Konstanz Wenn die Flüchtlinge nach Egg kommen

Der Standort ist entscheiden, die Größe des Hauses für Flüchtlinge auch. Doch ein Info-Abend der Stadtverwaltung zeigte: Im kleinen Konstanzer Stadtteil geht die Arbeit jetzt erst richtig los.

Im geplanten Flüchtlingshaus am Ortsrand von Egg sollen 35 bis 40 Flüchtlinge untergebracht werden, vorzugsweise Familien. Bis die ersten neuen Bewohner einziehen, erarbeitet die Stadtverwaltung gemeinsam mit den Eggern ein Integrationskonzept. Und es wird eine Bebauung auf der Dorfwiese geben, aber Größe, genaue Lage und Art stehen noch nicht fest. Das sind die wichtigsten Ergebnisse des Informationsabends der Stadtverwaltung zu den heiß diskutierten Plänen für den kleinen Stadtteil. Neben Ängsten und Zweifeln wurde auch viel Zuversicht und Tatkraft deutlich. Andreas Marx von der Egger Bürgergemeinschaft sagte vor rund 200 Zuhörern über die Geflüchteten: „Wenn die nach Egg kommen, gehören sie zu uns, und wir werden dafür sorgen, dass sie die Füße auf den Boden bekommen.“

Die Debatte beim zweistündigen Info-Abend blieb überwiegend sachlich, und neben Ängsten und Zweifeln waren auch Hoffnungen und Chancen ein großes Thema. An der eigens dafür aufgestellten Stellwand hingen unter „offene Fragen“ zwar etliche Kärtchen, aber viele Details konnte die Stadtverwaltung auch gleich vor Ort klären. Neben Sozialdezernent Andreas Osner war dieses Mal auch Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn dabei. Das Duo konnte gemeinsam mit Alfred Kaufmann, dem Chef des Sozial- und Jugendamts, zahlreiche Fragen klären.

Zugleich gab es deutlich konkretere Antworten als bei einer ähnlichen Runde zum Thema Zergle. Vor zwei Wochen hatte sich Osner noch geweigert, Zahlen zur Belegung zu nennen. Im Fall von Egg legte er sich dagegen fest: Mit rund 40 Flüchtlingen habe man geplant, angedacht seien jetzt „eher 30 bis 35“. Und bei ihnen handle es sich um Menschen, die bereits seit etwa zwei Jahren in Konstanz seien und schon erste Schritte zur Integration unternommen hätten.

Gemischte Reaktionen

Deutlich wurde gleichwohl, dass dem Vorhaben aus Egg nicht nur Sympathie entgegenschlägt. Stadträtin Gabriele Weiner (Junges Forum) erhielt gemischte Reaktionen auf ihren Aufruf: „Gehen Sie ein bisschen optimistisch da ran!“ Groß ist die Sorge vor sozialen Schieflagen. Eine Besucherin warnte, in Egg entstehe „sehr privilegierter Wohnraum, den sich die meisten deutschen Familien nicht leisten können.“ Gaby Ellegast, Vorsitzende der Egger Bürgergemeinschaft, nannte die Kommunikation mit der Stadtverwaltung „schlecht“: „Mich ärgert, dass dauernd behauptet wird, Egg habe eine gute Infrastruktur.“ Läden, Schulen, Ärzte, all das sei „mehrere Kilometer entfernt.“

Die Egger beschäftigt auch die Frage, ob sie auch über das neue Haus hinaus weitere Flüchtlinge als neue Nachbarn bekommen. Dabei geht es um Grundstücke der Universität, die sich vielleicht als Standorte für Gemeinschaftsunterkünfte eignen. Die Hochschule hatte grundsätzliche Bereitschaft zur Hilfe signalisiert. Dazu sagte Langensteiner-Schönborn mit Blick auf Egg: „Wir haben das Thema Gemeinschaftsunterkunft nicht aufgebracht und verfolgen es nicht weiter.“

Ein deutliches Signal sandte die Stadtverwaltung zu ihren Plänen aus, auf der Dorfwiese zu bauen – wie es seit April 2014 im einstimmig vom Gemeinderat beschlossenen Handlungsprogramm Wohnen steht. Der nächste Schritt sei ein Ratsbeschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans, sagte Langensteiner-Schönborn. In die weiteren Planungen würden die Egger einbezogen. Ihre Wünsche gehen weit auseinander: Von einem völligen Verzicht auf eine Bebauung über eine Wiederaufnahme der Idee, an der Stelle einen Kindergarten zu errichten, bis hin zu einem Gemeinschaftsraum. Für Begegnungen müsse man die Geflüchteten auch in die Mitte der Dorfgemeinschaft einladen können, hieß es mehrfach.

 

Das Vorhaben in Egg

In Egg wird das Flüchtlingshaus nach einem Ratsbeschluss vom 23. Oktober auf einer Wiese am Ortsrand errichtet. Ursprünglich hatte die Stadtverwaltung dafür die Dorfwiese vorgeschlagen. Damit rund 677 000 Euro Landeszuschüsse nicht verfallen, muss der Bau im März 2016 starten. In den nächsten Wochen werde der Bauantrag eingereicht, erklärte die Verwaltung. Der Bau dauere etwa eineinhalb Jahre, die ersten Bewohner ziehen demnach Ende 2017 ein. Die Egger Bürgergemeinschaft widerspricht der Behauptung, sie habe sich vor allem zur Verhinderung der Pläne gegründet. Nach der Ratsentscheidung erklärte sie, sie werde sich „unmissverständlich für das Gelingen der Integration der Menschen, die zu uns kommen werden, einsetzen.“ (rau)

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