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Konstanz Weltgeschichte im Café

Konstanz – Das Fach Geschichte kennt jeder noch aus seiner Schulzeit. Meist geht es im Unterricht um Kriege und politische Ereignisse, die in Deutschland oder Europa stattgefunden haben.

Ein ambitionierteres Projekt verfolgt der Konstanzer Historiker Jürgen Osterhammel: Der Professor für Neuere und Neueste Geschichte hat sich zum Ziel gesetzt, eine Weltgeschichte zu schreiben.

Was unter dem Begriff Weltgeschichte zu verstehen ist und mit welchen Methoden er seine Forschung betreibt, erläuterte Jürgen Osterhammel am Dienstag im bis auf den letzten Platz gefüllten Café Voglhaus im Rahmen der SÜDKURIER-Gesprächsreihe „Ausgesprochen: Wissenschaft“, moderiert vom Leiter der SÜDKURIER-Lokalredaktion Konstanz Jörg-Peter Rau. „Wir müssen Geschichte stärker von den Peripherien (Randbereichen) her denken, nicht nur von Paris, London oder Berlin aus“, sagte der deutschlandweit bekannte Historiker, der 2010 den renommierten Leibniz-Preis erhielt. Ein besonderes Interesse Osterhammels gilt dabei dem asiatischen Kulturraum mit dem sich der 58-Jährige in seinem Buch „Die Entzauberung Asiens“ auseinandersetzt. Aber nicht nur geographische Peripherien, sondern auch gesellschaftliche Randgruppen werden für die moderne Geschichtswissenschaft immer interessanter. „Man darf sich dabei aber nicht einbilden, alles zu wissen“, erklärte Jürgen Osterhammel, dessen 2009 veröffentlichtest Hauptwerk „Die Verwandlung der Welt“ bereits in der sechsten Auflage erschienen ist.

Zu seiner bevorzugten Forschungsmethode zählt Jürgen Osterhammel den Vergleich verschiedener Entwicklungen. „Dies dient der Erklärung, der Illustration und so lassen sich assoziative Bezüge schafften“, erklärte er. Beispielsweise sei es interessant zu fragen, warum die Industrielle Revolution in England begann und nicht in China, das im 18. Jahrhundert ähnlich gute Voraussetzungen hatte.

Nach der Diskussion über die Forschung Osterhammels, die der Geschichts-Professor sachlich, allgemein verständlich und mit einigen humorvollen Nebenbemerkungen souverän meisterte, ging es zum Ende des Gesprächs um das Thema Geschichte in den Medien und den Schulen. Leider fehle ihm angesichts seines hohen Arbeitspensums die Zeit, Geschichtssendungen im Fernsehen oder den Geschichtsunterricht in den Schulen zu verfolgen, sagte Osterhammel. Grundsätzlich würde er sich allerdings eine stärkere Präsenz der außereuropäischen Geschichte wünschen. Auch die Verknüpfung der Schulfächer Geschichte und Geographie wie es in Frankreich üblich sei, halte er für sinnvoll, wie Osterhammel auf Nachfrage eines Zuhörers bestätigte. Sein nächstes großes Forschungsprojekt befasse sich übrigens mit dem 20. Jahrhundert und das aus ideengeschichtlicher Perspektive, verriet Osterhammel zum Schluss des Gesprächs.

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