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Konstanz Wenn Integration die Ausnahme ist

25.04.2009


Konstanz (rin) Ob krank oder behindert – jeder Mensch hat die gleiche Würde, den gleichen Wert und das gleiche Recht auf Teilhabe in der Mitte der Gesellschaft. Daran erinnern die Kirchen in der „Woche für das Leben“ vom 25. April bis 2. Mai. Andreas Rudiger, katholischer Pfarrer in Petershausen, nimmt sie zum Anlass, eine Umkehr im Denken fordern: „Die Menschen sollten sich bewusst sein, dass es keine gute Zukunft gibt, wenn wir unser Leben allein über die materiellen Bedürfnisse definieren.“

Hohe Leistungsanforderungen in der Gesellschaft setzen denen Grenzen, die nicht mithalten können: „Menschen, die Schwäche zeigen, an ihre Grenzen kommen und somit den oft unrealistischen Anforderungen nicht mehr entsprechen, machen nicht selten die leidvolle Erfahrung, aufs Abstellgleis rangiert zu werden“, stellt Rudiger fest. Die Gesellschaft leiste sich ein System, in dem ein Mensch manchmal eher Geld vom Staat bekommt als eine Chance, sich entsprechend einer geringeren Leistungsfähigkeit einzubringen, beklagt auch Günther Keim von Arbeitstherapie für psychisch Kranke am Zentrum für Psychiatrie Reichenau. „Der normale Arbeitsmarkt fordert 100 Prozent Leistung.“

Manchmal setzen auch alte Strukturen Grenzen: Ein geistig behindertes Kind kann in Baden-Württemberg eine ganz normale Schule besuchen - wenn die Eltern und Lehrer hartnäckig genug sind, die Sonderregelung durchzusetzen. Denn noch immer ist Integration die Ausnahme und nicht der Regelfall, stellt Dirk Tinner fest, zweiter Vorsitzender der Lebenshilfe in Konstanz. Selbst im integrativen Kindergarten herrscht eine gewisse Zweiteilung: Nur auf Sonderantrag kann ein behindertes Kind die verlängerten Öffnungszeiten nutzen, berichtet Tinner, der auch als Vater zweier Kinder spricht – davon eines mit Down-Syndrom.

Oft stehen Familien vor großen Herausforderungen, wenn ein Angehöriger an Demenz erkrankt ist. Wer dem Kranken gerecht werden wolle, sollte ihm trotz der Einschränkungen Wertschätzung entgegen bringen und ihn möglichst allein bewältigen lassen, was er noch kann, rät Eva Kraft, Leiterin des Pflegeheims Salzberg in Konstanz. „In den Schuhen des anderen laufen“, heißt dieses Prinzip unter Pflegern. Es zu leben, erfordert Kraft. Wer sich einem Hilfsbedürftigen zuwendet, der darf dabei auch die eigenen Grenzen wahrnehmen und aussprechen, betont Pfarrer Rudiger. Das Jahresthema zur Woche des Lebens formuliere dies auch: „Gemeinsam mit Grenzen leben.“

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