin sind schon Angaben zu Kubatur, Anzahl der Wohnungen und Stellplätze enthalten. Andreas Napel, Leiter des Baurechtsamts, erklärt: "Dem geplanten Vorhaben standen auf der Grundlage der eingereichten vorläufigen Unterlagen keine öffentlich-rechtlichen Vorschriften entgegen. Auf den erteilten Bauvorbescheid bestand ein Rechtsanspruch." Da für das Areal ein Bebauungsplan fehlt, greift Paragraf 34 des Baugesetzbuches. Und der besagt, Vorhaben seien zulässig, wenn sie sich in die Eigenart der Umgebung einfügen. Das sieht auch der Gestaltungsbeirat als gegeben an: Er wünschte nur eine kleine Änderung. (kis)

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