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Konstanz Wenig kreatives Potenzial in Konstanz

Die Soziologin Anna-Lisa Müller (28) untersucht, wie Städte aussehen, die sich den ungeschützten Titel „Creative City“ (kreative Stadt) verleihen. Konstanz hat nach Meinung der Wissenschaftlerin an der Universität momentan kein Potenzial zur kreativen Stadt.

Sie sieht Konstanz als eine wenig kreative Stadt: Anna-Lisa Müller (links) im Gespräch mit SÜDKURIER-Mitarbeiterin Claudia Rindt über das Selbstverständnis der Stadt.
Sie sieht Konstanz als eine wenig kreative Stadt: Anna-Lisa Müller (links) im Gespräch mit SÜDKURIER-Mitarbeiterin Claudia Rindt über das Selbstverständnis der Stadt. | Bild: Hanser

Die Soziologin Anna-Lisa Müller (28) untersucht, wie Städte aussehen, die sich den ungeschützten Titel „Creative City“ (kreative Stadt) verleihen. Konstanz hat nach Meinung der Wissenschaftlerin an der Universität momentan kein Potenzial zur kreativen Stadt. Mit Baubürgermeister Kurt Werner debattiert sie am Dienstag, 10. November, um 20 Uhr im Oberlichtsaal des Kunstvereins. Bei einem Kaffee sagt sie vorab, warum sie Konstanz für ein wenig lethargisch hält.

Wie lange leben Sie denn schon in Konstanz?

Seit neun Jahren. Ursprünglich komme ich aus der 30 000-Einwohnerstadt Goslar im Großraum Hannover. Ich bin wegen des Studiums und der Nähe zu den Bergen nach Konstanz gekommen.

Würden Sie Konstanz zu den Städten zählen, die das Potenzial zur kreativen Stadt haben?

Grundsätzlich sind natürlich nicht die Städte als solche kreativ, sondern ihre Menschen. In einer kreativen Stadt wird viel Wert auf die Einbindung in Kunst und Kultur, Innovation und Forschung gelegt. Daraus soll Neues entstehen. Aus dieser Perspektive wäre ich eher zurückhaltend, Konstanz als kreativ zu bezeichnen. Der Dialog beispielsweise zwischen den Bürgern und den Forschungseinrichtungen könnte besser sein.

Denken Sie, dass die Bürger den Wert der Forschungseinrichtungen nicht wahrnehmen?

Doch. Der Wert als Arbeitgeber ist sicher erkannt. Die Ideen aber, die hier hervorgebracht werden, kommen in der Bevölkerung kaum an.

Liegt das vielleicht auch an den Forschern und ihrem Unvermögen, ihre Arbeit allgemeinverständlich vorzustellen?

Ja, das stimmt. Wir als Wissenschafter müssen eine Sprache finden, die die Menschen verstehen, die nichts mit der Forschung zu tun haben. Wenn der Austausch gelingt, dann verändert sich die Atmosphäre in einer Stadt und sie zieht andere innovative Menschen an.

Wenn Konstanz keine kreative Stadt ist, was ist sie dann?

Ich erlebe Konstanz als recht konservativ und nicht so offen für die studentische Subkultur. Konstanz steht nicht vor so großen Problemen wie andere Städte, sich überhaupt am Leben zu erhalten. Das fördert eine gewisse Lethargie. Eine kreative Stadt kann sich freuen über Leute, die herkommen und Althergebrachtes in Frage stellen.

Das Siegel kreative Stadt klingt aber doch auch stark nach Werbeslogan. Was steht wirklich hinter dem schönen Namen?

Bei allen Städten, die sich so bezeichnen, spielt das Thema Nachhaltigkeit eine ganz zentrale Rolle. Das heißt: ökologische, ökonomische und soziale Fragen stehen gleichberechtigt nebeneinander. Das Ökologische einzubeziehen, gilt inzwischen als selbstverständlich. Da ist Konstanz sehr weit vorn. Bei Leitbildern spielen die markanten Gebäude einer Stadt auch eine zentrale Rolle. Ich untersuche, ob es markante Zeichen einer Stadt gibt, die für eine „Creative City“ typisch sind.

Gibt es denn überhaupt viele Möglichkeiten für einen Stadtplaner, die Entwicklung einer Stadt zu beeinflussen?

Stadtplaner können Möglichkeiten bieten. Sie sollten eine Vision haben und im Team arbeiten. Zwischen Planung und Realisierung liegen heikle Punkte. Ich kann nie sagen, was wirklich passiert. Ein geplanter Platz kann ganz anders genutzt werden als vorgesehen. Es entstehen neue, andere Formen der Nutzung, an die vielleicht noch niemand gedacht hat. Das ist nicht schlimm, das sollte niemand als persönlichen Angriff verstehen. Es geht ja darum, was der Bewohner damit macht.

Sie gehen davon aus, dass Städte an Bedeutung gewinnen und immer mehr Menschen dort leben. Verödet im Gegenzug die ländliche Region?

Ich erwarte ein weit verbreitetes Netz an stabilen Regionen. Metropolen werden das Umland einbeziehen, so wie Konstanz dies wegen seiner eingeschränkten Expansionsfähigkeit schon seit langem pflegt. Dieses auch grenzüberschreitende Handeln ist ein großer Vorteil. Damit kann Konstanz schon besser umgehen als andere Städte.

Fragen: Claudia Rindt

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