Mein

Konstanz Wie Nachbarn wirklich ticken

Wie muss ein Stadtviertel beschaffen sein, damit sich die Bewohner aus verschiedenen Ländern wohlfühlen? Forscher des Exzellenzclusters der Uni Konstanz gehen der Frage auf den Grund, wann Menschen sich gut integriert fühlen.

Bild: Bild: Hanser

Konstanz/Kreuzlingen – Warum fühlt sich der eine Ausländer gut integriert, der andere nicht? Wissenschaftler der Universität Konstanz untersuchen zum ersten Mal in einer Studie, wie Integration in Konstanz und Kreuzlingen funktioniert. Der Empirische Sozialforscher Thomas Hinz und der Politologe Markus Freitag widmen sich der Frage, wie die kulturelle Mischung in einem Quartier sich auf das Integrationsbefinden auswirkt. Oder anders gesagt: Fühle ich mich wohler, wenn meine Nachbarn mir sehr ähnlich sind, oder bin ich eher zufrieden, wenn ich Fremdes kennen lerne?

Um das herauszufinden, wollen Thomas Hinz und Markus Freitag sich bis zum Spätsommer ein Bild von den Menschen machen. Dazu haben sie in Kreuzlingen 24 und in Konstanz 56 Nachbarschaften (Straßenzüge oder ganze Stadtviertel) ausgewählt. Die Forscher untersuchen nicht nur, wie hoch der Ausländeranteil dort ist, welche Sprachen gesprochen werden und welche Bildungschancen bestehen. „Wir schauen auch in Familien hinein und untersuchen Freundschaftsbeziehungen“, sagt Thomas Hinz. In einem zweiten Schritt werden zwischen 1500 und 1800 Bewohner mit einem standardisierten Verfahren zu ihren sozialen Beziehungen und ihrem Zusammengehörigkeitsgefühl befragt. Erste Ergebnisse sollen ab März 2011 vorliegen.

Nutzen ziehen daraus vor allem die beiden Integrationsbeauftragten der Städte Konstanz und Kreuzlingen. „Ich erkenne in der Studie unglaubliches Potenzial für unsere praktische Arbeit“, sagt die Kreuzlinger Integrationsbeauftragte Zeljka Blank-Antakli. „Es ist einmalig, dass zwei Städte gemeinsam ein Integrationskonzept entwickeln.“ Bei einem Ausländeranteil von fast 50 Prozent wie in Kreuzlingen müsse man auf die Ressourcen schauen, die die Menschen mitbringen, und nicht auf die Probleme. „Noch nie zuvor wurden die Betroffenen selbst gefragt, was sie brauchen“, so Blank-Antakli. Sie beobachtet, dass die vielen deutschen Bewohner in Kreuzlingen keinen Trachtenverein haben, Albaner oder andere Ausländer aber sehr wohl. „Haben die Deutschen keinen Spaß an Trachten oder nutzen sie lieber den Konstanzer Sportverein? Das interessiert mich brennend“, sagt sie. Der Politikwissenschaftler Thomas Freitag gibt ein weiteres Beispiel, wie die Forschung in konkrete Handlungen münden könnte: „Wenn in einer Nachbarschaft 15 Spielplätze sind und die Leute zufriedener sind als dort, wo kein Spielplatz ist, müsste man schauen, ob die Unzufriedenheit durch den Bau eines Spielplatzes zu beseitigen wäre.“

Am Ende steht auch eine weitere Facette des ohnehin schon vielschichtigen Begriffs Integration. „Heute kann man nicht mehr erwarten, dass alle sich anpassen. Das ist ein falsches Verständnis von Integration“, sagt Rudolf Schlögl, Sprecher des Exzellenzclusters „Kulturelle Grundlagen von Integration“ der Uni Konstanz, bei dem das Projekt angesiedelt ist. „Wir müssen vielmehr schauen, wie die gesellschaftliche Struktur beschaffen sein muss, damit die Bewohner eines Quartiers mit ihrer Verschiedenheit klarkommen.“

Ihre Meinung ist uns wichtig
Hervorragende Weine vom Bodensee
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren