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Konstanz Wertschätzung heißt nicht angemessene Förderung

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Der promovierte Jurist Hermann Huba (56) ist seit 15 Jahren Direktor des Volkshochschulverbandes Baden-Württemberg, in dem 175 Volkshochschulen organisiert sind.

Herr Dr. Huba, Intention der Volkshochschul-Gründer war, Bürgern ein Weiterbildungsangebot zu machen, das die sich sonst nicht leisten können. Wie ist das Selbstverständnis der Volkshochschulen heute?

Das Angebot der Volkshochschulen wird bestimmt durch die subjektiven Bedürfnisse und den objektiven Bedarf der Bevölkerung, also durch das, was die Menschen vor Ort an Weiterbildung wollen und das, was sie an Weiterbildung brauchen. In diesem Sinne bestimmt die Nachfrage das Angebot. Das Selbstverständnis der Volkshochschulen heute entspricht immer noch ihrem Gründungsauftrag: Zu allen wichtigen Themen für möglichst alle Gruppen der Bevölkerung ein erschwingliches Bildungsangebot zu offerieren.

Volkshochschulen stehen als Anbieter von Weiterbildungsangeboten unter starkem Konkurrenzdruck. Wie schwer ist es für die Volkshochschulen, sich in diesem Markt zu behaupten?

Konkurrenz verbessert das Angebot für die Bevölkerung. Gegenüber unseren verschiedenen Konkurrenten haben wir mindestens vier Vorteile: Volkshochschulen gibt es überall, also flächendeckend, wir sind weltanschaulich neutral, wir haben die weit größere thematische Breite: Allgemeinbildung, politische Bildung, Gesundheitsbildung, Sprachen, berufliche Bildung, Grundbildung, Alphabetisierung und das Nachholen von Schulabschlüssen, und wir arbeiten nicht gewinnorientiert, sondern zu sozialverträglichen Preisen. Aufgrund dieser und anderer Vorteile setzen wir uns am Markt gut durch.

Hat sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte die politische Wertschätzung für die Volkshochschulen verändert? Vor einigen Jahren hat das Land Baden-Württemberg die Zuschüsse für die VHS reduziert.

Die Wertschätzung war immer hoch. Allerdings korrespondiert in Zeiten knapper öffentlicher Kassen hohe politische Wertschätzung nicht immer mit angemessener öffentlicher Förderung. In der Tat hat das Land in der Vergangenheit seine Förderung der Weiterbildung und damit der Volkshochschulen um mehr als die Hälfte gekürzt. Der Beitrag des Landes zur Finanzierung der VHS-Arbeit beträgt in Baden-Württemberg deshalb zur Zeit nur noch sechs Prozent. Im Bundesdurchschnitt sind es fast 14 Prozent. Seit der Enquete-Kommission „Wissensgesellschaft“, die dem Landtag Ende 2010 ihre Ergebnisse vorgelegt hat, hat sich der finanzielle Wind aber verbessert. Die grün-rote Koalitionsvereinbarung verspricht die Anhebung der Landesförderung auf den Bundesdurchschnitt für diese Legislaturperiode. Und die Regierungsfraktionen haben mit der Einlösung dieses Versprechens bereits begonnen. Im Haushalt 2012 ist als erster von fünf Schritten eine 20-prozentige Erhöhung der Grundförderung vorgesehen.

In welchem Maße darf eine Volkshochschule von Zuschüssen der Öffentlichen Hand abhängig sein?

Wir halten an unserer alten, von allen Weiterbildungsträgern erhobenen und auf Artikel 22 der Landesverfassung gestützten Forderung der Drittelfinanzierung fest: Die Arbeit der Volkshochschulen ist zu gleichen Teilen zu finanzieren durch das Land, die Kommunen und die Teilnehmenden, also je 33 Prozent. Davon sind wir noch sehr weit entfernt. Zur Zeit finanziert das Land wie gesagt sechs Prozent, die Kommunen tragen knapp 30 Prozent bei und die Teilnehmenden über 55 Prozent, fast 20 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. Dabei verschärfen hohe Teilnahmeentgelte die soziale Selektivität des Bildungssystems, weil sich dann nur noch Besserverdienende Weiterbildung leisten können.

Wie sieht die Zukunft der Volkshochschulen aus?

Lassen Sie mich so antworten: Volkshochschulen gibt es seit mehr als 100 Jahren und so flexibel wie sie sind, bin ich zuversichtlich, dass es sie auch noch in mehr als hundert Jahren gibt.

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