Das Hegau-Bodensee-Seminar lässt Schüler Uni-Luft schnuppern. Sie nutzen ihre Chance und befassen sich mit schwierigen Themen
Konstanz – Das Thema klingt anspruchsvoll, und die Jüngsten auf dem Campus werden an diesen sonnigen Frühsommertag dem Anspruch mehr als gerecht. Rund 60 Schüler aus Stadt und Region haben das Klassenzimmer gegen einen Seminarraum an der Universität eingetauscht, und sie befassen sich mit keiner einfacheren Frage als dieser: „Was hält Europa zusammen? Die kulturelle Dimension der europäischen Einigung“. Zu Gast sind sie dann auch beim Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration.“
Berührungsängste mit der Welt der Wissenschaft sind den Schülern, die meisten aus den Klassenstufen zehn bis zwölf, nicht anzumerken. So sagt Lilian Silber, Zwölftklässlerin am Humboldt-Gymnasium: „Das ist spannend, komplett anders als normaler Unterricht.“ Zuvor hatte sie wie die anderen Teilnehmer eines der drei Seminare besucht. Zusammen mit Wissenschaftler Sven Sappelt beschäftigten sich die Schüler mit Europas Grenzen. Özkan Ezli besprach mit einer Gruppe das Thema „Kulturverhandlungen in der deutsch-türkischen Literatur und im Film“ und Professorin Silvia Mergenthal sowie Nicole Falkenhayner diskutierten mit den Schülern die schwierige Frage „Liegt England in Europa und was sind Großbritannien und Europa überhaupt?“.
Zur Mittagspause ist den Studenten auf Probe nur wenig Anstrengung anzumerken. Ohne Scheu waren sie auf die akademischen Lehrer zugegangen, und Özkan Ezli zeigt sich beeindruckt: Die Schüler, die den Uni-Tag als Angebot des Hegau-Bodensee-Seminars wahrgenommen haben, seien oft sehr gut informiert und mit großen Interesse bei der Sache.
Die Teilnehmer selbst sagen, der Tag sei für sie sehr wertvoll – wie auch das gesamte Angebot des Hegau-Bodensee-Seminars. Es spricht Schüler aus dem gesamten Landkreis an; nach Noten wird nicht gefragt, dafür aber echtes Interesse vorausgesetzt. Elena Pohl, Zwölftklässlerin am Ellenrieder-Gymnasium, hat ihren Einsatz bisher jedenfalls nicht bereut: „Das ist eine wahnsinnig große Chance.“