Die Beschwerden im Nachklang zum Seenachtfest häufen sich. Die Unterführung an der Marktstätte, aber auch die Hafenstraße im Bereich der Gastronomiebetriebe entwickelten sich aufgrund der Massenbewegungen am Samstagabend zum Nadelöhr. Einsatzkräfte von der Landes- und Bundespolizei reagierten sofort und kanalisierten die Besucherströme. „Es gab ein paar Stellen, wo es hätte heikel werden können“, so Michael Aschenbrenner, Pressesprecher der Polizeidirektion Konstanz. Sofort habe man auf die Entwicklungen reagiert und die entsprechenden Maßnahmen ergriffen.
Hans-Rudi Fischer, Leiter des Konstanzer Bürgeramt, der gemeinsam mit Joachim Felgenhauer, Leiter des Polizeireviers Konstanz, von Samstagmorgen um 9 Uhr bis Sonntagmorgen um 6 Uhr im Dauereinsatz vor Ort mitten im Geschehen war, berichtete von „erheblichen Problemen“ in der Hafenstraße. Gegen Mitternacht sei der Andrang so groß gewesen, dass nichts mehr ging. Besucher drängten von Klein Venedig in Richtung Stadtgarten und umgekehrt. Andere standen da und wollten an der Freiluft-Disco in der Hafenstraße Party feiern.
Die Massenbewegung kam zum Stillstand. Die Polizei veranlasste sofort die Unterbrechung der Musikveranstaltung. Es folgte eine Durchsage, um die Besucherströme zu kanalisieren. „Wenn da etwas passiert, dann gibt es ein Riesenproblem“, sagt Hans-Rudi Fischer, der jedes Jahr aufs Neue in enger Abstimmung mit der Polizei das Sicherheitskonzept stetig weiterentwickelt und den sich verändernden Gegebenheiten anpasst.
Auch in der Marktstätten-Unterführung war der Andrang so groß, dass die temporär aufgestellten Kassen verlegt wurden. Die Bundespolizei sperrte die Abgänge vom Bahnhof in die Unterführung und leitete die Besucherströme um. Eine kurzfristige, gezielte Maßnahme. Aber Hans-Rudi Fischer stellt fest: „Hier werden wir uns über Änderungen im nächsten Jahr unterhalten müssen.“ In Kürze gebe es wie immer eine Nachbesprechung mit allen Beteiligten.
Die Optimierung des Sicherheitskonzeptes, die ein stetiger Prozess ist, werde weiter vorangetrieben. Und genau aus diesem Grund hat Hans-Rudi Fischer schon im Vorfeld zu der Großveranstaltung zusätzliche Vorarbeit geleistet. Besonderes Augenmerk legte Fischer auf das Festgelände Stadtgarten, das schon immer als heikelstes Areal im Festgelände eingestuft wird. Er will mit der Deutschen Bahn in Verhandlung treten, um einen weiteren Überweg über die Gleise in Höhe des chinesischen Buswartehäuschens als zusätzlichen Fluchtweg zu erwirken. Aus diesem Grund stellte er Mitarbeiter ab, die während des Seenachtfestes an den Eingängen in den Stadtgarten die Besucher zählten.
Auf diese Datenerhebung sind jetzt viele gespannt, denn am Samstagabend wurde zeitweise den Besuchern der Zutritt versagt. Es hieß, der Stadtgarten sei überfüllt. Wer diese Ansage gegeben hat, ist bislang ungeklärt. Dieter Wäschle, der federführend für dieses auch während des Seenachfestes höchst beliebte Gelände zuständig ist, spricht keineswegs von Überfüllung. Ganz im Gegenteil: „Wir hatten 20 Prozent weniger Besucher wie letztes Jahr; man konnte noch locker durchlaufen“, so Wäschle gegenüber dem SÜDKURIER. Jürgen Wünsche von der Event- und Festivalmanagement GmbH, die das Seenachtfest veranstaltet, kann diesbezüglich nicht zur Klärung verhelfen, ist aber auch gespannt auf die Zahlen des Bürgeramts.
Jürgen Wünsche kann die Aufregungen seitens der Besucher bezüglich der Engpässe nicht verstehen. „Im Vorfeld wurden alle sicherheitsrelevanten Maßnahmen getroffen. Und wenn es eng wird, dann wird es eng. Polizei und Security haben einen guten Job gemacht und die entsprechenden Maßnahmen getroffen, um die Massen zu entzerren und Abflusswege zu vergrößern“, so Wünsche. Der Veranstalter kann aber auch das Verhalten der Besucher nicht unbedingt nachvollziehen: „Warum muss man kurz vor knapp zum Feuerwerk kommen und kaum nach dem letzten Böller wieder weg?“ Er appelliert an die Vernunft der Besucher, eben einen solchen Andrang zu meiden und stattdessen noch in aller Ruhe abzuwarten.
Eines steht fest: Das Rekordjahr wird eingehend analysiert und es wird Änderungen im Sicherheitskonzept geben. Auch Jürgen Wünsche ist der Ansicht, dass mit 60 000 Besuchern die Kapazitätsgrenze des Festareals langsam erreicht ist. „Zuschauermäßig geht da nicht mehr viel“, sagt er, der bereits Optimierungsmöglichkeiten in Sachen Organisation überlegt. „Vielleicht werden wir die Anzahl der Eintrittskarten limitieren. Es macht keinen Spaß, wenn es zu eng ist.“
Das traditionelle Seenachtfest in Konstanz und Kreuzlingen lockt jedes Jahr zehntausende Besucher an. Hier gibt es alle Infos zum tollsten Feuerwerk am See - und den Sommernächten, die vorher in Konstanz stattfinden.

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