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Konstanz Wie Datenspeicherung Patienten nützt

Der Unternehmens- und Forschungsverbund Biolago arbeitet mit weiteren Partnern an einem Projekt zur elektronischen Langzeitarchivierung im Gesundheitssektor. Davon könnten auch Patienten profitieren.

Die Ohrenschmerzen am Sonntagabend waren so stark, dass Thomas D. die Notaufnahme im Krankenhaus aufsuchte. Der Arzt erkannte eine sehr große Mandel als mögliches Problem. D. suchte in der Folgewoche seinen Hausarzt auf. Der fand in seinem Archiv eine 15 Jahre alte Aufnahme, die zeigte, dass D.'s Mandeln schon immer so groß waren und nicht das Problem sein konnten.

Das Knie von Sieglinde M. wurde immer unbeweglicher und drohte endgültig zu versteifen. Der Arzt ging davon aus, dass es sich bei dem Handicap um Spätfolgen eines Unfalls handelte, der zwei Jahrzehnte zurücklag. M. recherchierte im Krankenhaus nach alten Akten, um einen Antrag auf Berufsunfähigkeit begründen zu können.

Die beiden angenommenen Beispiele zeigen, wie wichtig Dokumentation, Datenspeicherung und -archivierung im Gesundheitssektor sind. Täglich werden in Arztpraxen zahlreiche Blut- und Urinproben entnommen und meist zur Analyse an diagnostische Labors weitergegeben. In jedem Fall muss eine große Datenmenge verwaltet werden. Dabei spielen IT-gestützte Lösungen eine immer größere Rolle. Die Datenspeicherung per Computer löst voluminöse Aktenschränke ab, die es allerdings immer noch gibt. Der bodenseeweite Biolago-Verbund, ein Netzwerk von Unternehmen und Forschungseinrichtungen der Lebenswissenschaften, arbeitet derzeit mit weiteren Partnern an elektronischen Archivierungslösungen. Das Projekt wird vom Land Baden-Württemberg gefördert.

Wenn es um medizinische Testergebnisse geht, Patientenproben oder allgemeine Geschäftsprozesse, erfolge die Archivierung häufig noch in Form von Laborbüchern, manchmal würden sogar Geräte eingelagert. Das sei zeitaufwändig und ermögliche keinen schnellen, verlässlichen Zugriff, erläutert Projektleiter Thomas Ragg, Geschäftsführer von Quantiom Bioinformatics. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, aus großen Datenmengen gezielt Wissen herauszufiltern. Ragg sieht als Zielgruppe des Projekts nicht die großen Arzneimittelhersteller, sondern mittlere und kleinere Firmen: Pharmadienstleister, Labore, Arztpraxen, Medizintechniker. Durchweg Unternehmen, für die eigene elektronische Archivlösungen wegen der hohen Kosten nicht finanzierbar wären, wie Peter Köppl betont (Hit Discovery Constance GmbH, Wirkstoffforschung), der ebenfalls im Projekt mitarbeitet. Das sieht auch Marco Pietschmann so: „Nicht jedes Labor kann die Dinge für sich alleine lösen.“ Der IT-Fachmann arbeitet für die Konstanzer GATC Biotech AG, die ebenfalls in der Projektgruppe vertreten ist. GATC ist Anbieter von DNA-Analysen. Für Pietschmann ist wichtig, dass für die internationale Kundschaft am Bodensee flexible Lösungen angeboten werden können. Henning Groenda, Informatiker im Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie (FZI), verweist auf die Bedeutung der Datensicherheit. Es wird wohl noch etwas dauern, bis das Projekt abgeschlossen ist und möglicherweise auch die Patienten von der Idee für eine elektronische Langzeitarchivierung im Gesundheitssektor profitieren. „Wir befinden uns noch in der Konzeptionsphase“, so Projektleiter Thomas Ragg dieser Tage nach einem Treffen der Beteiligten in Konstanz. Der Geschäftsplan ist noch nicht geschrieben.


Fakten und Förderung

Der Gesetzgeber macht Vorgaben für die Datenspeicherung im Gesundheitsbereich. So müssen Diagnostiklabors ihre Analysedaten zehn Jahre lang speichern. Für Medizinprodukte wie zum Beispiel Implantate beträgt die Frist 30 Jahre.

Das Land Baden-Württemberg

unterstützt das Projekt elektronische Langzeitarchivierung im Rahmen der Initiative zur Stärkung der Informationstechnologie mit einem fünfstelligen Euro-Betrag.

Der Verbund Biolago vereint 80 Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Bereich der Lebenswissenschaften. Biolago vernetzt laut eigenen Angaben 6000 Arbeitsplätze, davon 500 in der Forschung.Das Projekt im Internet unter:www.eArchiving.de

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