Mein

Konstanz Wie aus dem Wohnzimmer die Bücherei wurde

30.10.2007
Artikel drucken
Schlagwörter


Es war einmal das Wohnzimmer eines Pfarrers. Der Geistliche zog eine Etage höher und die Bücher aus dem Keller des Gemeindezentrums fanden einen neuen Platz im ehemaligen Wohnzimmer des Geistlichen. Geschehen ist dies im Pfarrhaus von St. Suso im Taborweg 32. Mit dem Ortswechsel hat die Gemeindebücherei ihr langjähriges Schattendasein in Schränken des Veranstaltungsraumes beendet. Seit die Bibliothek gut zugänglich ist, erfreut sich die Einrichtung steigender Beliebtheit. Nicht zuletzt, da sie keine "verstaubten Schinken", sondern aktuelle Literatur anbietet.

Mechthild Hund, die ehrenamtliche Bibliotheksleiterin, liest besonders gern den "Spiegel", denn sie freut sich immer wieder, dass die Titel der Bestseller schon in "ihrer" Bücherei stehen. Das ist quasi der Lohn ihres Engagements. Jeden Donnerstag von 15 bis 18 Uhr und nach dem Sonntagsgottesdienst berät sie wissbegierige Leseratten. Wer mit konkreten Vorstellungen kommt, kann auch an den anderen Werktagen - außer dienstags und samstags - am Nachmittag das gewünschte Buch kostenlos ausleihen und muss sich lediglich in eine Liste eintragen. Dieses Angebot, das von Pfarrsekretärin Jutta Fuchs begleitet wird, setzt auf Vertrauen und wird honoriert. Zur Freude der Frauen wurde bisher jedes Buch zurückgebracht.

Etwa 1600 Titel sind im Angebot, wobei Kassetten und CDs eher am Rande eine Rolle spielen. DVDs haben noch keinen Einzug in die Leihbücherei gehalten. Das liegt auch am begrenzten Etat von rund 1000 Euro im Jahr. Bis zu 500 Euro kommen hinzu, wenn die Buchausstellungen zur Erstkommunion und zu Weihnachten (diesmal am 1. und 2. Dezember) guten Anklang finden. Die dritte Einnahmequelle ist der Buchsonntag (4. November) am Tag des Heiligen Borromäus, an dem die Kollekte im Vorjahr immerhin 100 Euro brachte.

Die Gemeindebücherei von St. Suso übernimmt eine Zentralfunktion in der Seelsorgeeinheit Petershausen, nachdem in St. Gebhard und Bruder-Klaus keine derartigen Einrichtungen mehr existieren. Was aber nicht bedeutet, dass nur Gemeindemitglieder dort Bücher entleihen dürfen. Lehrerinnen der Haidelmoosschule kommen regelmäßig vorbei und die Nachbarschaft sowieso. Zum Alltag von Mechthild Hunds Fachberatung gehören ferner Schülerinnen und Schüler, die nach speziellem Wissen forschen.

Waren vor Jahren noch Romane besonders gefragt, registriert die Bibliothekarin einen neuen Trend zu Biographien - den "Heiligen von heute", wie sie leicht scherzhaft sagt und die Gelegenheit zur Klarstellung nutzt: Frömmelnde Literatur suche der Benutzer vergeblich. Stattdessen findet er fundierte Werke über Glaubensfragen und eine große Sammlung über den Namensgeber Suso. Viel Platz nehmen Bücher mit politischem und zeitgenössischem Hintergrund ein.

Im gleichen Regal wie der Mystiker Heinrich Seuse stehen Autoren der Gegenwart. Und was wäre die Heimatkunde ohne Rosemarie Banholzer oder die "Vater-und-Sohn-Geschichten"? Neben diesem Allgemeingut hütet die Bücherei besondere Schätze: Faksimiles der Richentalchronik, der Straßburger Bibel von 1630 und das Brüssler Stundenbuch - Schätze auch fürs Auge. Allerdings dürfen diese nicht ausgeliehen werden.

Vom Kindergartenalter über Erstleser bis zu Jugendlichen reicht das Spektrum eines weiteren Benutzerkreises, der ebenfalls auf große Auswahl und Aktualität setzen kann.

Konstanz
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung